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Göttliche Stimmen und irdisches Vergnügen

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Gänsehaut pur: König Oebalus (Michael Nowak) und Tochter Melia (Judith Graf) beweinen den Tod von Hyacinth (Simon Bernhard). (Foto: Benekam)

»Gottheit, ach kehre zurück«, fleht Melia (Judith Graf, Sopran), Tochter des Königs Oebalus von Sparta in dem Duett aus der Mozart-Oper Apollo und Hyacinth. Ihr leidenschaftlicher, berührender Operngesang unterstreicht Mozarts grandioses Werk und stellt mit stimmlicher Akkuratesse einen der vielen Höhepunkte der Opernserenade um »Den jungen Mozart« dar.


Unter diesem Motto wurden beim »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« zwei Werke aus Mozarts früher Schaffenszeit aufgeführt: die Kassation G-Dur KV 63 und Mozarts erste Oper »Apollo und Hyacinth«. Zudem gab es gleich drei Jubiläen zu feiern, nämlich 40 Jahre Musiksommer zwischen Inn und Salzach, 20 Jahre ensemble Amphion und 50 Jahre Musikschule Traunwalchen.

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»Apollo und Hyacinth« zeigt Mozarts Genie

Das sind drei gute Gründe, dass drei hochkarätige Solisten, der Singkreis Seeon (Einstudierung von Andrea Wittmann), die Dance Performance Group »Smash!the limit«, das ensemble Amphion und Mitglieder des Jugendstreichorchesters Capella cantabile sowie zwei St. Florianer Sängerknaben (Einstudierung Mag. Franz Farnberger) zusammenkamen, um dem k1-Publikum nach intensiver Probenarbeit die Früchte ihres Schaffens darzubieten.

»Apollo und Hyacinth« ist Mozarts erste musikdramatische Komposition. In lateinischer Sprache gesungen stellt sein Auftragswerk für die Salzburger Universität etwas Besonderes dar und liefert den Beweis für Mozarts unfassbares Genie – er war im Jahr der Uraufführung (1767) gerade mal elf Jahre alt.

Nicht minder genial war auch die Komposition der Finalmusik KV 63, die er im Alter von nur dreizehn Jahren komponierte. Das der Form nach wie eine Serenade anmutende Werk nuanciert ungemein fein und zeichnet so das Bild einer reizend-hintergründigen Nachtszene. Die Solo-Violine (grandios: Judith Krins) agiert hier bereits wie in einem von Mozarts Violinkonzerten der Jahre 1775. Die Zuhörer tauchten spürbar in die Musik ein und dankten dem herausragenden Orchester mit lang anhaltendem Applaus, der den ersten Konzertteil beschloss.

Der zweite Teil war dann ein wahres Sahnehäubchen für Opernliebhaber. In ausgesprochen kurzweiliger und kreativer Inszenierung (Michal Nowak) bekamen die Konzertbesucher in drei Akten die tragische Liebe des Gottes Apollo (Alois Mühlbacher, Altus) zu den beiden Königskindern Melia (Judith Graf, Sopran) und Hyacinthus (Sängerknabe Simon Bernhard, Sopran) nahe gebracht.

Das Libretto zur Oper schrieb Rufinus Widl, zu dem es einen regionalen Bezug gibt: Widl war Benediktiner in der Abtei Seeon, später Gymnasiallehrer und Professor der Philosophie in Salzburg. Nach Widls Bearbeitung des antiken Mythos geht es um eine Dreiecksbeziehung zwischen dem Gott Apollo, der Königstochter Melia und deren Bruder Hyacinth.

Apollo liebt Melia, fühlt sich aber auch zu Hyacinth hingezogen, dessen Freund Zephyrus (Sängerknabe Fabian Winkelmeier) aus Eifersucht gewalttätig wird. Bei einem Discusspiel trifft er den Freund, verletzt ihn schwer und schiebt die Missetat Apollo zu, um so die von ihm geliebte Melia von ihm wegzutreiben. Bevor Hyacinth stirbt, nennt er seinem Vater Oebalus den wahren Übeltäter. Zu spät, denn Melia hat Apollo (Alois Mühlbacher) schon des Landes verwiesen, obwohl er, bevor er verschwand, in bestechend schöner Countertenorstimme mit variationsreichen Registern seine Unschuld beteuert.

In einem ergreifend schönen Klageduett, in dem Michael Nowaks (Oebalus) wunderbarer Mozart-Tenor über alle Maßen imponierte, weinen Vater und Schwester um den geliebten Hyacinth und flehen Apollo um Rückkehr an. Allzu gerne kommt Apollo zurück. Den Leichnam Hyacinths verwandelt er in Hyazinthenblumen. Einer Hochzeit und damit einem guten Ausgang steht nun nichts mehr im Wege.

Dem Fantasiereichtum von Mozarts Komposition entsprachen die dramaturgisch gewählten Mittel, die modern gehaltenen Kostüme (Apollo erscheint bei Hyacinths Verwandlung im Thorkostüm, Melia singt ihre Rolle in Hippie-Tracht). Die zu und während der Arien überleitenden und verbindenden Tanzchoreografien, zum Teil aus dem Modern Dance Stil stammend, lockerten und werteten die Gesamtproduktion in puncto Ästhetik auf.

Die Sängerknaben begeistern das Publikum im k1

Die Protagonisten fanden sich in einigen Szenen durch Licht- und Video-Projektionen in einer Science-Fiction-Welt wieder. Sogar der Chor wurde mit witzigen Designer-Brillen ausgestattet ins Gesamtspiel einbezogen und glänzte so nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch. Besonders großen Gefallen fand das k1-Publikum auch an den beiden St. Florianer Sängerknaben Simon Bernhard (Hyacinth, Sopran) und Felix Lumesberger (Zephyrus, Alt), die mit offensichtlicher Unbekümmertheit und kindlichem Übermut schauspielerisch und stimmlich eine sehr überzeugende Leistung ablieferten.

Die Musiker und Tänzer schaffen in diesem Konzert unter der vorzüglichen Musikalischen Leitung, der immer überraschenden Detailarbeit des Regisseurs und den agierenden Darstellern, den Spagat zwischen musikalischer Perfektion und innovativer Dramaturgie in der Oper. Tosender Applaus und Bravorufe schallte den Musikern entgegen und spiegelte sich, ähnlich der imposanten Hintergrundprojektionen an der Bühnenrückwand, in den strahlenden Augen der Mitwirkenden wider. Kirsten Benekam

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