Getreideernte im Landkreis Traunstein fiel insgesamt gut aus

Bildtext einblenden
Auch Linus und Sophia aus Traunwalchen freuen sich auf die Maisernte. Diese wird sich heuer jedoch um rund zwei Wochen nach hinten verschieben. (Foto: Rasch)

Die wenigen Tage ohne Regen mussten die Bauern in den vergangenen Wochen nutzen, um ihre Ernte – mit rund zwei Wochen Verspätung – endlich einfahren zu können. Im Landkreis Traunstein ist bis auf den Mais die Ernte inzwischen weitgehend eingebracht und die Landwirte sprechen von einem guten Ertrag. Auch die Preise können sich sehen lassen: »Die Preise sind heuer gut bis sehr gut«, sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Sebastian Siglreithmayer. Für den Weizen gibt es rund 190 Euro pro Tonne; Hafer und Gerste liegen bei 160 Euro. Zurückzuführen sei die Preissteigerung auf die weltweiten Ernteeinbrüche. Vor allem China kaufe den Markt leer, so Siglreithmayer. 


Unterdessen wurde auf vielen abgeernteten Feldern bereits die Gülle ausgebracht. Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Si-glreithmayer in Neudorf in der Stadt Traunreut ist Mitglied der vor 25 Jahren gegründeten Güllegemeinschaft Truchtlaching, der sich mittlerweile 50 Betriebe angeschlossen haben. »Die Gemeinschaft ist gewachsen, deshalb haben wir uns einen zweiten Selbstfahrer angeschafft«, so der Austragsbauer. Gülle aufs Feld oder aufs Grünland zu bringen, ist heute eine hochtechnisierte Angelegenheit. Als Alternative zu dem vom Traktor gezogenen Güllewagen setzen viele Landwirte auf einen Gülleselbstfahrer. Insbesondere bei großen Flächen, auf denen eine Menge Flüssigmist ausgebracht wird, werden diese Riesen unter den Güllefässern wegen einer bodennahen Ausbringung als optimal bezeichnet.

Dass das Traunreuter Stadtgebiet im Vergleich zu anderen Regionen des nördlichen Landkreises von den Auswirkungen der Unwetter weitgehend verschont geblieben ist, wissen auch die Landwirte dort zu schätzen. »Erfreulicherweise sind wir noch glimpflich davon gekommen«, erklärt ein 69-jähriger Landwirt aus Traunwalchen. Er äußerte sich zufrieden mit der Ernte. »Ich bin mit dem Ertrag zufrieden. Die Wintergerste war gut und das Sommergetreide durchschnittlich«, sagte der Landwirt. Die Heuernte sei eher schwierig gewesen, weil hier die Zeitfenster relativ klein gewesen seien.

Viel Nässe, kurze Hitzeperioden und Hagel haben den Bauern nördlich von Traunreut teilweise Ernteerträge beim Getreide vermiest. Sie beklagen, dass ein ständiger Wechsel aus trockenen Phasen und teils heftigen Schauern die Ernte immer wieder ins Stocken kommen ließ und die Qualität da-runter zu leiden hatte. So habe besonders die Wintergerste nach dem verzögerten und kühlen Frühjahr ihre Kraft mehr in den Halm und weniger in die Körner eingelagert. Besonders schlimm sei es für die Weizenernte gewesen. Im idealen Zeitfenster sei an einen Drusch nicht zu denken gewesen. Der Weizen sei bereits ausgewachsen gewesen und habe schon gekeimt. Insgesamt bilanzierte man ein gutes Ergebnis. Aber: »Zufrieden sein kann man damit nicht«, betont Bauer Hermann Hellmeier aus der Gemeinde Tacherting.

Auf Nachfrage teilte Simon Bauer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein mit, dass das Getreidewachstum aufgrund niedriger Temperaturen langsamer verlaufen sei als in den vergangenen Jahren. Die Entwicklung der Getreidepflanzen habe etwa ein bis zwei Wochen länger gedauert, was auch die Ernte nach hinten verschoben habe. So konnte die Wintergerste als erstes druschreifes Getreide überwiegend unter guten Bedingungen und mit mittleren Erträgen geerntet werden.

Die Wetterbedingungen zur Weizenernte seien schwierig gewesen, da es Anfang und Mitte August viel geregnet habe. Der Ertrag sei zufriedenstellend und als durchschnittlich einzuschätzen. Die nasse Witterung sei auch eine Herausforderung bei der Strohernte gewesen.

Der Mais als wärmeliebende Pflanze habe in diesem Jahr mit der nass-kalten Witterung im Mai zurechtkommen müssen und habe sich daher erst zögerlich entwickelt, bevor er im Juni und Juli wieder aufholen konnte, erklärte Bauer gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Die aktuellen Bestände ließen aber eine durchschnittliche bis gute Maisernte erwarten, mit Ausnahme der Flächen, die von Unwettern und Hagelschauern geschädigt worden seien. Hier sei es teilweise zu Totalschäden im Mais gekommen.

Die Erträge auf Wiesen und Feldfutterflächen seien insgesamt überdurchschnittlich, da die Wasserversorgung durchwegs hoch sei. Der Start ins Grünlanderntejahr sei jedoch schwierig gewesen, weil der wichtige erste Schnitt durch den nass-kalten Mai oftmals nicht termingerecht eingebracht werden konnte, wodurch Abstriche bei der Futterqualität gemacht werden müssten. Laut Bauer gibt es genügend Futter vom Grünland. Die Kunst bestehe da-rin, die kurzen Erntefenster zu nutzen, gute Qualitäten zu sichern und bei den feuchten Bedingungen den Grünlandbestand und den Boden zu schonen.

Im Landkreis Traunstein prägen rund 2700 landwirtschaftliche Betriebe die Kulturlandschaft, im Berchtesgadener Land 1300. Wichtigste Anbaukulturen sind Winterweizen und Mais. Die Maisernte zur landwirtschaftlichen Nutzung erfolgt meistens zwischen September und November. Dann werden zuerst der Silomais und anschließend der Körnermais mit einem Maishäcksler bzw. Mähdrescher geerntet. Neben seiner Funktion als Substrat für Biogasanlagen, kommt Silomais vor allem in der Fütterung von Milchkühen und Mastbullen zum Einsatz.

Der Geschäftsführer des Maschinenrings Traunstein, Raphael Röckenwagner, geht davon aus, dass sich die Maisernte im Landkreis Traunstein heuer um rund zwei Wochen nach hinten verschieben wird. Als Grund nannte er das nasskalte Frühjahr. »Die Bestände schauen gut aus. Es könnte eine überdurchschnittliche Ernte werden«, spekuliert Röckenwagner.

ga