Hajime Moriyasu
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Japans Trainer Hajime Moriyasu (M) steht beim Training auf dem Spielfeld. Foto: dpa

»Geschichte schreiben«: Japan als DFB-Prüfstein

Al-Rajjan (dpa) - Im deutschen Lager ist der Respekt vor Japan groß. Europa-League-Sieger Kamada führt ein Team voller international erfahrener Profis an. Der Spielplan könnte für die Japaner zum Vorteil werden.


Mit dem Selbstvertrauen eines Europa-League-Siegers zog Daichi Kamada schon vor dem WM-Auftakt seine deutschen Teamkollegen auf.

»Wir scherzen schon manchmal herum. Teams, die bei der WM in der Vorrunde ausscheiden, haben anschließend mehr Freizeit. Darum heißt es bei uns häufiger: Es ist ja toll, dass ihr bald etwas mehr Urlaub habt«, sagte Kamada der Deutschen Presse-Agentur vor dem direkten Duell an diesem Mittwoch (14.00 Uhr/ARD und MagentaTV). Seine Scherze adressierte er konkret an Mario Götze und Kevin Trapp, die im Gegensatz zu Kamada nicht von Anfang an spielen dürften.

Was für den Weltmeister von 2014 wie ein Horrorszenario klingt, wollen die geschlossen auftretenden Japaner mit ganz viel Europa-Erfahrung wahr machen: Eine Überraschung auf der Weltbühne des Fußballs, wie sie Deutschland vor vier Jahren bereits in Russland gegen Südkorea erleben musste.

»Geschichte schreiben« mit Achtelfinale

»Wir würden gerne ins Achtelfinale kommen oder noch weiter. Das bedeutet, dass wir dann Geschichte schreiben«, sagte Trainer Hajime Moriyasu am Dienstag. Den Kern seines Teams bilden Bundesliga-Profis: Neben Kamada sind auch Stuttgarts Wataru Endo als Sechser und Kapitän Maya Yoshida vom FC Schalke 04 in der Innenverteidigung gesetzt.

Die Asiaten, die bei den vergangenen WM-Turnieren wechselweise im Achtelfinale und in der Vorrunde scheiterten, sind ein harter Prüfstein für Hansi Flicks DFB-Elf, die sich nach nur einer Woche Vorbereitung gerade erst findet. Der Respekt der Japaner vor Deutschland ist trotzdem riesig. Es könne zwar ein Vorteil sein, dass man die Profis aus der Bundesliga kenne, sagte Ritsu Doan vom SC Freiburg. Vor allem die Profis des FC Bayern hob der Flügelspieler aber explizit hervor: »Das sind verrückte Spieler«, sagte Doan.

Die starke Offensive um Kamada, Doan und Takefusa Kubo ist der Grund für die Zuversicht beim deutschen Auftaktgegner. Auch an Selbstbewusstsein mangelt es nicht. Spieler und Trainer haben unisono den erstmaligen Einzug ins WM-Viertelfinale als Ziel aufgerufen. »Ich denke, es ist eines der stärksten japanischen Teams, das bei einer WM bisher angetreten ist«, sagte Kamada. Zentrale Fragen blieben aber bis zuletzt offen. Zum Beispiel, wer gegen Deutschland das Tor hütet. Aus dem Trio Shuichi Gonda, Eiji Kawashima und Daniel Schmidt kommen alle in Frage.

Spielplan als Vorteil?

Der Spielplan in der kniffligen Gruppe könnte für Japan zum Vorteil werden. Gelingt gegen Deutschland ein überraschender Punktgewinn, könnte man am Sonntag (11.00 Uhr) gegen Costa Rica nachlegen und das DFB-Team, das abends (20.00 Uhr) auf Spanien trifft, zusätzlich unter Druck setzen. Chefcoach Moriyasu sieht den Mitfavoriten aber deutlich weiter als sein eigenes Team. »Deutschland ist für uns ein Vorbild, das hat sich nie geändert. Japan hingegen ist noch in der Entwicklung«, relativierte der Coach.

Personell hat Moriyasu nach eigenen Angaben alle 26 Profis zur Verfügung. Mittelfeldspieler Hidemasa Morita und Stürmer Junya Ito waren zuletzt angeschlagen, sind aber rechtzeitig fit geworden. Das gilt auch für Endo, der nach einer Gehirnerschütterung in der letzten Bundesliga-Woche längst wieder trainiert. Die Kontakte zu den Bundesliga-Kollegen aber ruhen erst einmal weitgehend. Oder wie es Doan mit Blick auf Matthias Ginter und Christian Günter formulierte: »Ich freue mich sehr, gegen meine Teamkollegen zu spielen, aber bis zum neuen Jahr sind wir keine Freunde mehr.«

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