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»Gigant« Vettel feiert vierten WM-Triumph

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Huldigung
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Weltmeister Sebastian Vettel verneigt sich vor seinem Auto, das in diesem Jahr grandios Leistungen ermöglicht hat. Foto: Valdrin Xhemaj Foto: dpa
Ganz Großer
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Sebastian Vettel stößt mit seinem vierten WM-Titel in Folge in immer erlauchtere Kreise vor und bricht laufend Rekorde. Foto: Valdrin Xhemaj Foto: dpa
Prost!
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Weltmeister Vettel feiert mit Champagner seinen vierten Titel in Serie. Foto: Valdrin Xhemaj Foto: dpa
Augen zu
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Sebastian Vettel (M) bekam auf dem Podium eine ordentliche Champagnerdusche ab. Foto: Valdrin Xhemaj Foto: dpa
Trophäensammler
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Sebastian Vettel reckt den Sieger-Pokal des Indien GP in die Höhe. Den WM-Pokal erhält er erst am Saisonende. Foto: Valdrin Xhemaj Foto: dpa
Public Viewing
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Zahlreiche Zuschauer verfolgen in Heppenheim, Vettels Heimatstadt, das Rennen des alten und neuen Weltmeisters. Foto: Daniel Reinhardt Foto: dpa
Knubbel
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Beim Start des Indien-GP staut sich das Fahrerfeld. Dabei kommt es auch zu leichten Kollisionen. Foto: Valdrin Xhemaj Foto: dpa
Boxenstopp
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Sebastian Vettel wechselte schon nach zwei Runden zum ersten Mal die Reifen und verlor zunächst die Führung. Foto: Valdrin Xhemaj Foto: dpa

Greater Noida (dpa) - Entfesselt drehte Sebastian Vettel mit seiner »Hungry Heidi« rauchende Kreisel auf der Zielgeraden und ließ seinen großen Emotionen freien Lauf.


Nach seinem historischen vierten Formel-1-Titel in Serie warf er sich vor den jubelnden indischen Fans in Triumphpose, dann huldigte er auf Knien seinem Weltmeister-Auto.

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»Das ist einer der schönsten Tage meines Lebens«, sagte Vettel sichtlich ergriffen: »Als ich über die Ziellinie fuhr, war ich einfach leer. Es gibt so viele Dinge, die du sagen willst, aber du kannst es einfach nicht.«

Die Zahlen sprechen ohnehin für sich: 26 Jahre und 116 Tage, jüngster Vierfach-Weltmeister in der Geschichte der Formel 1. Sechster Sieg in Serie, zehnter Sieg in dieser Saison und der dritte nacheinander beim Großen Preis von Indien in Greater Noida. »Er ist ein Gigant, mehr kann man dazu nicht sagen«, sagte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda und zog einmal mehr ehrfürchtig die Kappe. »Vier in einer Reihe, Du bist absoluter Wahnsinn!«, gratulierte sogar Deutschlands Basketball-Superstar Dirk Nowitzki.

Mit seinem vierten Titel zog Vettel mit Alain Prost gleich. »Er ist ein großartiger Champion und ich denke nicht, dass es sein letzter Titel sein wird«, sagte der Franzose, der seine Titel aber nicht in Serie geholt hatte.

Nur der Argentinier Juan-Manuel Fangio (5) und Rekordchampion Michael Schumacher (7) haben nun noch öfter die WM gewonnen. »Ein dickes Kompliment und herzliche Gratulation an Sebastian - grandiose Leistung von ihm und seinem Team, cooles Jahr, so hat er sich den vierten Titel redlich verdient!«, schrieb Schumacher auf seiner Homepage unmittelbar nach Vettels Siegerfahrt auf dem Buddh International Circuit. »Mit Prost, Fangio und Michael in einem Satz genannt zu werden, ist unglaublich«, meinte Vettel.

Mit feuchten Augen blickten Teamchef Christian Horner, Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko und die weiteren Mitglieder des Rennstalls, der nebenbei auch noch zum vierten Mal die höchst lukrative Konstrukteurswertung gewann, während der Siegerehrung zu dem PS-Wunderknaben auf. »Du denkst, es kann nicht besser werden«, sagte Horner: »Aber diese Leidenschaft, diese Hingabe im Team waren in diesem Jahr einfach phänomenal.« Diese Titel hätten weder das Team noch Sebastian erwartet, gab Marko zu - längst wie alle anderen auch im Weltmeister-T-Shirt.

Bevor sich Vettel in bester Mundart via TV auch noch bei seinen Fans beim Public Viewing in seiner Heimat Heppenheim bedankte, unterstrich er die Bedeutung seiner Familie auf dem Weg zum derzeit erfolgreichsten Formel-1-Piloten der Welt. »Meine Familie hat eine riesige Rolle gespielt«, berichtete Vettel und widmete Titel vier seinen Liebsten - und vor allem Freundin Hanna. Bezeichnend für den 26-Jährigen: Kurz nach seinem WM-Coup telefonierte er mit seinen Eltern und seinem Bruder.

Von Neid oder Missgunst war auch bei den abermals Geschlagenen und Düpierten nichts zu hören. »Glückwunsch. Man muss ihm einfach gratulieren«, sagte Fernando Alonso: »Sie haben es verdient, sie waren die besten.« Der Spanier kam bei Vettels 36. Grand-Prix-Sieg nicht einmal in die Punkte und wurde im Ferrari Elfter. Platz zwei wäre nötig gewesen, wenn Vettel leer ausgegangen wäre, um die WM-Entscheidung noch offen zu halten.

Zu unglücklich verlief aber das viertletzte Saisonrennen für den Champion von 2005 und 2006. Kurz nach dem Start von Rang acht kollidierte er mit Vettels Teamkollege Mark Webber, Teile des Ferrari-Frontflügels wurden durch die Luft geschleudert und Alonso, der im Gegensatz zu Vettel mit den härteren Reifen ins Rennen gegangen war, musste schon in der zweiten Runde in die Box. Dort hatte sich Sekunden zuvor allerdings Vettel auch schon der ungeliebten weicheren Reifen entledigt, einer »brutalen« Taktik, wie er hernach gestand.

Sie ging aber trotz aller Anspannung auch vor seinem 117. Grand Prix auf. Unbeeindruckt von taktischem Geplänkel und dem Aus seines Inteam-Feindes Webber durch eine defekte Lichtmaschine auf Position zwei liegend fuhr Vettel vor Landsmann Nico Rosberg im Mercedes und dem Franzosen Romain Grosjean im Lotus den Sieg ein.

Unter dem Abendhimmel Indiens musste er dann noch lange nach seinem Triumph die Fragen Dutzender Journalisten beantworten, ehe er sich zum Team-Foto von seiner Crew auf Händen tragen ließ. Aus dem Vettel-Finger wurden die »Vettel-Four«. Jeder Finger für einen Titel. Dann entschwand Vettel in eine ausgelassene Partynacht - noch immer ungläubig: »Ich fühle mich nicht alt, und das in so einer Zeit erreicht zu haben, ist schwer zu fassen. Vielleicht in zehn Jahren.«

Buddh International Circuit

Rennstrecke auf Formel-1-Homepage