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Glanzvolles Trio spielt mitreißende Kammermusik

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Foto: symbolbild, pixabay.com

Ein Musiksommerkonzert vom Feinsten: Das exquisite Trio im prächtigen Festsaal des Klosters Raitenhaslach machte traumhafte Kammermusikwerke von Franz Schubert und Peter I.Tschaikowsky für die Zuhörer zum nachhaltigen Erlebnis.


Es ist nicht immer selbstverständlich, dass hochrangige Solisten auch ein ebensolches Kammerensemble abgeben. Hier zeigten drei prachtvolle Musiker eine beeindruckende Symbiose aus solistischen Qualitäten und exzellentem Zusammenwirken, wie aus einem Geist geformt. Geigerin Ilona Then-Bergh, Cellist Wen-Sinn Yang und Pianist Michael Schäfer sind Professoren an der Hochschule für Musik und Theater München. Die beiden Streicher waren Mitglieder des BR-Sinfonieorchesters, als erste Geigerin und Solocellist, bevor sie sich sowohl für die solistische als auch pädagogische Laufbahn entschieden. Michael Schäfer ist auf den Konzertpodien als Solist, Kammermusiker oder Liedbegleiter geschätzt.

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Das Klaviertrio Es-Dur op. 100 von Franz Schubert faszinierte in seiner Mischung aus romantischer Stimmung, aus melancholischem Unterton genährt, und dramatisch zupackender Intensität. Wehmütige Kantilenen wechselten zwischen Dur und Moll, liedhafte Zartheit spann feine Linien berührender Besinnlichkeit, energische Rhythmik und spannend variierte Tempi zogen den Bogen über kontrastierende Themen. Die harmonischen Verflechtungen nützten die Musiker für ihre brillanten instrumentalen Fertigkeiten und um die Tonsprache Schuberts zur schönen Blüte zu bringen. Das Trio entstand ein Jahr vor Schuberts Tod in der Zeit der »Winterreise« und ist auch dieser Qualität und ihrem Stimmungsgehalt nahe. Die Tiefendimension dieses wunderbaren Werkes, das zuletzt in strahlendem Licht endet, wussten die drei Musiker auszuschöpfen, aber nicht als schwermütig düstere Farbe, sondern als brillante Kraft von erhabener Schönheit und innerem Leuchten.

Romantisch elegische Poesie ist auch der Stimmungsgehalt in Peter I. Tschaikowskys Klaviertrio a-Moll op. 50. Tschaikowsky komponierte es anlässlich des Todes des berühmten Pianisten, Dirigenten, Komponisten und Musikpädagogen Nikolai Rubinstein, dem es auch gewidmet ist: »À la mémoire d’un grande artiste« – »Dem Andenken eines großen Künstlers«. Es ist überliefert, dass Tschaikowsky eher eine ablehnende Haltung zur Komposition eines Trios hatte, da er die Klangfarbe des Klaviers als unpassend zu den Streichern empfunden habe.

Für die Zuhörer im Raitenhaslacher Festsaal war das nicht so. Sie konnten sich an der brillanten pianistischen Ausformung von Läufen und Akkorden im schönen Miteinander mit den Streichern erfreuen. Ilona Then-Bergh setzte helle Glanzlichter auf der Violine, solistisch ebenso wie im Zusammenspiel melodisch teils anführend, teils ergänzend. Herrliche Klangbögen in dunkel sonorer Wärme entlockte Wen-Sinn Yang erlesen und virtuos seinem Cello und gab der vorherrschenden Stimmung den Unterbau. Nur zwei Sätze hat das Trio, allerdings weitläufig dimensioniert und reich an Klangfarben. Im ersten Satz herrscht ein elegisch sangliches Thema vor, russisch koloriert. Im zweiten Satz finden sich 12 Variationen, in denen Tschaikowsky zwölf Stationen im Leben Rubinsteins dargestellt haben soll. Russische Farben sind eingewebt in ein Tongemälde aus Hell und Dunkel, durchsetzt mit tänzerischer Rhythmik. Die drei Musiker gestalteten intensiv, kraftvoll, mit energischer Verve und ließen am Ende dieses musikalische Juwel traumverloren verklingen. Elisabeth Aumiller