weather-image
18°

Glückseligkeit, Geselligkeit und Lebenshilfe

Schönau am Königssee - Wenn der Bayerische Bauernverband zum Landfrauentag im Berchtesgadener Land einlädt, dann zeigt sich immer wieder: Das Programm dieses Treffens spricht zahlreiche Frauen an. Auch heuer war der Veranstaltungssaal dicht besetzt mit mehreren Hundert Teilnehmerinnen. In Schönau am Königssee wurde heuer gefeiert, und der Tag stand auch diesmal unter einem vielschichtigen Aspekt: Gottesdienst, kulinarische Genüsse, ein Vortrag als Beitrag zu Lebensbewältigung, Zeit zur Pflege der Geselligkeit und ein kurzweiliger Abschluss. Die Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Landfrauen wurde unterstrichen durch die Anwesenheit mehrerer Bürgermeister und Vertreter von öffentlichen Ämtern und Behörden.

Kreisbäuerin Maria Krammer übernahm die Moderation des Tages und bedankte sich bei Pater Kajetan für die würdige Gestaltung der Festmesse.

Am Vormittag wurde zum Auftakt ein Gottesdienst in der Pfarrkirche Schönau gefeiert. Pater Kajetan zelebrierte die Messe und veranschaulichte in seiner Predigt das Thema »Gnade«. Die einfühlsame musikalische Gestaltung der liturgischen Stunde übernahm der Landfrauenchor unter der Leitung von Martina Jakob. Auch im weiteren Verlauf des Tages gaben die sangesfreudigen Damen zur Auflockerung des Programms Kostproben aus ihrem Repertoire.

Anzeige

Im Saal des Gasthauses »Unterstein« traf sich die große Gesellschaft nach der Messe zum gemütlichen Beisammensein. Der festlich geschmückte Saal und die meist in fescher Tracht erschienenen Landfrauen machten zusätzlich deutlich: Dieser Tag ist etwas Besonderes. Die Generationen treffen sich zum geselligen Miteinander, aber auch, um ein Stück Lebenshilfe oder auch Bestätigung ihres Schaffens zu erhalten. Ebenso war der solidarische Aspekt wieder mit eingeschlossen.

Denn im Saal erwartete die Damen auch heuer ein Basar. Der Verkaufserlös kam der Station Berchtesgadener Land der Katholischen Dorfhelferinnen und Betriebshelfer GmbH Bayern zugute. Der Erlös aus der Kollekte bei der Messe floss ebenfalls in diesen Topf.

Nach dem Mittagessen eröffnete Kreisbäuerin Maria Krammer offiziell den Tag. Eine lange Liste an Ehrengästen hatte sie zu begrüßen und mit sichtlicher Freude übernahm sie diesen Part. Ebenso wie ihr männlicher Amtskollege, Kreisobmann Anton Kern, widmete sie sich in einem kurzen Statement dem Projekt, das vom Deutschen Landfrauenverband propagiert wird, der Einführung eines Pflichtfaches zur Vermittlung von Alltagskompetenzen. Dabei geht es vor allem darum, junge Menschen darauf vorzubereiten, sich in einer immer komplexer werdenden Lebenswelt zurechtzufinden.

Dazu zählen Ernährungsbildung, nachhaltiges Konsumverhalten, finanzielle Allgemeinbildung, Medienbildung, ein Grundverständnis zum gesamtgesellschaftlichen Wirtschaften sowie hauswirtschaftliche Fähigkeiten. Es müsse aber beachtet werden, dass das breite Spektrum nicht unterschätzt werde. Deshalb soll nach den Vorstellungen der Initiatoren ein Unterrichtsfach von der ersten bis zur zehnten Jahrgangsstufe in allen Schulformen eingeführt werden.

Die Wertschätzung gegenüber dem, was die Landfrauen nicht nur für ihre Familien, sondern auch für die Gesellschaft leisten, wurde in den weiteren Grußworten deutlich. Schönaus Bürgermeister Stefan Kurz und Landratstellvertreter Rudi Schaupp machten dies ganz besonders deutlich. »Euere Arbeit verdient Respekt und Anerkennung«, lautete der Tenor.

Dann stellte sich Dorfhelferin Christine Fendt vor. Sie ist seit August freiberuflich tätig und ermunterte die Anwesenden, sich nicht zu scheuen, diesen Hilfsdienst in Anspruch zu nehmen. »Macht auch einmal Urlaub«, riet sie den Frauen. Auch Renate Rosner stellte sich vor. Sie ist die neue Leiterin der Abteilung Ernährung- und Haushaltsleistungen im Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. Im Zuge der Veranstaltung gratulierten Kreisbäuerin Maria Krammer und ihre Stellvertreterin Maria Walch auch der frischgebackenen Hauswirtschaftsmeisterin Andrea Stangassinger, die in Bischofswiesen zu Hause ist.

Danach folgte ein »Angriff auf die Lachmuskeln«. Denn die Priesberg-Musi fand nicht nur die richtigen Töne, sondern vor allem aufmunternde und unterhaltsame Worte in Form von Witzen und Gstanzln.

Hedwig Beier aus dem Landkreis Altötting ist eine beliebte Referentin, die nicht zum ersten Mal bei einem Landfrauentag das Festreferat gehalten hat. So war es auch heuer wieder die praxisbezogene Prägung des Vortrags, mit der sich die Anwesenden identifizieren konnten. Beier definierte das Glück als eine in jedem Menschen wohnende Sehnsucht, das nicht nur ein Hochgefühl vermittelt, sondern mit Ausgeglichenheit und Balance zu tun hat. »Der glückliche Mensch weiß um die Spannungen und das Auf und Ab des Lebens, hat aber eine offene Grundhaltung dazu«, so die Referentin.

Vier Formen des Glücks führte Hedwig Beier an. Das »Wohlfühlglück«, das Behaglichkeit vermittelt, wie man es beispielsweise bei Wellnessanwendungen erlebt. Das »Anstrengungsglück« nach großer Mühe, das »Redlichkeitsglück«, das Menschen dann empfinden, wenn sie etwas Wichtiges und Richtiges getan haben und das »Gnadenglück«, das einem beschert wird. Eine gute Partnerschaft oder die Genesung nach Krankheit führte die Referentin dazu als Beispiele an. Die Zeichen der Zeit mit ihren zahlreichen Möglichkeiten bezeichnete sie als Faktoren, die zwar große Chancen bieten, aber auch Nachteile bringen. »Die Schnelllebigkeit bringt uns unter Druck und findige Werbemanager verstärken dies. Denn das heutige Zeitmodell zeigt uns auf, dass wir in einem endlichen Leben unendlich viel erleben müssen«. Dabei zeigten Studien auf, dass nicht der materielle Wohlstand, sondern die inneren Bedingungen ausschlaggebend für das Glücksempfinden seien.

Hedwig Beier gab dazu fünf Impulse und animierte die Zuhörerinnen, dazu jeweils die eigene Lebenssituation in Gedanken aufzugreifen. »Hauptziel ist es, sich bestärken zu lassen«, rief sie den Frauen zu. Der erste Impuls war »In der Zeit leben, in der Zeit sein«. Der zweite Impuls war darauf ausgerichtet, Entscheidungen vom Ende her zu bedenken. Als dritten Gedanken stellte sie den Aufruf in den Raum »Am Wesentlichen dran zu sein«, der vierte Impuls, stellte die Kunst der Achtsamkeit heraus und die Offenheit, das Glück wahrzunehmen. Nachhaltig wirkte der abschließende Gedanke »Auf die Sinnfrage eine Antwort haben«. Maria Horn