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Glänzende Operngala mit jungen Stimmen

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Cornelia von Kerssenbrock leitete erstmals die Bad Reichenhaller Philharmoniker. (Foto: Aumiller)

Es war eine besondere Premiere: Cornelia von Kerssenbrock stand erstmals am Pult der Bad Reichenhaller Philharmoniker – und mit ihr die zehn Finalisten des 10. Internationalen Gesangswettbewerbs Immling.


Alle zehn profilierten sich in der Wahl durchweg anspruchsvoller großer Opernarien mit gut geführten Stimmen und engagiertem musikalischem Einsatz. Cornelia von Kerssenbrock, die künstlerische Leiterin des Opernfestivals Immling, punktete wie bei ihren Festspielaufführungen auch hier als kompetente und mit Operntemperament ausgestattete Dirigentin.

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Das Orchester ließ sich von ihr inspirieren und zeigte sich von seiner vielseitig flexiblen Seite. So wurde Gioachino Rossinis Ouvertüre zu »Il barbiere di Siviglia« sogleich zum spritzig sprühenden Auftakt.

Der Bariton Jinho Seo leitete den ersten Teil mit der Arie des Grafen aus »Le nozze di Figaro« ein, zeigte zupackenden Einsatz und überzeugte mit schönem Legato als Giorgio Germont in Giuseppe Verdis »Di provenza il mar« aus »La Traviata«. Die belgische Sopranistin Louise Foor war in Susannas »Rosenarie« noch nicht ganz frei von Nervosität, glänzte aber mit hellem Glitzern, geläufiger Koloratur und leuchtender Höhe in Juliettes »Je veux vivre« aus Charles Gounods »Roméo et Juliette«.

Bass-Bariton Alejandro Lopez Hernandez war ein wendiger Bartolo aus Mozarts »Figaro« und ging nach der Einleitung mit dem herrlichen Cellosolo die große Arie des Filippo »Ella giammai m'amó« aus Verdis »Don Carlo« mit imponierendem Gestaltungswillen an, kann aber stimmlich wie musikalisch noch mehr hineinwachsen in dieses anspruchsvolle Stück.

Mit guten Stimmsitz und hervorragender Artikulation gefiel der Bass-Bariton Daeho Kim als Mozarts Figaro und als bemerkenswerter Wolfram mit Richard Wagners »O du mein holder Abendstern«. Ausdrucksvermögen und gestalterische Begabung sowie fließende Übergänge in der Stimmführung ließ der venezolanisch-italienische Countertenor Rodrigo Sosa Dal Pozzo erkennen, zudem ist er mit einer schönen individuellen Stimmfarbe begabt.

Mit Händels Arie des »Serse« wusste die brasilianische Mezzosopranistin Beatriz Simoes stimmlich zu überzeugen. Die Qualitäten ihres schlanken Mezzosoprans mit fulminanter Höhe führte sie auch als Gounods »Sapho« ins Feld. Der erst 20-jährige Russe Stefan Astakhov gefiel mit gut sitzendem Bariton als sympathischer Silvio aus Ruggero Leoncavallos »I Pagliacci« und in musikalischer Linie mit kerniger Höhe als lyrischer Valentin aus Charles Gounods »Faust«.

Der Bass-Bariton Dongjun Choi punktete mit kerniger und mit Kraft eingesetzter Stimme als markanter Silva aus Verdis Ernani und als ausgefuchster Basilio in »La calunnia« aus Rossinis »Barbiere«. Eindrucksvoll gestaltete der Bariton Minsoo Ahn »Posas Tod« aus Verdis »Don Carlo« und lieferte als Schlussnummer mit dem Escamillo aus George Bizets »Carmen« den Trumpf zum großen Beifall.

Kwonsoo Jeon war der einzige Tenor in der Sängerriege. Sowohl als Verdis Rigoletto-Herzog als auch als Puccinis Rodolfo aus »La Bohème« zeigte er überzeugend seine tenorale Qualität, seinen nahtlos durch alle Lagen geführten stimmlichen Einsatz mit Leuchtkraft und Glanz in der Höhe. So war auch seine Zugabe mit »La donna é mobile« aus »Rigoletto« der bejubelte »Rausschmeißer«.

Lob und Begeisterung war aus dem Publikum zu vernehmen für einen glanzvollen Opernabend mit den künftigen Gesangshelden und den motivierten Bad Reichenhaller Philharmonikern unter Cornelia von Kerssenbrock. Elisabeth Aumiller