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Generationenübergreifende Teamarbeit – Köhlerfest in Neukirchen

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Alle Generationen halfen beim Meilerabbau zusammen, ganz links die erst elf Jahre alten und damit jüngsten Köhler, Michi Enzinger und Simon Aicher. (Foto: Mergenthal)
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Alle Generationen halfen beim Meilerabbau zusammen. Foto: Mergenthal

Teisendorf – »Mia ham schon beim Aufbau'n g'hoiffa«, erzählte Michi Enzinger stolz. Der Elfjährige und sein gleichaltriger Großcousin Simon Aicher waren die beiden jüngsten Helfer beim Abbau des Meilers in Neukirchen. Der Köhlerverein Neukirchen muss sich also um seinen Nachwuchs keine Sorgen machen. Mit einem »Köhlerfest« bei strahlendem Sonnenschein endeten nach zweieinhalb Wochen die traditionellen Köhlerwochen.


Alt und Jung halfen zusammen bei der Ernte der drei bis vier Tonnen Holzkohle, die aus 50 Ster Holz entstanden sind. Von unten nach oben war der Meiler langsam abgebrannt: Um das perfekt zu steuern, wurden während der Verkohlung zunächst oben und dann weiter unten Luftlöcher gemacht. Wie bereits beim Verkohlungsprozess, so spritzten die Männer auch beim Abbau immer wieder Wasser auf den Meiler, wenn Gefahr bestand, dass er zu heiß wurde. Sonst würde alles komplett verbrennen. »Wir sparen am Wasser, soweit es geht«, erläuterte der Köhler Norbert Abstreiter dazu. An der nassen Kohle setzte sich nämlich leichter Staub an.

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»Hervorragend« sei die Kohle heuer, auch dank der Verlängerung der Verkohlungsperiode um eine halbe Woche, zeigte sich Abstreiter begeistert. Gerne erklärte er Reinhold Frey, einem Gast aus Friedrichshafen, anhand der aufgehängten Beschreibung von Ferdinand Klein, »Königlich bayerischer Salinen Forstamts-Aktuar zu Ruhpolding«, das Meilerhandwerk. Wenn die Spitze beim Bohren der Luftlöcher leicht reingehe, sei der Meiler an dieser Stelle schon durchgebrannt, verriet er. »Man spürt das.« Wenn aus Versehen ein Holzscheit ins Meilerinnere falle und so ein Loch entstehe, werde dies mit einem neuen Scheit abgedichtet und wieder mit Kohlenlösche bedeckt. So werde schädlicher Luftzug vermieden. Der Meiler behalte seine Form.

Auch Roland Klosa, Leiter des Bergbaumuseums, packte fest mit an. Die beiden Elfjährigen, Michi und Simon, schaufelten wacker wie erwachsene Männer und luden das schwere, volle Gefäß in die Lore. Auf die Frage, was ihm an den Köhlern gefällt, weiß Michi vom benachbarten Wallnerhof in Wald, dessen Bruder und Verwandtschaft auch dabei sind, sofort eine Antwort: »Weil's ein alter Brauch ist.« Dass der Verein durch den Verkauf der Kohle überleben kann, findet er auch gut, ebenso wie die Tatsache, dass sogar ägyptische Köhler dabei sind. »Die helfen auch ganz gut mit.«

Den »Bergkuli«, eine selbstfahrende Motorseilwinde mit 17 PS zum Heraufziehen der Lore, die wie die Gleise von der alten Torfbahn in den Kendlmühlfilzen stammt, bediente Michis Onkel Georg Enzinger. In seiner Lehrzeit beim Bergener Maschinenbauer Michael Huber hat er selbst mitgeholfen, diese früher für die Holzarbeit genutzte Maschine zu bauen. Er wechselte sich mit Christian Willberger ab, der unterdessen bei den Gleisen lockere Schrauben nachzog. Immer nach einer Stunde war bei den Arbeitern am Meiler Schichtende; im Wechsel mit den Älteren und den Kindern durften die jungen Erwachsenen, die »Jungköhler«, ran.

Vor der Köhlerhütte genossen zahlreiche Besucher im Biergarten, den die Köhler mit jungen Birken verschattet hatten, Gegrilltes, Brotzeiten, Bier und andere kühle Getränke oder Kaffee und Kuchen. Erstmals gab es für Groß und Klein lustige Spiele wie »Wiagsogschneiden«, »Bierkruag Schiabn«, Nageln oder »Tischkraxeln«. Viel Andrang herrschte beim liebevoll von Helga Prechtl eingerichteten »Kramerladen«. Bewunderung fanden auch die von Hannes Maier, Vater der Köhlerliesl Tini Maier, selbst gemachten Taschen aus Bodenfilz und verschiedenen Hölzern wie Kirschbaum, Nussbaum, Pappel oder Lärche. Die »Ruhpoldinger Tanzl 6er« und später die Musikkapelle Neukirchen sorgten für entspannte musikalische Unterhaltung.

Nächstes Jahr gibt es wegen des Bierzelts im Sommer in Neukirchen übrigens einen »Wintermeiler«, voraussichtlich Ende Januar oder Anfang Februar. vm

 

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