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Nach Theatererfolg

«Ghost Stories»: Episoden-Horror alter britischer Schule

Zunächst war er weltweit auf Theaterbühnen ein Erfolg, jetzt sorgt der britische Episodengrusel «Ghost Stories» in deutschen Kinos für Gänsehaut.

Ghost Stories
Der Skeptiker Professor Goodman (Andy Nyman) entlarvt in seiner TV-Show paranormale Schwindler. Foto: Concorde Filmverleih GmbH Foto: dpa

Berlin (dpa) – Großbritannien hat eine lange Tradition der Horror-Episodenfilme. Klassiker des Genres drehte etwa die Produktionsfirma Amicus Productions in den 1960er Jahren unter Titeln wie «Die Todeskarten des Dr. Schreck» oder «Der Foltergarten des Dr. Diabolo».

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Diese Filme erzählten oft mehrere Gruselgeschichten hintereinander und führten sie am Ende alle in einer übergreifenden Erzählung zusammen. Zwei erklärte Fans, das Autoren- und Regisseursduo Andy Nyman und Jeremy Dyson, bringen nun eine kongeniale Hommage an dieses Genre auf die Kinoleinwände: «Ghost Stories» war 2010 zunächst ein ausgesprochen erfolgreiches Theaterstück.

Ko-Autor und –Regisseur Andy Nyman spielt im Film den streng wissenschaftsgläubigen Philip Goodman. Der hatte als Kind stark unter seinem religiösen Vater zu leiden, nun entlarvt er in seiner TV-Show paranormale Schwindler. Bis ihn sein totgeglaubtes Idol, ein einst ebenfalls geisterskeptischer Psychologe, drei Akten mit der Aufschrift «Erklären Sie die hier!» überreicht. So viel darf man vorwegnehmen: Zu behaupten, es gäbe keine Geister, wäre nicht die ganze Wahrheit.

Goodman interviewt Tony, der als Nachtwächter in einem ehemaligen Irrenhaus eine Erscheinung hatte; er spricht mit Simon (Alex Lawther), der als Fahranfänger im Wald mit Handy am Ohr den schlimmsten vorstellbaren Unfall baute; und er begegnet Mike (Martin Freeman), der als werdender Vater von Geistern eine Todesnachricht überbracht bekam. Dabei hat Goodman selbst immer wieder kleine Visionen, die am dünnen Firnis seiner kontrollierten Weltsicht kratzen.

«Ghost Stories» ist eine Geistererzählung alter britischer Schule mit einer alten Qualität: einem wirklich beseelten Stoff. Es bleibt nicht bei einer sensorisch überfordernden Aneinanderreihung von Schreckmomenten. Der Film erzählt menschliches Drama, das von schuldhafter Verstrickung handelt und echtes Mitleid erregt.

Das ist sehr durchdacht angelegt. Alte Familienvideos, die wiederkehrende unverortete Aussicht aus einem schmalen Fenster, Detailaufnahmen einer qualmenden Zigarette zwischen alternden Fingern – all diese mit viel Liebe gesetzten Details verknüpfen sich zu einer beklemmenden Geschichte von Menschen, die vor sich selbst nicht fliehen können.

Und es ist großartig gespielt. Alex Lawthers panische Mimik, während er das Unglaubliche erzählt, lässt an den Anblick eines entgleisenden Zuges denken. Martin Freeman («Sherlock», «Der Hobbit») wirkt als Geschäftsmann verkniffen und jovial zugleich, wie nur er das kann. Und Andy Nyman lässt subtil erkennen, wie viel hinter Professor Goodmans Gesicht verborgen liegt. «Ghost Stories» ist also ausgesprochen gutes Genrekino, das man sich als Fan unbedingt ansehen sollte - aber am besten nicht alleine.

Ghost Stories, Großbritannien 2017, 98 Min., FSK o.A., von Andy Nyman und Jeremy Dyson, u.a. mit Andy Nyman, Martin Freeman, Paul Whitehouse, Alex Lawther

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