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Gereifte Spätwerke im neuen Licht

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Das ensemble Amphion mit (von links) Robert Neumann (Violine), Anna-Lena Mayer (Violine), Alexander Krins (Viola), Felicia Graf (Viola) und Simon Nagl (Violoncello) spielte »Mozart in Moll« im k1-Studio. (Foto: Benekam)

Entsprechend der »dunklen« Jahreszeit hat das ensemble Amphion seine Gäste im Traunreuter k1-Studio mit einem Programm in entsprechend dunkler Tonart verwöhnt – »Mozart in Moll«: Zu hören waren gehaltvolle Spätwerke Mozarts in Moll als Grundtonart – zwei Streichquintetts eines gereiften Mozart, der selbst auf der Höhe seiner Meisterschaft wandelnd immer noch imstande war, noch »eine Schippe drauf« zu legen.


Bei seiner kurzen Begrüßungsrede führte der Leiter des Klassikensembles, Alexander Krins, mit gut verständlichen Erläuterungen auf die Werke ein. Das ist eine schöne Gewohnheit dieser Konzertreihe, welche den Klassikliebhabern einen intensiveren Zugang und ein besseres Verständnis zu den aufgeführten Werken vermittelt. Das soll aber nicht etwa heißen, dass man diese Art Musik »verstehen« muss, um sie genießen zu können, aber man scheint sie »anders« zu hören.

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Zur Aufführung kamen das viersätzige Streichquintett c-Moll KV 406, die Fantasie f-Moll KV 608 (Ein Orgelstück für eine Uhr) und im zweiten Konzertteil das viersätzige Streichquintett g-Moll KV 516. Ein weiteres Bonbon dieser Konzertreihe ist, dass diese Musiker sich untereinander aus jahrelanger Konzerterfahrung kennen. »Gastmusiker« bereichern, beleben, ja erneuern den Klang dieses Ensembles um jene frische Brise, die für interaktive Wachheit notwendig ist.

Diesen musikalischen frischen Wind blies – höchstvirtuos und mit großem Gestaltungswillen Robert Neumann (Violine) durch das Studio. Und das wirbelte prompt so manch klangliches »Windröschen« auf, das Felicia Graf (Viola), Anna-Lena Mayer (Violine), Alexander Krins (Viola) und Simon Nagl (Violoncello) mit großer Freude mitgestalteten.

»Drei neue Quintette à 2 Violini, 2 Viola und Violoncello, schön und korrekt geschrieben«, bot Mozart 1788 den Kammermusikliebhabern an. Nur zwei davon wurden 1789 jeweils einzeln als Gran Quintetto herausgebracht. Das c-Moll-Quintett, KV 406 blieb aber im Schatten der beiden anderen Werke, denn es war eine Bearbeitung seiner c-Moll-Serenade für acht Bläser, KV 388, die durch das Erscheinen neuerer Werke verdrängt wurde.

Not machte damals schon erfinderisch, doch an dieser »Not« freut sich bis heute seine Nachwelt. So auch die Zuhörer im k1, denen das Werk offenbar mehr als gut gefiel: In kaum einem Allegro-Kopfsatz von Mozart verbergen sich so starke Kontraste und musikalisch-rhetorische Wendungen auf engstem Raum. Man spürt hier die Nähe zur großen c-Moll-Messe, die Mozart in der gleichen Zeit wie die Vorlage des Quintetts komponiert hat.

In seinem g-Moll Quintett, welches im zweiten Konzertteil zu Gehör kam, hat man den Eindruck, dass Mozart die fünf Musiker untereinander »aufs Spielfeld« schickt: Gespielt wird miteinander und gegenei-nander. Zeugen des spannenden »Hörspiels« im melodischen Frage-Antwort-Stil ist der Zuhörer, der sich lauschend auf die immer neuen Hör-Überraschungen einlässt. Melodien fangen nach dem klassischen Muster an, biegen aber bei der nächsten Gelegenheit schon ab, weiten sich aus, zögern, wiederholen, brechen ab und machen dann ganz anders weiter.

Im Winter 1791 schrieb Mozart für ein Wiener Wachsfigurenkabinett im Auftrag des Grafen Deym von Stritetz mehrere Stücke für die »Flötenuhr«, die er auch »Orgelwerk in einer Uhr« nannte. Dazu gehören die beiden f-Moll-Stücke KV 594 und KV 608, die heute meist auf der Orgel oder vierhändig am Klavier gespielt werden. Die düsteren Klänge dieser beiden Spätwerke (er starb im selben Jahr) Mozarts kann man nur verstehen, wenn man den Hintergrund ihrer Entstehung kennt: Mozart ist diese Brotarbeit schwergefallen. Unter Einsatz seiner letzten finanziellen Mittel war er zur Kaiserkrönung nach Frankfurt gefahren.

Die »sehr verhasste Arbeit« beschäftigte den Komponisten über einen Zeitraum von drei Monaten. Doch dieses Werk hallt wie ein letzter schöner, anrührender, wenn auch sehnsuchtsvoll melancholischer Ruf durch die Konzertsäle oder Kirchen, wo er heute wie damals dieselben Gefühle im Hörer auslöst. Diese Gefühle vermochte auch das ensemble Amphion im k1-Studio mit Mozarts Spätwerken auszulösen. Dafür gab es großen Beifall.

Kirsten Benekam

Italian Trulli