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Gewitter mit großen Hagelkörnern führt zu rund 900 Einsätzen

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Ein etwa fünf Zentimeter messendes Hagelkorn
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Ein etwa fünf Zentimeter messendes Hagelkorn nach einem lokalen Hagelschauer in Oberbayern. Foto: Beatrix Ta Foto: dpa

Ein Unwetter hat mit ungewöhnlich großen Hagelkörnern in Oberbayern eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Autoscheiben und Gebäudefassaden wurden zertrümmert. Die Schäden werden nun von den Versicherungen übernommen - aber nicht immer.


München (dpa/lby) - Nach heftigen Gewittern mit Sturmböen, Starkregen und Hagel in München und anderen Regionen Oberbayerns sind Polizei und Feuerwehr fast 900 Mal ausgerückt. Große Hagelkörner zertrümmerten am Montagabend nach Angaben der Einsatzkräfte viele Autoscheiben, Dachfenster und teils Gebäudefassaden, es gab zudem mehrere Verletzte. Manche Augenzeugen sprachen von tennisballgroßen Hagelkörnern. Eine Gesamtschadenssumme könne jedoch nicht genannt werden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Ingolstadt am Dienstag. Für die Nacht warnte der Deutsche Wetterdienst kurzzeitig vor extremen Gewittern im Regierungsbezirk Unterfranken.

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Darüber hinaus sagten die Meteorologen von Süden her zum Teil schwere Gewitter voraus mit Potenzial für Starkregen, Hagel von bis zu fünf Zentimetern und Sturmböen. Gefährdete Gebiete seien vor allem Teile Oberbayerns und der Oberpfalz sowie Oberfranken. Am Mittwoch soll es einzelne Gewitter geben, teilweise mit Unwettergefahr.

Die Polizei in Unterfranken sprach am späten Dienstagabend zunächst von keinerlei Problemen wegen des Wetters. Im benachbarten Oberfranken vermeldete ein Polizeisprecher am späten Abend genau einen umgestürzten Baum. In der Oberpfalz hieß es: »Keine Probleme!« Und ein Beamter des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord sagte, in Ingolstadt sei noch kein einziger Tropfen Regen gefallen.

Schwerpunkt der Unwetter am Montag war der Raum München, dort musste die Leitstelle rund 700 Einsätze koordinieren. Bis tief in die Nacht seien die Einsatzkräfte »zu unzähligen Unwetterschäden« gerufen worden, berichtete die Münchner Feuerwehr. Insbesondere die westlichen Gebiete der Landeshauptstadt waren von Hagelschlag und Überschwemmungen auch von Wohnungen betroffen. Mit Sandsäcken mussten die Einsatzkräfte einen Damm an der Würm sichern. Wegen querliegender Bäume hatte sich das Wasser aufgestaut.

Im Hasenbergl im Norden Münchens überflutete der Regen eine 4000 Quadratmeter große Tiefgarage, das Wasser stand 30 Zentimeter hoch. In Unterschleißheim wurde ein Volksfest geräumt, etwa 1000 Besucher wurden in einer nahen Realschule in Sicherheit gebracht.

In mehreren anderen oberbayerischen Landkreisen wurden Polizei und Feuerwehr zu rund 170 Einsätzen gerufen. »Hauptsächlich waren hierbei (...) umgestürzte Bäume, umherfliegende Äste und aufgeschwemmte Gullydeckel zu beseitigen«, teilte das Polizeipräsidium in Ingolstadt mit. Bei Greifenberg war die Autobahn 96 zeitweise blockiert, weil Autofahrer unter Brücken anhielten, um Schutz zu suchen.

Drei Menschen erlitten durch den Hagelschlag Platzwunden am Kopf. In Rott (Landkreis Landsberg am Lech) stürzte ein Rollerfahrer im Hagelschauer und zog sich leichtere Blessuren zu. In Ehekirchen (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) erlitt ein Mann bei einem vermutlich sturmbedingten Verkehrsunfall mittelschwere Verletzungen.

In Bidingen im Allgäu wurden ein Siebenjähriger und zwei Männer durch einen umstürzenden Baum verletzt. Die Radfahrer hatten nach Polizeiangaben Schutz unter einem bereits umgestürzten Baum gesucht, als ein zweiter drauf krachte. Der Bub sei schwer, die Männer leichter verletzt worden, sagte ein Sprecher.

Betroffene können darauf hoffen, dass Versicherungen die Kosten für die Schäden übernehmen. Für Gebäudeschäden, die durch Starkregen verursacht wurden, reicht der normale Versicherungsschutz aber nicht. Dafür ist eine Erweiterung für Naturgefahren nötig. Die sogenannte Elementarschadenversicherung werde als Ergänzung zur Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung abgeschlossen, erläuterte der Bund der Versicherten in Hamburg.

Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft erklärte, beinhalten Policen, die älter als zehn Jahre sind, in der Regel keinen solchen Schutz. Die bestehenden Verträge müssten erweitert werden. Zudem werde es in Bayern ab Juli 2019 wegen der Möglichkeit der Versicherung keine allgemeinen staatlichen Hilfen für Hochwasseropfer mehr geben. »In Bayern sind 34 Prozent aller Hausbesitzer gegen Überschwemmungsschäden versichert«, sagte ein Sprecher des Verbands in Berlin.

Auch einige Autofahrer könnten nach dem Unwetter leer ausgehen, wenn sie nur die verpflichtende Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Denn Schäden am Auto durch Hagel, Sturm oder Blitzschlag zahle die Teilkaskoversicherung, betonte der Branchenverband.

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