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Finale des Aschauer Festivo mit der neuen Initiative »Festivo Festival Strings«

Gemeinsames Musizieren auf Augenhöhe

Wo Nachwuchsförderung draufsteht, steckt nicht selten Ausbeutung drin. Leider gilt das auch im Kulturleben. Junge Musiker sind »billig« und zugleich hochmotiviert, weil sie noch keinen Namen haben und sich freilich über jede Konzertmöglichkeit freuen. Manche Festivals und Konzertreihen nutzen das schamlos aus.

Die »Festivo Festival Strings« ist eine vorbildliche Initiative für Nachwuchsförderung. Dejan Lazic und das Ensemble Festivo sorgten für ein gelungenes Finale. (Foto: Erkes)

Mit den »Festivo Festival Strings« hat Festival-Leiter Johannes Erkes eine Initiative entworfen, die der Idee einer echten Nachwuchsförderung gerecht wird. Musikstudenten aus ganz Europa studieren mit den Festivo-Profis Werke ein, um sie schließlich gemeinsam aufzuführen. Die jungen Musiker werden ernsthaft betreut.

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Dabei geht es nicht um rein spieltechnisches Klimbim, sondern um Fragen der Geisteshaltung und Interpretation. Nachhaltiger lässt sich ein Projekt kaum denken. Der offizielle Startschuss für dieses neue Projekt fiel beim großen Festivo-Finale in der Festhalle Hohenaschau. Dort war ein Ensemble zu erleben, das aus dem Geist der Kammermusik musizierte – gemeinschaftlich, auf Augenhöhe.

Als Konzertmeister agierte Alexander Janiczek, der zugleich die ersten Violinen anleitete. Muriel Cantoreggi betreute die zweiten Geigen, wohingegen Festivo-Leiter Johannes Erkes die Bratschen verantwortete und Johan van Iersel die Celli. Mit den Jungtalenten haben sie nicht nur die Serenade op. 22 von Antonín Dvorák einstudiert, sondern eine spannende Streicherfassung des Klavierkonzerts Nr. 2 op. 21 von Frédéric Chopin – mit Dejan Lazic als Solist.

Viel zu lange musste man bei Festivo auf diesen wunderbaren Meisterpianisten aus Kroatien verzichten. Lazic ist ein Klangpoet der Extraklasse, der sich noch dazu einzig der Musik unterordnet. Eitelkeiten sind ihm fremd. Er ist ein Ergründer, der mit intuitiver Stilsicherheit tief in die Geheimnisse von Partituren eindringt und sie zum Leben erweckt. Lazic macht unerwartete Farben und Ausdrücke hörbar, in vollendetem Einklang von Form und Gehalt. Darüber hinaus berührte es zutiefst, wie Lazic und das junge Ensemble aufeinander hörten und achteten. Aus diesem Musikverständnis erwuchs ein in sich geschlossener Klangkörper. Deswegen wurde gerade auch der langsame Mittelsatz des Klavierkonzerts op. 21 von Chopin zu einem besonderen Ereignis. Die Streicher und das Klavier kreierten einen farbenreichen Klangzauber – geheimnisvoll, auch umdüstert, bald schon luzid.

Dieser Chopin öffnete die Ohren für Perspektiven jenseits des Gewohnten – reich beschenkt, wer dabei war, um es direkt zu erleben. Zuvor hatten Lazic, Janiczek, Erkes und Iersel den Abend mit Robert Schumanns Klavierquartett op. 47 eingeläutet, wobei die Nähe zur Klangpoesie und inneren Dramatik Chopins stringent herausgearbeitet wurde. Der absolute Höhepunkt war indessen Chopins Klavierkonzert op. 21 mit den »Festivo Festival Strings«: Diese vorbildliche Initiative verlangt nach einer Fortsetzung. Marco Frei