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Gitarrenmusik in wunderbarer Vielfalt

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Alfred Schillmeier und Peter Pichler spielen sich beim Sonntagskonzert die Bälle zu und wechseln sich fließend ab mit Hauptstimme und Begleitung.

Der sehr gut besuchte Rathaussaal ist an diesem kalten Winterabend in warmes Bühnenlicht getaucht. Auf der Bühne stehen verschiedene Saiten- und Percussioninstrumente auf Ständern. Allein die Auswahl an ausgestellten Instrumenten macht schon neugierig auf diese »Reise zu den Ursprüngen der Gitarre«, die Alfred Schillmeier und Peter Pichler für die nächsten eineinhalb Stunden versprochen haben.


Die Atmosphäre im Saal ist entspannt und erwartungsvoll, als die beiden Musiker mit einem Klassiker der Gitarrenmusik das Konzert eröffnen. Die Hauptmelodien des »Concerto de Aranjuez« von Joaquin Rodrigo kennt fast jeder im Saal. Alfred Schillmeier und Peter Pichler spielen sich die Bälle zu und wechseln sich fließend ab mit Hauptstimme und Begleitung. Insbesondere der langsamere zweite Satz des Stücks lässt einen verstehen, warum die beiden sich schon während des Studiums zu einem Gitarrenduo zusammengefunden haben. Obwohl oder vielleicht sogar gerade weil sie sehr unterschiedliche Typen sind, ergänzen sie sich auf der Bühne wunderbar.

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Nach der Begrüßung durch Alfred Schillmeier, Musiklehrer in Traunstein, steigen die Zuhörer bei diesem Traunsteiner Sonntagskonzert in die Zeitmaschine zurück zu den Anfängen der Gitarre, die damals als Instrument noch gar nicht existierte. Peter Pichler stellt kurz die anderen Instrumente auf der Bühne vor: die Al Ud (die arabischen Laute) und auch die Renaissance-Laute, die quasi Vorfahren unserer heutigen Gitarre sind und starken Einfluss auf die Entwicklung der Gitarrenmusik heute hatten.

Zwei arabische Volkslieder, gespielt von Peter Pichler auf der Al Ud, versetzen uns gedanklich in den Orient. Danach folgen einige erste »Popsongs« von John Dowland auf der Renaissance-Laute mit Gesang. Um das Jahr 1600 herum wurden erstmals Lieder mit Strophe und Refrain entwickelt, um Geschichten in Begleitung der Laute zu singen. »Natürlich von einem Engländer«, wie Peter Pichler augenzwinkernd erwähnt, die hätten ja sowieso den Pop erfunden.

Nach einem südamerikanisch-rhythmischen Stück aus Basilien für zwei Gitarren präsentiert Alfred Schillmeier solo virtuos und wunderbar mitfühlend Werke des hier eher unbekannten argentinischen Komponisten Atahualpa Yupanqui. Zeitgenössische Gitarrenwerke, die verschiedenste Einflüsse von der spanischen Musik der Conquistadores über indianische Klänge bis hin zu afrikanischen Mustern vereinen.

Alfred Schillmeier verbindet eine nähere Bekanntschaft mit David Qualey, dem aktuell in Deutschland lebenden US-Komponisten. Zwei seiner Stücke stellt Schillmeier an diesem Abend vor, »Scotland the Brave«, das im Laufe des Stücks, beginnend von der bekannten Melodie, immer mitreißender und technisch komplexer wird, sowie »The Ride of the Headless Horseman«, bei dem der stete Hufschlag des Pferdes nicht ein einziges Mal ins Straucheln gerät.

Das wäre, laut gedrucktem Programm, der eigentliche Schlusspunkt des Konzerts gewesen, wenn nicht Peter Pichler noch in Schillmeiers Applaus hinein mit einem virtuosen E-Gitarren-Solo auf die Bühne gesprungen wäre. Aber natürlich darf die E-Gitarre bei einer Reise zu den Ursprüngen der Gitarre nicht fehlen. Sie ist ja heute eine tragende Säule in allen Genres der populären Musik. Schillmeier greift Pichlers Vorlage auf und beide improvisieren noch fetzig auf ihren E-Gitarren auf Basis des Led-Zepplin-Klassikers »Stairway to Heaven«.

Nach zwei Zugaben leert sich der Rathaussaal zögerlich. Nur sehr ungern verlassen die Besucher die angenehm warme und fröhliche Atmosphäre dieses Konzerts und kehren zurück in die klirrend kalte Winternacht Traunsteins. fb