Wolf
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Foto: Ingo Wagner/dpa/Symbolbild

Gericht kippt Allgemeinverfügung: Wolf darf nicht geschossen werden

Der von der Regierung von Oberbayern zum Abschuss freigegebene Wolf (wir berichteten), darf vorerst nicht geschossen werden. Das entschied das Verwaltungsgericht München.


Nachdem der Wolfsrüde mit dem genetischen Code GW 2425m in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim wiederholt Nutztiere gerissen hatte, mehrmals in Siedlungsnähe gesehen wurde und sogar einmal im Ortsbereich von Bergen, hatte die Regierung von Oberbayern Anfang der Woche den Abschuss des Tieres per Allgemeinverfügung zugelassen, um einer Gefährdung von Menschen vorzubeugen.

Vorausgegangen war ein Antrag des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau, dessen Vorsitzender Landrat Siegfried Walch ist. Begründet wurde der Antrag von Walch unter anderem damit, dass der Wolf immer näher am bewohnten Gebiet auftauchte. Zudem habe man im südlichen Teil des Landkreises »eine überhaupt nicht schützbare Geländestruktur. Die Almwirtschaft ist für uns ein ganz wichtiges Standbein und zwar vor allem auch aus ökologischer Sicht ganz wertvoller Aspekt. Die Almwirtschaft hat für das ökologische Gleichgewicht (...) eine ganz besondere Rolle. Diesen Wert gilt es zu schützen und zu erhalten. Ein Nebeneinander von den Almwirtschaften auf der einen Seite und großen Beutegreifern, sprich dem Wolf, auf der anderen Seite ist aus unserer Sicht nicht machbar.«

Nachdem die Regierung von Oberbayern dem Antrag befristet stattgegeben und eine bis 31. März befristete Abschussgenehmigung erteilt hatte, wandten sich der Bund Naturschutz sowie die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe an das Verwaltungsgericht München. Dieses gab am Freitag den Eilanträgen der beiden Organisationen gegen die Allgemeinverfügung statt.

Es bestehe keine Gefahr für Menschen oder die öffentliche Sicherheit, die eine sofortige Tötung des Wolfes erfordere, entschied das Gericht. In erster Linie seien weitere Aufklärungsmaßnahmen und gegebenenfalls ein Sender und eine Vergrämung des Tieres geboten. Aus keinem der bisher dokumentierten Vorfälle sei ersichtlich, dass sich der Wolf Menschen in einer nicht arttypischen Weise genähert hätte. Zudem gebe es seit dem 19. Dezember 2021 keine Erkenntnisse über den Verbleib des Tieres, erläuterte das Gericht weiter.

Die zuständige Kammer sei deshalb in den Eilverfahren zu dem Ergebnis gekommen, dass die Genehmigung zur Tötung des Wolfes voraussichtlich rechtswidrig sei, teilte das Gericht mit. Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen: Gegen die Entscheidungen kann Beschwerde am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt werden. Zudem stehen die Hauptsacheverfahren noch aus.

Kritik an der Allgemeinverfügung hatte es auch vom Bayerischen Jagdverband gegeben, der sie »weltfremd« und »nicht sachgerecht« nannte. »Wir empfehlen unseren Mitgliedern dringend, sich nicht auf die Liste von potenziellen Wolfskillern setzen zu lassen«, sagte Präsident Ernst Weidenbusch. »Unsere Jäger sind keine schießwütigen Wildhasser.« Der Jagdverband sei von der Regierung Oberbayern nicht gefragt oder beteiligt worden. »Die Allgemeinverfügung ist ohne unsere jagdliche Expertise geschrieben worden.«

m/dpa