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Gestricktes Lebensgefühl aus den Bergen

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Berchtesgaden: Gundi Wendlinger von Woll-Oase veröffentlicht zweites Strickheft
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Gundi Wendlinger aus Berchtesgaden hat sich für ihr zweites Strickheft wieder tolle Modelle einfallen lassen. (Foto: Merker)

Berchtesgaden – Gundi Wendlinger von der Woll-Oase in Berchtesgaden hat ihr zweites Strickheft veröffentlicht. Für die ganze Familie hat sie Strickmodelle entworfen, die traditionelle Formen und Muster neu interpretieren. In Deutschland und Österreich werden ihre Trachtenstrickhefte inzwischen vertrieben und inspirieren viele Strickerinnen, sich das alpine Lebensgefühl zu erstricken.


Am Anfang steht der Knopf. Gundi Wendlinger liebt Knöpfe – und bekommt sie ein besonders schönes Modell zwischen die Finger, dann inspiriert es sie zu dem passenden Kleidungsstück. »Mir sind die kleinen, entscheidenden Details wichtig«, sagt sie. Dazu zählt für sie zum Beispiel das verstärkte Knopfloch. »Das kann man nicht erklären, wie das gestrickt wird. Das muss man sich zeigen lassen. Es ist nämlich gar nicht schwer. Das so gestrickte Knopfloch schaut viel besser aus.«

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Die Einfälle kommen ihr zudem beim Sport in den Bergen, sei es Bergsteigen, Klettern oder Skitourengehen. Manchmal haben auch Kundinnen Wünsche, die sie anregen. So zum Beispiel, dass sie eine Jacke mit Zöpfen entwirft. Hat sie eine Idee, wählt sie die Wolle aus, macht eventuell einen Schnitt aus Papier und dann legt sie los. Doch bei 28 Modellen für das Heft erhält sie beim Stricken Hilfe. »Meine Strickerinnen stricken nach meiner Anleitung die großen Teile.« Die Feinarbeit übernimmt sie anschließend wieder selber und entscheidet über die Details, wie Ränder oder Borten.

Da es ja für die Kleidungsstücke noch keine Vorlage gibt, klappt nicht alles auf Anhieb. »Manchmal muss man viele Reihen auftrennen, weil es nicht passt oder weil die ausgewählte Wolle die verkehrte für ein bestimmtes Muster ist.« Das stellt sich oft erst beim Stricken selber heraus. So hat Gundi die Borte der rosa Jacke vom Titelbild wieder abgetrennt. »Ich hatte die Jacke nach Korsika mit in den Urlaub genommen, um sie dort fertig zu stricken, aber die erste Borte hat mir dann am Ende gar nicht gefallen.« Kurzerhand packte sie die Schere und schnitt sie ab. »Um mich herum am Strand flogen die dunkelrosa Wollreste.«

Denn Gundi Wendlinger ist eine Perfektionistin. Wenn sie etwas macht, dann soll es so gut wie möglich werden. Das merkt man ihrem Trachten-Strickheft an. Das fängt bei ihren Entwürfen an. Sie bilden eine ansprechende Mischung zwischen Tradition und aktueller Mode. Es gibt coole Hoodies, aber auch die klassische Trachtenjacke, die zum Dirndl passt. Für Buben und Mädchen sowie Damen und Herren hat sie wärmende Jacken, sportliche Outfits und angenehme Westen sowie Mützen und Tücher in ihrem Heft versammelt. Für Jung und Alt sozusagen und das ist wortwörtlich zu nehmen.

Denn das Aschauer Waberl aus der Schönau hätte sich auch nicht träumen lassen, dass sie einmal das Cover eines Strickmagazins zieren würde. Aber das ist eine der Besonderheiten bei diesem Trachtenheft. Alle Aufnahmen sind mit einheimischen Models im Talkessel entstanden. »Es war ein heißer Tag und bei 40 Grad Stricksachen zu präsentieren, ist echt eine Herausforderung.« Die Fotos hat schon wie beim letzten Heft Nicolas Olonetzky fotografiert. Die lebendigen und authentischen Bilder machen schon beim Durchblättern Freude. Diesmal hat er auch das grafische Konzept geliefert.

Ganz regional ist Gundi Wendlinger bei der Produktion geblieben, denn der »Berchtesgadener Anzeiger« hat das Heft gedruckt. Im Mittelteil gibt es die detailliert ausgearbeiteten Anleitungen, die sich für den Unwissenden wie eine Geheimsprache lesen. »Ich lege großen Wert auf die überlieferten Muster, aber bereite sie modern auf.« Damit fasst Gundi Wendlinger ihr Grundkonzept zusammen. In ganz Deutschland gibt es ihr Heft inzwischen in Wollgeschäften zu kaufen, denn das alpine Lebensgefühl wird auch im hohen Norden geschätzt.

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Für jedes Alter finden sich wärmende Stricksachen in dem Heft.

»Ich biete aber auch Komplettpakete zu den einzelnen Modellen in meinem Onlineshop an.« Dabei ist ihr wichtig, dass die Kundinnen sich nicht ganz streng an die Anleitungen halten, sondern ihre eigenen Erfahrungen mit einfließen lassen. »Wenn jemand mit seiner Art, den Rand zu stricken, gute Erfahrungen gemacht hat, dann soll er es einfach so machen, auch wenn in der Anleitung etwas anderes steht.« Denn eines steht für Gundi Wendlinger absolut im Vordergrund: Stricken soll Spaß machen. Das Heft kostet 8,95 Euro und ist in der Woll-Oase erhältlich.

Christoph Merker

Italian Trulli