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Gerichtsmedizin: Beresowski stranguliert aufgefunden

London/Moskau (dpa) - Das Rätselraten um die genauen Todesumstände des russischen Oligarchen und Kremlkritikers Boris Beresowski geht auch nach der Obduktion weiter.

Boris Beresowski
Der russische Oligarch Beresowski ist nach Erkenntnissen einer gerichtsmedizinischen Untersuchung durch Strangulieren gestorben. Foto: Karel Prinsloo Foto: dpa

Die gerichtsmedizinische Untersuchung habe ergeben, dass der 67-Jährige durch Strangulieren gestorben sei, teilte die britische Thames Valley Police mit. Die Leiche weise Merkmale wie bei einem Erhängten auf. Anzeichen für einen Kampf oder für die Beteiligung Fremder seien nicht gefunden worden.

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Die Polizei legte sich aber nicht darauf fest, ob es sich tatsächlich um einen Selbstmord handelt. Die Untersuchungen im Haus Beresowskis sowie an der Leiche gingen weiter und könnten noch Monate dauern, teilten die Behörden mit. Dabei gehe es unter anderem darum, die Leiche auf Giftstoffe zu untersuchen.

Beresowski, der im Russland von Präsident Wladimir Putin als Staatsfeind Nummer eins galt, war am vergangenen Samstag tot im Badezimmer seines Anwesens in Ascot bei London gefunden worden.

Freunde von Beresowski bezweifelten nach dem aufsehenerregenden Todesfall, dass der als kämpferisch bekannte Oligarch Selbstmord begangen haben könnte. «Ich glaube nicht, dass es so schlecht um ihn stand, dass er Selbstmord begangen hat», sagte Achmed Sakajew, ein Freund Beresowskis, dem russischsprachigen Dienst der BBC. Er widersprach Berichten, wonach Beresowski nach einem verlorenen Prozess um eine Milliardenklage gegen den Oligarchen Roman Abramowitsch depressiv geworden ist.

Der Schriftsteller Juri Dubow schloss einen Freitod zwar nicht aus - gab aber den russischen Sicherheitsdiensten die Schuld. «Sie haben ihn verfolgt, um die Welt getrieben, Tonnen von Müll nach ihm geworfen», sagte Dubow dem Internetportal lenta.ru. «Sie haben ihn 13 Jahre lang getötet - wie das tatsächlich geschehen ist: das Herz, ein Infarkt, irgendetwas - ist die zweite Frage.»

Die Spekulationen waren von Beresowskis Ex-Ehefrau Galina Beresowskaja geschürt worden, die als eine der ersten am Fundort der Leiche war. Sie hatte von einem Schal neben dem Körper auf dem Badezimmerboden gesprochen. Die russische Staatsagentur Ria Nowosti zitierte am Dienstag einen Polizeisprecher mit den Worten: «Der Fakt, dass die Leiche auf dem Boden gefunden wurde, schließt nicht aus, dass sie zu irgendeinem Zeitpunkt auch hing.»

Der frühere Moskauer Machtpolitiker war nach seiner Flucht ins englische Exil von der russischen Justiz in gut einem Dutzend Verfahren in Abwesenheit verurteilt worden. Beresowski hatte die Prozesse als politische Rache gegen ihn kritisiert.
  

Mitteilung Polizei