Bildtext einblenden
Laut Schätzungen der Polizei und des Veranstalters waren dem Aufruf von »Fridays for Future« knapp 200 Menschen in den Stadtpark gefolgt. (Foto: Schmidt-Eisenlohr)

Globaler Klimastreik von »Fridays for Future«: Knapp 200 Demonstrierende im Traunsteiner Stadtpark

Traunstein – Eine konsequentere Klimapolitik und mehr Bewusstsein für Klimaschutz in der Bevölkerung – das forderten etwa 200 Menschen am Freitagnachmittag bei einer Demonstration von »Fridays for Future« Traunstein im Stadtpark. Die Veranstaltung fand im Rahmen eines globalen Klimastreiks statt, zu dem die Bewegung aufgerufen hatte. In mehr als 250 weiteren Städten in Deutschland sowie in zahlreichen anderen Ländern gingen Tausende Menschen für das Klima auf die Straße.


Im Traunsteiner Stadtpark ergriff zuerst der 15-jährige Maximilian Gräf aus Unterwössen das Wort und bemängelte, dass der Klimawandel unter dem Eindruck von Inflation und Energiekrise immer mehr in den Hintergrund gerate: »Geld und Prestige dürfen nicht wichtiger sein als der Erhalt unserer Zukunft!« Der CSU Traunstein warf er vor, »strukturell Stimmung gegen den Klimaschutzentscheid« gemacht zu haben: »Das zeigt, dass ihr an der Zukunft eurer Kinder nicht interessiert seid.« Das Publikum, in dem vom Grundschul- bis zum Rentenalter alle Generationen vertreten waren, reagierte darauf mit lautem Jubel.

Auch der 17-jährige Demonstrationsleiter Luca Barakat aus Marquartstein warf der Politik in Traunstein ein zu zögerliches Handeln vor: »Vor allem die CSU bremst den Klimaschutz aus.« Mit Blick auf die Landtagswahl im nächsten Jahr sagte er: »Wir entscheiden, ob das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels noch realistisch ist. Wir müssen Parteien verhindern, die sich dafür nicht einsetzen. Durch den Klimawandel wird alles teurer, Menschen verlieren ihr Leben, Naturkatastrophen werden zum Alltag.« Weiter führte Barakat aus: »Klimaschutz ist teuer, aber kein Klimaschutz ist immer am teuersten! Und kein Mensch ist zu klein, um einen Unterschied zu machen.«

Der Physiker Dr. rer. nat. Simon Filser von »Scientists for Future« Traunstein, einem überparteilichen Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, trat als nächster Redner auf die Bühne: »In vielen Teilen der Welt ist es im vergangenen Hitzesommer zu spürbaren Schäden gekommen. Das Interesse an Klimaschutz hat in der breiten Bevölkerung währenddessen gefühlt eher abgenommen. Wir von ‚Scientists for Future‘ denken, das liegt zum einen daran, dass das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels kaum noch zu erreichen scheint. Das hat viele frustriert.

Das darf jedoch kein Grund sein, die Anstrengungen für den Klimaschutz aufzugeben – ganz im Gegenteil: jedes Zehntelgrad zählt!« Die Auswirkungen des Klimawandels würden in Zukunft in der Landwirtschaft besonders stark zu spüren sein, wo weniger Pflanzen bestäubt würden und sich Schädlinge viel leichter ausbreiten könnten, so Filser weiter. »Wenn gleichzeitig das Wasser knapp wird und Ackerflächen degenerieren, müssen wir uns auf Engpässe in unserer Lebensmittelversorgung einstellen.« In unserer Region sei es in diesem Zusammenhang außerdem wichtig, die Ökosysteme Wald und Moor zu schützen.

Der zweite Grund für ein scheinbar zurückgegangenes Interesse am Klimaschutz sei laut Filser, »dass die Politik auf verschiedenen Ebenen den Eindruck vermittelt, mit Klimaschutzmaßnahmen aktiv zu sein.« Bei Wind- und Solarenergie würden auch durchaus Fortschritte gemacht. Besonders im Bereich Verkehr setze man teilweise jedoch sogar kontraproduktive Maßnahmen um. »Auch die Stadt Traunstein rühmt sich gerne damit, für den Klimaschutz aktiv zu sein. Ein genauerer Blick auf das Klimaschutzkonzept der Kreisstadt zeigt jedoch, dass zwar einige Maßnahmen begonnen wurden, diese aber deutlich hinter dem Plan von 2021 zurückliegen. Und auch dieser war schon alles andere als ambitioniert. Wir fordern unsere Politiker auf, hier deutlich mehr zu unternehmen.«

Abschließend ergriff Elektroplaner Martin Zillner aus Traunstein das Mikrofon: »Die Menschen müssen verstehen, dass die Energiewende momentan zu großen Teilen an unserem Stromnetz scheitert. Würde unsere Politik die Klimakrise genauso ernstnehmen wie die Corona-Pandemie, würden jetzt Soldatinnen und Soldaten Kabel für ein verbessertes Stromnetz eingraben.«

JuC