weather-image
25°
»DichterVerkehr« mit Ludwig H. Müller im NUTS

Geschüttelt und gereimt

»Wer zwei linke Hände hat, sollte die Rechte studieren«, meinte der Kabarettist und Schüttelreim-Experte Ludwig H. Müller bei seinem Auftritt in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo er sein aktuelles Programm »DichterVerkehr« vorstellte.

Höchst vergnüglich waren der Auftritt und die Wortakrobatik von Ludwig H. Müller im NUTS. (Foto: Heel)

Ein Mann, der weiß, wovon er spricht, hat der 1966 in Innsbruck geborene Künstler doch Rechtswissenschaften in Wien studiert, bevor er eine Schauspielausbildung absolvierte und dann auf Kabarettist umsattelte. In diesem Metier ist er seit 1995 im gesamten deutschen Sprachraum unterwegs und heimste dabei u. a. das »Passauer Scharfrichterbeil« und den »Salzburger Stier« ein.

Anzeige

Doch seine Leidenschaft fürs Dichten, sie hat auch ihre Tücken. Genauer gesagt, hat Müller durch sie seinen gut dotierten Job als Pharmareferent verloren, weil er es nicht lassen konnte, einen Ärztekongress mit »Yeah, Dokta, sei ka Depp / Listen to the message of the Referenten-Rap…« aufzumischen. Ein Motivationsseminar beim Tiroler Ex-Ski-Halbstar Hansi (genannt: Han-Sei) brachte ihn wieder nach vorne – und zu Radio Innwelle, dort »wo Österreich noch Bayern ist und umgekehrt«.

Hier soll er nun auf 400-Euro-Basis »Informationsradio mit Kulturauftrag, täglich zur Ladenöffnungszeit« machen, fernab von Frau und Sohn, die von seinem beruflichen Abstieg nichts ahnen und ihm per Telefon zuverlässig ihre neuesten (Kauf)Wünsche übermitteln. Aber der neue Job hat auch seine Vorteile bzw. verschafft dem Kabarettisten reichlich Gelegenheit, zwischen Studiostress und Staumeldungen seine kunstvollen Schüttelreime, Wortspielereien und Dialektparodien ans Publikum zu bringen, rasant und wandlungsfähig.

Denn der Ein-Mann-Betrieb verlangt von ihm, über alles Mögliche zu berichten, vom Wetter über die Flüchtlingskrise (»Österreich will für eine bessere Beschilderung seiner Wanderwege sorgen«) bis zur Schiffstaufe eines Donaudampfers, und das so spannend und kreativ wie möglich. Studiogäste wie der salbungsvolle Pater Korbinian oder Höreranfragen halten ihn ebenfalls auf Trab, bis er schließlich den Überblick verliert und ihm die Verkehrsnachrichten zum »DichterVerkehr« geraten, geschüttelt und gereimt und zum größten Vergnügen des Publikums.

Kurzum, ein höchst amüsanter Auftritt, und deswegen zum Abschluss noch ein Gastronomie-Dramolett aus Müllers Feder. Gast zum Kellner: »Ich zahl dann amal« – Kellner zum Gast: »Ich mal dann a Zahl«. Wolfgang Schweiger