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Gospelmusik versprüht Leidenschaft und Optimismus

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Der Gospelchor KaLIEDoskop beim Konzert in Seeon: Da passte einfach alles – Farben, Klänge, Stimmung und Bewegung. (Foto: Benekam)

Unter dem Motto »Sing to the Lord« fanden sich zur Freitagssoiree zahlreiche Besucher zu einem Gospelkonzert in der St. Walburg-Kiche des Kloster Seeon ein. Der 1994 gegründete Gospelchor KaLIEDoskop unter der Leitung von Andrea Wittmann hielt ein breites Spektrum zumeist bekannter Gospels und Spirituals für die Konzertbesucher bereit und präsentierte sich in Hochform.


Mit »Oh happy day« war ein hervorragender Anfang gemacht. Das mitreißende und sehr bekannte Gospellied, vom Chor temperamentvoll vorgetragen, stimmte die Zuhörer sichtbar fröhlich. Das folgende Gospel »Let me fly«, in gefühlvoll zarter Zurückhaltung gesungen, fügte sich in seiner Stimmung großartig in die dezenten Farben der im Manierismusstil gehaltenen Frauenkirche St. Walburg ein.

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»Hand in Hand« ließ die Zuhörer mitschnippen und schwingen und bei »He’ s got the whole world« waren die meisten, angeregt von Wittmanns sympathischer Animation, auch stimmlich mit von der Partie. Unter die wohlklingenden Stimmen des Chores mischten sich bei bester Akustik in der kunstvollen Kirche immer mehr Stimmen der Zuhörer. Angesteckt von der Singfreude des Chores und von den mitreißenden Rhythmen fiel es den Zuhörern gar nicht leicht sitzen zu bleiben, sodass die meisten Anwesenden von der Seele des Spirituals infiziert mitsangen und Teil des Konzerts wurden.

Die Trost und Hoffnung spendenden Gospels entstanden vor dem Jahr 1865 und spiegeln textlich und emotional das Leid der Sklaven Amerikas wieder. Der Wunsch nach Flucht und Befreiung, erklärt Wittmann vor den beiden folgenden Gospels, wird beispielsweise bei »Go down Moses« und »Ride the chariot« deutlich und dank dem hervorragend einfühlsamen gesanglichen Vortrag auch emotional fassbar. Da den Sklaven von ihren Unterdrückern das Trommeln und Tanzen verboten wurde, reduzierten sie ihren Bewegungsdrang auf ein den Rhythmus begleitendes Klatschen, Schnipsen und Füße-Stampfen, was wiederum nicht nur der Chor, sondern auch die Besucher leidenschaftlich praktizierten.

Liebe, tiefer Glaube zu Gott, Zusammenhalt und Aufbegehren waren der emotionale Stoff, der die Texte und Melodien der Gospels entstehen ließ. Manche sind aufputschend rockig-fetzig, andere wieder melancholisch-verträumt, alle sind sie tief leidenschaftlich und durchdrungen von hoffnungsfrohem Optimismus. »I’ve got peace like a river« und »Let my light shine bright« sind einige weitere Gospelsongs, welche der Chor in petto hatte und die von den Besuchern mit begeistertem Applaus belohnt wurden.

Gegen Konzertende überraschten die in weißem Gewand gekleideten Chorsänger mit vier Gospelkompositionen des Traunreuter Musikers und Komponisten Sebastian Pusch. Mit »I almost let go«, »In your arms«, »Breathe« und »Shout amen« bekam das Konzert eine besondere Note. Berührende Gesangssoli einer Chorsängerin, glänzende Virtuosität auf den Tasten des begleitenden Klaviers (Andrea Wittmann) und ein hörbar singbegeisterter und bestens geführter Chor ließen Puschs Kompositionen zu einem beseelenden Hörerlebnis werden. Ein gesungener irischer Segen »Irish blessing« rundete den Gospelabend ab und spendete – ganz im Sinne der Gospels und Spirituals – Kraft und Hoffnung. Wittmanns Idee Musik, Kunst und Geschichte an dazu passendem Ort zu verknüpfen trägt Früchte. Wissenswerte Historie über Kloster und Kirche nahmen die Besucher des restlos ausverkauften Konzerts ebenso interessiert auf wie kurze Erläuterungen zu den Songtexten sowie über die Geschichte der Sklaverei.

Nach zwei Zugaben und kräftigem Applaus traten die in jeder Hinsicht bereicherten Konzertbesucher den Nachhauseweg an. Kirsten Benekam