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Über 500 000 Euro sind in die Instandsetzung der Klamm geflossen – 100-prozentiger Zuschuss für den Markt

Gerer Schmuckstück

Die Arbeit ist erledigt, Sepp Staudinger fertig, heute wird eröffnet.
Nagelneu: die Treppen in der Gerer Klamm.
Mit Bindekies werden die breiten Wege erstellt.
14 Meter misst diese Brücke in der Gerer Klamm, eine von fünf neuen. (Fotos: Pfeiffer)
Die Unwetterschäden von Juni 2013 waren beträchtlich. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Immens waren die Schäden damals, im Juni 2013. Verursacht von einem Unwetter der besonderen Art. Rund 2,6 Millionen Euro Sanierungskosten fielen allein auf die Gemeinde Berchtesgaden. Ein Fünftel davon stammt von der Gerer Klamm, jenem Fußweg, der beim Fluchthäusl beginnt und sich dann über mehrere Brücken bis nach Maria Gern zieht. Die Brücken damals: zerstört. Die Wege ebenso. Seit Oktober läuft eine Baumaßnahme. Heute, Freitag, wird die Gerer Klamm wiedereröffnet.


Als die Starkregenfälle im Juni vor zwei Jahren über dem Talkessel niedergingen, war für Marktbaumeister Peter Hasenknopf schnell klar, dass das viel Arbeit mit sich bringen würde. Damals arbeitete er zwar noch nicht bei der Gemeinde, bekam aber am eigenen Leib mit, wie sich schwere Steine wegen der starken Niederschläge im Gerer Bach selbstständig machten. Die Alarmglocken schrillten.

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Auch heute, zwei Jahre später, hat die Gemeinde noch damit zu tun, Schäden von damals zu beseitigen. »Ich bin froh, wenn das endlich vorbei ist«, sagt Peter Hasenknopf, während er durch die Gerer Klamm spaziert. Und dabei inspiziert, was sich in den letzten Wochen und Monaten getan hat. In der Tat: Viel ist passiert, 500 000 Euro hat der Freistaat investiert, Wege neu geschaffen, Brücken ausgetauscht. Ein Großprojekt in einem abgeschiedenen Stück unbelassener Natur, inklusive Wildbach, der sich seinen Weg durch die Schluchten bahnt.

Wie viele Spaziergänger im Jahr durch die Klamm wandern, weiß man in der Marktgemeinde nicht. Die Gerer Klamm ist kurz, genießt bei Weitem nicht so einen hohen touristischen Stellenwert wie Almbach- und Wimbachklamm. Dennoch hat sie ihre Vorzüge, vor allem jetzt, nach der mit viel Aufwand betriebenen Sanierungsmaßnahme. Peter Hasenknopf kann man die Freude über den Fortschritt im Gesicht ablesen. Zumal anfangs nicht klar war, wie hoch die Förderung für die Klamm überhaupt ausfallen würde. »Wir sind anfangs von rund 80 Prozent ausgegangen«, sagt Peter Hasenknopf. 400 000 Euro vom Freistaat, 100 000 Euro von der Gemeinde. Hasenknopf lacht. Die Förderung liegt nun bei 100 Prozent. An der Gemeinde wird nichts hängen bleiben. »So etwas gibt es selten«, sagt der Marktbaumeister.

Rund 20 Minuten dauert es, durch die Gerer Klamm zu gehen, über mehrere Treppen, entlang breiter Wege, über insgesamt fünf Brücken, die allesamt neu sind. Die Längste misst 18 Meter. Die Last ruht auf zwei Stahlträgern, mehrere Meter weiter unten bahnt sich der Wildbach seinen Weg gen Tal. Aktuell ist das Wasser niedrig. Mehr Bächlein wie Bach. An manchen Stellen erkennt man gut, wie hoch hier das Wasser schon mal war. Reißend muss die Strömung gewesen sein, damals, 2013, als die ehemals schmalen Fußwege weggespült, mehrere Brücken von der Wasserkraft aus ihrer Verankerung gerissen wurden und nicht mehr zu begehen waren.

Nicht nur die Schäden sind in den letzten Monaten behoben worden. Hand angelegt wurde auch an der Infrastruktur. Die neuen Klammwege sind deutlich breiter, die Treppen weisen eine angenehm komfortable Trittfläche auf. Apropos Trittfläche: Auf den Stahlbrücken sind Aluminiumriffelbleche verbaut, die vor allem Hunden »entgegenkommen« sollen. »Die trauen sich ansonsten nicht, über die Gitter zu gehen«, sagt Peter Hasenknopf. Mehrere Brücken sind aus Lärchenholz gefertigt. Mächtige Holzbohlen, die nebeneinander liegen. »Lärchenholz ist prädestiniert dafür«, sagt der Bauhofchef. Mindestens 30 Jahre soll der Rohstoff allen Unwettern standhalten. Natürlich hat man beim Markt Berchtesgaden mitgedacht. Denn sogenannte »Jahrhunderthochwasser« häufen sich im Talkessel. Alle paar Jahre kehren sie wieder. »Wir haben vorgesorgt«, sagt Hasenknopf. Erreicht das Wasser in der Klamm einen bestimmten Pegel, tritt es über das Ufer und kann an so mancher Stelle über die neu geschaffenen Fußwege wieder ablaufen.

Bauunternehmer Richard Schwab, der mit seiner Mannschaft mehrere Wochen lang auf der Baustelle gearbeitet hat, zeigt sich mit dem Fortschritt zufrieden. An einigen Stellen müsse noch nachgearbeitet werden. Mehr Kosmetik, denn Notwendigkeit.

Optisch bietet die Gerer Klamm nun ein hervorragendes Bild, »den Spaziergängern wird es gefallen«, sagt Hasenknopf. Heute, Freitag, wird die Klamm offiziell mit einem Festakt eröffnet. Rund 40 Gäste werden erwartet. Kilian Pfeiffer