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Glauben und Technik in der Kunst vereint

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Der Künstler Willi Wimmer ist im Alter von 86 Jahren verstorben und wird in seiner Heimatgemeinde St. Georgen beerdigt.

Der Mensch im Spannungsfeld von Technik und Religion: In der künstlerischen Auseinandersetzung mit dieser Thematik hat der 1929 in St. Georgen geborene Willi Wimmer über Jahrzehnte hinweg der Region und darüber hinaus wichtige Impulse gegeben. Nach längerer Krankheit ist Wimmer jetzt im Alter von 86 Jahren in einem Seniorenheim in Landshut gestorben. Das Urnenbegräbnis ist am morgigen Samstag um 11 Uhr auf dem Friedhof in St. Georgen.


Holzdrucke, Eisenskulpturen und Bildzyklen von ihm finden sich bei der AlzChem in Trostberg ebenso wie beim Kloster Seeon, in Kirchen in St. Georgen, Traunreut und Traunstein, auf dem Kraftwerksgelände im österreichischen Ostermiething oder nahe des heute vom Sohn Cornelius bewirtschafteten Wimmerhofs in Wolkersdorf bei Kirchanschöring.

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Vis-à-vis von seiner letzten Ruhestätte wurde Wimmer als jüngstes von drei Kindern 1929 in einer traditionellen Bauernfamilie geboren. Gefördert von seiner Mutter, entdeckte er früh seine Liebe zur Kunst in Büchern über Picasso oder beim Zeichnen. Die nicht weniger ausgeprägte Begeisterung für Technik, Maschinen und Erfindungen ließ ihn beruflich den Weg des Ingenieurs einschlagen, der im Traunreuter Siemenswerk bei der Aufbauarbeit nach Kriegsende kräftig mit anpackte. In den 70er- und 80er-Jahren folgten leitende Tätigkeiten in der österreichischen Industrie und als Industrieberater in Italien.

Parallel dazu pflegte Wimmer seine künstlerischen Ambitionen als Mitbegründer der Gruppe 58 und bildete sich 1959 bei der Sommerakademie auf der Festung Hohensalzburg bei Oskar Kokoschka weiter. Dort lernte er über Umwege auch seine spätere Frau Renata kennen, die in einem Pianistenhaushalt groß geworden war. Die beiden, noch in St. Georgen aufgewachsenen, Söhne Markus und Cornelius tragen heute als Künstler und schamanisch Tätiger bzw. Chirurg Wimmers Vermächtnis weiter.

Ein ganz neuer Lebensabschnitt begann 1981 mit dem Umzug auf den Wimmerhof in Wolkersdorf. Ein großes Atelier, die Pferdezucht und die großartige Landschaft am Waginger See ließen den Kraftort zu einer, von gelebter Spiritualität, Kunst und Natur geprägten, Begegnungsstätte werden, die vielen Inspiration mit auf den Weg gab. Der Schöpfungsgedanke wurde hier sprichwörtlich greifbar; etwa 1987 im Bildhauersymposion »Das Kreuz als Universalzeichen und christliches Symbol«.

Immer wieder griff Willi Wimmer dieses vielschichtige Zeichen – ergänzt um die Dimension des Kreuzwegmotivs – auf und beleuchtete die ihm innewohnenden Aspekte des Todes, der Auferstehung, der Initiation oder des Leidensweges. »Das Thema übersetzt der Künstler ins Individuelle, gibt dabei Auskunft über seine Justierung und öffnet damit gleichzeitig neue Sinnhorizonte jenseits christlicher Deutung«, schreibt sein Sohn Dr. Markus Wimmer in einem Katalog. Ebenso bildeten Zahnräder, Stanzmuster und die Zeichensprache der Technik eine durchgängige Themenlinie im Werk des vielseitig interessierten Künstlers.

Nicht weniger fasziniert war Willi Wimmer vom Material, der Tradition, der Ausdruckskraft und den Abstraktionsmöglichkeiten, die ihm der Holzdruck als Träger einer Bildidee bot. In Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten beschäftigte sich Wimmer intensiv mit Bronzeguss und Eisenplastik bis hin zur Umsetzung von Brunnenskulpturen. Grenzübergreifend wirkte er 1991 als Organisator beim Bildhauersymposion »Kunstgrenzbezirk Tittmoning-Ettenau« im Kraftwerk Riedersbach mit. Als Mitglied in Künstlervereinigungen in Traunreut, Traunstein, Rosenheim, Wasserburg und bei der Deutschen Gesellschaft für Christliche Kunst in München pflegte er regen Aus-tausch mit Kollegen. Die entsprechende Wertschätzung erfuhr sein Werk 1998 mit dem Grafikpreis des Kunstvereins Traunstein und dem 3. Kunstpreis des Ökumenischen Kirchentags in Ulm.

Im Ruhestand noch vor der Jahrtausendwende verlegte Willi Wimmer mit seiner Frau Renata den Lebensschwerpunkt nach Bad Kleinkirchheim in Österreich und ab 2006 nach Felden. Hochbetagt und an Demenz leidend, verbrachte er die letzten Jahre in einem Seniorenheim in Landshut nahe der Familie seines Sohnes Markus. Axel Effner

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