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Traunsteiner Schüler übernehmen Lernpatenschaften für minderjährige Flüchtlinge

Gemeinsames Projekt von CHG und Diakonie

Traunstein – Soziales Lernen – auch außerhalb des herkömmlichen Unterrichts – ist ein wichtiger Aspekt der Persönlichkeitsbildung in der Schule. Im Zuge des aktuellen Jahresthemas »Ehrenamt« ist es das Anliegen des Chiemgau-Gymnasiums (CHG), Schüler in ausgewählte Projekte zu vermitteln und vielfältiges ehrenamtliches Engagement zu fördern. So entstand auch die Idee, in Zusammenarbeit mit der Diakonie Traunstein, Lernpatenschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einzurichten.

Einmal pro Woche treffen sich die Schüler des Chiemgau-Gymnasiums mit den minderjährigen Flüchtlingen und tauschen sich mit ihnen aus.

Die Diakonie betreut im Landkreis Traunstein fünf Wohngruppen für unbegleitete Minderjährige. Auf Anfrage von Richard Steiger, betreuende Lehrkraft des Projekts, meldeten sich 15 Schüler aus den 10. Klassen des Chiemgau-Gymnasiums, die in ihrer Freizeit regelmäßig junge Flüchtlinge in ihrer Integration begleiten wollen.

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Gymnasiasten bereiteten sich in zwei Workshops vor

Gabriele Buschmann, inter- und transkulturelle Trainerin und Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache für die Diakonie, war begeistert vom Interesse der Schüler. Als Vorbereitung auf die Begegnung mit Menschen aus anderen Kontinenten führte sie mit den Schülern zwei Workshops zur interkulturellen Sensibilisierung durch, die Gelegenheit boten, sich mit seinen eigenen Einstellungen, Motivationen und Erwartungen auseinanderzusetzen. Welche Bilder und Stereotypen über andere Nationalitäten und Religionen haben mich geprägt? Was geschieht, wenn ich mit meiner eigenen kulturellen Brille in eine neue Begegnung gehe? Inwieweit können diese Bilder und unbewussten Vorannahmen meine Wahrnehmung beeinflussen? Wie kann ich meinen Blick öffnen für die Vielfalt und Verschiedenheit meines Gegenübers?

Ein wichtiger Baustein von transkultureller Kompetenz ist laut Buschmann die Fähigkeit, abwartend und ohne zu bewerten mit mehrdeutigen Situationen oder Widersprüchlichkeiten in neuen Begegnungen umzugehen, also ein gewisses Maß an Ambiguitätstoleranz zu entwickeln.

Großes Interesse bei den jugendlichen Flüchtlingen

Auch in den Wohngruppen der Diakonie gab es großes Interesse am Patenschaftsprojekt; schnell waren 15 Jungen gefunden, die gerne Gleichaltrige kennenlernen und sich mit ihnen austauschen wollten. Sie kommen aus Afghanistan, Eritrea, Mali, Pakistan und Syrien. Die meisten von ihnen sind seit etwa einem Jahr in Traunstein, lernen fleißig Deutsch und erkunden in den Schulferien durch Praktika das Arbeitsleben in verschieden Berufen. Da sie in ihren Klassen unter sich sind, freuen sich die Flüchtlinge, durch das Patenschaftsprojekt jungen Menschen aus Traunstein zu begegnen. So treffen sie jetzt einmal wöchentlich die Lernpaten nachmittags am CHG, haben Spaß und lernen gemeinsam: miteinander und voneinander. fb