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Gerstensaft und Wasserprivatisierung

Bischofswiesen - Statt zum Aschermittwoch hatte die CSU Berchtesgadener Land heuer zum Ascherdonnerstag ins Bischofswieser Brenner Bräu geladen. Der Festgast, Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber, hatte es sich terminlich nicht anders einrichten können. Große Sprüche auf die politischen Gegner ließ der bayerische Umwelt- und Gesundheitsminister in seiner Rede nicht los und auch sonst zeigte er sich eher von der sanften Seite. Seine Themen: Wasserprivatisierung, Pferdefleischskandal, Energiewende, Bildungssystem und Ärztemangel.

Anstoßen in großer Runde (v.l.): Ernst Riedner (Geschäftsleiter Wieninger), Thomas Weber (CSU Ortsvorsitzender), Landtagskandidatin Michaela Kaniber, Minister Dr. Marcel Huber, Bürgermeister Toni Altkofer, zweiter Bürgermeister Bernhard Heitauer, Landrat Georg Grabner, Bezirksrat Georg Wetzelsperger und Braumeister Bernhard Löw. Fotos: Anzeiger/Thoma-Bregar

Der Aschermittwoch samt Starkbieranstich sei gute, alte CSU-Tradition, begrüßte Landtagskandidatin Michaela Kaniber die Gäste. »Die wahre Politik wird schließlich meistens und immer noch am Stammtisch gemacht.« Die bayerischen Biere würden zu den besten gehören und Grundzutat für ein gutes Bier sei gutes Wasser, so Kaniber. Weil die EU künftig Kommunen zwingen will, im Bereich der Wasserversorgung den Markt für private Anbieter zu öffnen, um über mehr Wettbewerb günstigere Preise zu erreichen, könnte es beim Bier bald schon heißen: »Mit trübem Abwasser gründlich versaut« statt »Mit reinem Quellwasser würzig gebraut«, prophezeite die Landtagskandidatin. Auch Gesundheitsminister Marcel Huber bezog klar Stellung. Die Qualität des bayerischen Trinkwassers als Lebensmittel zu erhalten, gehöre zu den ganz großen Aufgaben. Er werde sich deshalb mit »Händen und Füßen« gegen EU-Pläne zur Privatisierung wehren, versicherte er.

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Dass Deutschland so gut aus der Wirtschaftskrise herausgekommen ist, führte der Minister auch auf die Qualität der Arbeitskräfte zurück und lobte dabei vor allem die duale Ausbildung in staatlichen Schulen und Betrieben. Er stellte sich hinter das differenzierte und durchlässige bayerische Schulsystem und erteilte Gesamtschulen eine Absage. »Eine Einheitsschule wird den Kindern nicht gerecht. Was sie brauchen, ist ein begabungsorientiertes Angebot.«

Stolz berichtete der Minister, dass dank nachhaltiger Finanzpolitik in Bayern bereits der achte Haushalt ohne Neuverschuldung verabschiedet wurde und trotzdem Investitionen getätigt werden - etwa in Programme zur Förderung der Ansiedlung von Hausärzten auf dem Land oder in neue Stellen bei der Polizei, schließlich sei die innere Sicherheit ein Markenzeichen Bayerns.

Für äußerst gefährlich hält Huber das sogenannte »Fracking« zur Förderung von Erdgas: Anders als bei konventionellen Gasbohrungen würden bei dieser Methode giftige chemische Substanzen verwendet, die möglicherweise das Trinkwasser gefährden.

Ganz aktuell wurde der Umweltminister beim Thema Pferdefleischskandal. Erst kurz zuvor hatte ihn die Nachricht erreicht, dass auch in Bayern geringe Verunreinigungen in mehreren Tiefkühl-Lasagnen entdeckt wurden. In den vergangenen drei Jahren habe man in Bayern rund 600 Fleischproben routinemäßig auf ihren Pferdefleischgehalt geprüft. Gefunden wurde nach Angaben Hubers nie etwas. Eine derartige Verbrauchertäuschung, wie sie jetzt herauskomme, sei nicht hinnehmbar und eine Gesundheitsgefährdung durch belastetes Pferdefleisch schon gleich gar nicht, erklärte er und forderte eine schnellstmöglich umfassende und europaweite Aufklärung. »Sie haben es auch in der Hand« appellierte Huber außerdem an die Verbraucher. »Kaufen Sie bei regionalen Anbietern«. Dort sei die Wahrscheinlichkeit für Betrug deutlich geringer.

Überschattet wurde die Starkbierveranstaltung von einem schweren Verkehrsunfall, der sich kurz vor dem Eintreffen des Ministers im Ortsteil Strub ereignet hatte. Eine junge Frau kam dabei in ihrem brennenden Auto ums Leben (siehe eigener Bericht). Das angekündigte Kabarett nahm man deshalb kurzfristig vom Programm und einige Tische im Saal des Wirtshauses blieben leer. Kathrin Thoma-Bregar