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Glanzvoller Europa-Trip der Eintracht endet in Tränen

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Stolze Eintracht
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Nach dem Aus im Elfmeterschießen schwingt bei den Profis von Eintracht Frankfurt neben der Enttäuschung auch Stolz mit. Foto: Arne Dedert Foto: dpa

Das Traumziel Baku hat Eintracht Frankfurt auf unglückliche Weise verpasst. Die Hessen verabschieden sich erhobenen Hauptes aus der Europa League, auch wenn die Enttäuschung zunächst überwiegt. Auch am Tag danach wirkt Trainer Hütter geknickt.


London (dpa) - Die traurigen Verlierer von Eintracht Frankfurt wurden nach dem dramatischen Ende ihres glanzvollen Europa-League-Trips wie glorreiche Sieger gefeiert.

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Arm in Arm standen Spieler und Trainer noch Minuten nach dem bitteren Halbfinal-Aus durch das 3:4 im Elfmeterschießen beim englischen Topclub FC Chelsea vor dem Block ihrer treuen Fans, die mit großem Stolz die Vereinshymne sangen und immer wieder skandierten: »Europas beste Mannschaft - SGE«.

Im schmerzvollen Moment der ebenso unglücklichen wie bitteren Niederlage spendete Fredi Bobic ersten Trost. »Wir haben in Europa nur ein Spiel verloren, es war ein unglaublicher Ritt. Wir haben die Liga und den Verein würdig präsentiert. Jeder in Europa weiß jetzt, was diese Mannschaft zu leisten imstande ist«, adelte der Sportvorstand die tapferen Eintracht-Kämpfer, von denen einige Tränen in den Augen hatten.

Auch Trainer Adi Hütter fand schnell aufbauende Worte für seine Mannschaft: »Ich habe versucht, die Jungs wieder aufzurichten. Man kann ihnen nur gratulieren und sagen, wie stolz man ist. Es war eine sensationelle internationale Saison, auch wenn wir keinen Titel gewonnen haben.« Der Österreicher wirkte auch einen Tag später noch geknickt, nach der Rückkehr in Frankfurt sagte er: »Die Enttäuschung ist noch da. Aber ab morgen interessiert das niemanden mehr. Wir müssen die letzten zehn Tage alles raushauen. Es geht um wahnsinnig viel.« Schon am Sonntag (18.00 Uhr) gilt es nun gegen Mainz 05, denn es geht um nicht weniger als die erste Champions-League-Teilnahme.

Der starke Auftritt an der Stamford Bridge war ein würdiger Abschluss einer überzeugenden und glanzvollen Reise durch Europa, die den Hessen vor der Saison in dieser Form niemand zugetraut hatte. »Es war fantastisch, was wir gezeigt haben. Mit sechs Siegen in der Gruppenphase haben wir einen Rekord aufgestellt, dann Champions-League-Mannschaften ausgeschaltet und im Halbfinale den Topfavoriten aus England zu Hause fast blamiert«, bilanzierte Hütter und stellte zufrieden fest: »Wir haben auf uns aufmerksam gemacht und uns sehr gut verkauft.«

Zum krönenden Einzug ins Finale - es wäre das erste seit dem Triumph im UEFA-Pokal vor 39 Jahren gewesen - fehlte gegen das Londoner Starensemble nur ein wenig Glück. Zweimal retteten Chelsea-Spieler in der Verlängerung bei Chancen von Rückkehrer Sébastien Haller auf der Linie, im Nervenduell vom Punkt scheiterten der überragende Martin Hinteregger und Gonçalo Paciência. »Wenn man einen Elfmeter verschießt, ist es immer ganz schlimm. Es tut mir richtig weh«, sagte Hinteregger. Hütter merkte einen Tag nach der Enttäuschung ein wenig konsterniert an: »Man sieht die Schnelllebigkeit des Sports.«

In der regulären Spielzeit hatte Luka Jovic (49. Minute) mit seinem zehnten Tor im laufenden Wettbewerb die Führung der Hausherren durch Ruben Loftus-Cheek (28. Minute) egalisiert und nach dem 1:1 im Hinspiel für einen ausgeglichenen Gesamtstand gesorgt. Am Ende verließ auch der von Real Madrid heiß umworbene Serbe mit leerem Blick das Stadion. »Wir sind sehr enttäuscht, dass unser Traum vom Finale geplatzt ist«, schilderte Hütter die Gefühlslage und berichtete aus der Kabine: »Die Köpfe hingen unten, es sind Tränen geflossen.«

Auch beim nächtlichen Bankett im noblen Fünf-Sterne-Hotel Corinthia unweit des Trafalgar Square herrschte Trauerstimmung. »Es hätte das größte Spiel mit dem schönsten Ende werden können. Wir waren ganz, ganz knapp vor der großen Sensation«, befand Hinteregger. Und Torwart Kevin Trapp, der einen Elfmeter gehalten hatte, sagte: »Einen kurzen Schritt vor dem Finale auszuscheiden, tut extrem weh.«

Dennoch darf sich die Eintracht als Sieger fühlen, hat sie mit ihren Auftritten doch weit über die Stadtgrenze hinaus viele Sympathien gewonnen. Im Durchschnitt 6,45 Millionen Menschen fieberten am Donnerstagabend vor den Fernsehgeräten mit den Frankfurtern und bescherten RTL eine Rekord-Quote. In der Spitze waren es sogar 7,3 Millionen TV-Zuschauer.

Selbst im Bundestag war die Eintracht Thema. »Ein bisschen sollten wir Mitleid mit den Frankfurt-Fans haben, ich hab' noch keinen gesehen, der gestern Abend so schwer gelitten hat«, sagte Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) zur Eröffnung der Sitzung am Freitag.

Auch wirtschaftlich hat sich das Europa-Abenteuer gelohnt. Mehr als 30 Millionen Euro - davon allein 12,84 Millionen Euro an Prämien von der UEFA - flossen in die Vereinskasse. Und nicht zuletzt trug die Eintracht den größten Teil dazu bei, dass die Bundesliga mit 15,214 Punkten in der UEFA-Fünfjahreswertung das beste Ergebnis seit drei Jahren verbuchte.

Das alles hat Lust auf mehr gemacht. »Wir haben in der Europa League gesehen, wie schön das ist. Deshalb wollen wir das wiederholen«, sagte Mittelfeldspieler Mijat Gacinovic. Dafür muss sich der Tabellenvierte ganz schnell berappeln, denn im Rhein-Main-Derby gegen Mainz geht es um wichtige Punkte im Kampf um einen internationalen Startplatz. Fehlen wird dann Defensivmann Sebastian Rode, der an Krücken mit schmerzverzerrtem Gesicht aus dem Stadion humpelte.

Bobic hofft, dass der Mannschaft auf der Zielgeraden der Saison nun nicht die Puste ausgeht. »Wir wollen in die Champions League rein, das ist unser Traum. Das wird verdammt schwer, weil ich auch die Wunden sehe«, sagte der Sportvorstand. Druck habe die Eintracht aber nicht mehr. Bobic: »Egal was rauskommt, es ist ein überragendes Jahr.«

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