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Gemeinsam stolze 200 Jahre alt

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Teisendorf: Gemeinsam stolze 200 Jahre alt
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In Anerkennung seiner besonderen Verdienste ehrten Bezirksvorsitzende Marianne Scharr (rechts) und die Frauenvorsitzende des Bezirksverbands, Roswitha Hüttinger (links), den ehemaligen Bezirksvorsitzenden Sebastian Siglreithmayer. (Foto: Konnert)

Teisendorf – Runde Geburtstage konnten die Kreisverbände für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) Traunstein und Laufen im Rahmen der Bezirksversammlung feiern. Der Kreisverband Traunstein wurde vor 110 Jahren, der aus Laufen vor 90 Jahren ins Leben gerufen. Zu der Versammlung im Teisendorfer Poststall war viel Prominenz aus Politik und Verband gekommen, um zu gratulieren. Ein Festvortrag zum Thema Klimawandel und zahlreiche Ehrungen für ehrenamtlichen Einsatz rundeten das Programm ab.


Begonnen hatte der Tag mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Andreas in Teisendorf, an dem viele Verbandsmitglieder teilnahmen. Er wurde von Pfarrer Martin Klein zelebriert und vom Wimmerer Kirchenchor unter der Leitung von Elisabeth Pastötter musikalisch untermalt.

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Die Versammlung im Poststall eröffnete Bezirksvorsitzende Marianne Scharr. Beide Kreisverbände seien zusammen stolze 200 Jahre alt. Heute gebe es für die Landwirte viele Möglichkeiten und Gestaltungsfreiheiten, aber die Entscheidungen würden immer komplizierter. Genau wie auf einer vollen Autobahn müsse man sich im Betrieb entscheiden, wie man fahren wolle: auf der Stand-, der Mittel- oder der Überholspur. Am besten nutze man die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten.

In Frage-Antwort-Form unterhielt sich die Bezirksvorsitzende mit den Kreisvorsitzenden aus Traunstein und Laufen, Johann Engschallinger und Bruno Thurnhausstatter, über die Rolle und die Aufgaben des Verbands. Netzwerkbildung, Weiterbildung, Erhalt der Heimat, etwas bewegen, junge Leute begeistern, Kinder auf den Bauernhof bringen waren einige Schlagworte, die dabei fielen.

Berchtesgadens Landrat Georg Grabner hob die wichtige Pflege der Gemeinschaft nach der Schule hervor. Die Landwirte würden sehr viel Gutes machen, aber zu wenig darüber reden. »Ihr braucht Euch nicht verstecken«, ermutigte er sie.

Teisendorfs Bürgermeister Thomas Gasser nahm Bezug auf die Tierwelt und wünschte den Verbänden die Weitsicht einer Giraffe, die Stärke eines Löwen, die Attraktivität eines Pfaus, die Schläue eines Fuchses, ein dickes Fell wie ein Bär und die Sprungkraft eines Kängurus, um viele Hürden überspringen zu können.

Man könne für bestimmte Fehlentwicklungen in der Gesellschaft nicht nur die Landwirte verantwortlich machen, betonte der Landesvorsitzende des vfl, Hans Koller. Von der Politik forderte er, Diskussionen nicht über, sondern mit den Landwirten zu führen, denn auch in der Landwirtschaft habe es Entwicklungen gegeben, die die Gesellschaft akzeptieren müsse.

Für ihre Verdienste im Ehrenamt wurden zehn Mitglieder aus den Kreisverbänden Ingolstadt-Eichstätt, Mühldorf und München mit dem Verbandsabzeichen in Silber ausgezeichnet. Dem ehemaligen Bezirksvorsitzenden und jetzigen Kreisobmann von Traunstein, Sebastian Siglreithmayer, überreichte die Bezirksvorsitzende Scharr einen »XXL-Geschenkekorb« für seinen unermüdlichen und prägenden Einsatz im vlf. Eine besondere Ehrung wurde Georg Auer aus Freilassing zuteil. Der ehemalige, langjährige Vorsitzende des Kreisverbands Laufen wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Im Festvortrag befasste sich Klimaforscher Professor Dr. Hartmut Graßl, ein gebürtiger Berchtesgadener, mit unterschiedlichen Aspekten des Klimawandels und stellte die Frage, ob die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens von 2016, das völkerrechtlich bindend ist, noch erfüllt werden können. »Wir machen einen beschleunigten Klimawandel« so Graßl. »Um die vorgegebenen Ziele zu erreichen, müssen wir ganz anders handeln wie jetzt.« Veränderungen im Klima habe es immer gegeben, aber die Geschwindigkeit, mit der sie jetzt ablaufen, sei neu.

Durch die gestiegenen Temperaturen habe ein Bauer heutzutage eine um 17 bis 18 Tage verlängerte Vegetationszeit zur Verfügung im Vergleich zum Anfang des Jahrhunderts. Geblieben seien aber die Spätfröste, die die Kulturen gefährden.

In der heimischen Region würde es neben höheren Temperaturen auch mehr Niederschläge, vor allem im Winter, geben, so Graßl weiter. Südliche Regionen hingegen würden unter Trockenheit leiden. Als mögliche Beiträge der Landwirtschaft zur Bewältigung des Klimawandels nannte Graßl unter anderem Aufforstungen, biologische Landwirtschaft, den Verzicht auf Mastfutter bei Kühen, die Reduzierung des Fleischkonsums sowie Bewirtschaftungsformen, die die Humusauflage erhalten.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von den Geschwistern Kainzmaier aus Unterneukirchen, Landkreis Altötting. kon