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Gepflegte Unterhaltung für alle

Dement werden wir alle, sagen die Wissenschaftler, wir müssen nur alt genug werden. Düstere Aussichten also, zumal der Pflegenotstand, man spricht von derzeit 30 000 fehlenden Pflegekräften, schon jetzt ein heiß diskutiertes Thema ist. Ob das Thema auch fürs Kabarett etwas taugt, konnte man jetzt beim Auftritt von Christine Rothacker überprüfen, die in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS ihr Programm »Pflege für alle – Betreutes Kabarett« vorstellte.

Gepflegte Unterhaltung: Kabarettistin und Sängerin Christine Rothacker im NUTS. (Foto: Heel)

Als Schwester Christine geht sie gleich aufs Publikum zu und fragt nach, ob das Hörgerät auch funktioniert, die Stützstrümpfe schön festsitzen und man nicht vergessen hat zu essen. Kommt dann auf die milliardenschweren Überschüsse der Krankenkassen zu sprechen, die gehortet statt investiert würden und meint, Rentner sei der gefährlichste Beruf der Welt. Serviert uns Daten, Fakten und Zahlen zur (häuslichen) Pflege, etwa zum sogenannten Zeitkorridor, der fürs Zähneputzen 5 Minuten und fürs Kämmen 1 bis 3 Minuten vorsieht; Vorgaben, die nur im Laufschritt und mit teils akrobatischem Können zu erfüllen seien. Führt ein mit schwarzem Humor gepfeffertes Einstellungsgespräch, das die Tücken des Pflegeberufs aufzeigt.

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Nach dieser Aufwärmrunde greift sie zum Akkordeon und versichert uns, dass sie (uns) alle pflegen könnte. Diesem Schema folgt sie auch im Rest ihres Programms, wobei das Thema Pflege allerdings mehr und mehr in den Hintergrund rückt: Auf gewitzte Anmerkungen und Gags wie etwa zur Liebe bzw. Partnersuche im Alter präsentiert sie meist schwermütige Lieder über Liebesschmerz und Trennungskummer (»I'm gonna wash that man out of my hair«), bei denen man sofort spürt, wieso die Kabarettistin auch als Sängerin erfolgreich ist. Das hat Pfiff und Schwung und lockert ihren Auftritt ungemein auf. Und hilft so über Weisheiten wie »Essen ist der Sex des Alters« oder »Wer zweimal mit derselben pennt, hat schon vergessen, dass er sie kennt« hinweg.

Kurzum, ein eher durchwachsenes Programm, das für gepflegte Unterhaltung beim Publikum sorgte, wie der starke Applaus und der Ruf nach Zugaben verrieten. Wolfgang Schweiger