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Getrieben von Trump: »Erotic Reruns« von Yeasayer

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Yeasayer
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Yeasayer haben diesmal alles selbst gemacht. Foto: Chad Moore/Yeasayer Records/Cargo Foto: dpa

Nicht nur in der Politik sorgt Donald Trump für Wirbel. Auch auf die Popkultur nimmt er Einfluss - wenn auch eher unmittelbar. Für die Musik der Brooklyner Band Yeasayer jedenfalls ist das Verhalten des amerikanischen Präsidenten eine Quelle der Inspiration.


New York/Berlin (dpa) - 13 Jahre stehen Yeasayer schon auf der Bühne. Jetzt ist das fünfte Studio-Album der Experimental-Rocker erschienen - doch statt sich alten Gewohnheiten hinzugeben, macht die Band aus dem hippen New Yorker Stadtteil Brooklyn darauf vieles anders als bisher.

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Wo zuletzt externe Produzenten die kreativen Ströme der Band ins Tonträgerformat bringen durften, herrscht auf »Erotic Reruns« (Yeasayer Records/Cargo) - wie zuletzt in den Anfangstagen - wieder reinste Selbstmachkultur, in popkulturellen Zusammenhängen gerne als D.I.Y. bezeichnet (Do it yourself). Die Produktion übernahmen die Stammmitglieder Chris Keating, Anand Wilder und Ira Wolf Tuton nämlich komplett selbst. Veröffentlicht wird auf dem bandeigenen Label »Yeasayer Records«.

Politisch wird es außerdem: Das Trio verarbeitet in den neun Stücken nicht nur private Ereignisse - sondern verhandelt die Veränderung der USA unter Präsident Donald Trump, der die politische Landkarte und alte diplomatische Gewissheiten nicht nur in Nordamerika, sondern auf der ganzen Welt in seiner bisherigen Amtszeit geradezu umpflügte.

Ihre Perspektive auf die zunehmende Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft treibt die Band etwa mit Textpassagen wie »Stephen Miller, child killer« (»24 Hour Hateful Live!«) auf die Spitze - über den als extrem rechts geltenden Trump-Berater Stephen Miller, den die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« einmal als »Trumps Flammenwerfer« beschrieb.

Gemessen daran, dass die Band auf dem collagenhaft arrangierten Vorgänger »Amen & Goodbye« (2016) noch babylonische Götter und religiöse Ideen referenzierte, erscheint dieser direkte Bezug auf die Tagespolitik zunächst einmal vergleichsweise alltagspraktisch und lebensnah. Doch auch damals war es schon der Ausnahme-Präsident - noch als Präsidentschaftskandidat - der mit seinen endzeitlichen Botschaften in einem gewohnt religiös aufgeladenen republikanischen Wahlkampf die Band musikalisch vor sich hertrieb.

Eine weitere Konstante ist der Mut zu Experimenten. Das zeigt auch die erste Single-Auskopplung »I'll Kiss You Tonight«, die ein wenig an das Frühwerk der Briten von Metronomy erinnert: stakkatohaft abgehackt klingende Sounds, jedoch mit einer klaren melodischen Grundidee, bei gleichzeitigem Mut zur Dissonanz.

Anders gesagt: Yeasayer scheuen sich nicht, teils ganz unterschiedliche musikalische Zutaten miteinander zu mixen - und das überaus gelingend. Denn »Erotic Reruns« ist großenteils erstaunlich tanzbar und nutzt sich dennoch nicht schnell ab, weil es klanglich viel zu entdecken gibt. Und auch der psychedelische Sound der Vorgängeralben ist an vielen Stellen wiederzufinden.

Für zwei Konzerte kommt die Band im Sommer auch nach Deutschland. Freuen darf sich zunächst die Hauptstadt: Am 13. August geben sich Yeasayer zum 50. Jubiläum des »Musikexpress« die Ehre - auch dabei sein werden Tame Impala und Blood Orange.

Danach geht es weiter nach Dornstadt bei Ulm, wo vom 15. bis 17. August das Obstwiesenfestival stattfindet. Neben Yeasayer treten unter anderem auch Bonaparte, Blanck Mass und Band of Skulls auf.

Website Yeasayer