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Gelungene Premiere des Theaterstücks »Jägerstätter« im Trostberger Postsaal – Deutsche Erstaufführung

Gottes einsamster Mann

Ein packendes Schauspiel bot die deutsche Erstaufführung des Theaterstücks »Jägerstätter«, das der österreichische Autor Felix Mitterer als Auftragsarbeit für das Theater in der Wiener Josefstadt in Zusammenarbeit mit dem Theatersommer Haag in Niederösterreich verfasst hat. Inszeniert von Simon Meyer für die »Junge Buehne Trostberg«, konnte man jetzt im ausverkauften Trostberger Postsaal anhand von knapp 30 Szenen mitverfolgen, was den jungen Innviertler Bauern Franz Jägerstätter 1943 dazu bewegt hatte, aus Gewissensgründen den Wehrdienst zu verweigern und dafür mit seinem Leben zu bezahlen.

Begeisterten (von links) im Trostberger Postsaal: Putzi Ober als Mutter, Bettina Stadelmann als Ehefrau und Sepp Karmann als Franz Jägerstätter. (Foto: Heel)

Das Stück beginnt mit der Nachricht von seinem Tod, vorgelesen von seiner Frau Franziska (Bettina Stadelmann), die gleich darauf von Franz’ Mutter (Putzi Ober) beschuldigt wird: »Du hast ihn umgebracht!« Dass die angebliche »Betschwester«, die den einst so lebenslustigen Mann ins Unglück getrieben haben soll, im Verlauf der nun einsetzenden Rückblenden nicht hervortritt, fällt dabei kaum ins Gewicht.

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Denn das Bild, das Mitterer von Jägerstätter (Sepp Karmann) zeichnet, ist das Bild eines erstaunlich selbstständigen, kritischen Menschen, der sich sein eigenes Urteil bildet. Nachdenklich, belesen und fest im katholischen Glauben verwurzelt, erkennt er frühzeitig, welches Unglück die Nazis für Österreich bedeuten und stimmt so als Einziger in seinem Dorf gegen den »Anschluss« ans Reich.

Ein Querkopf also, aber weiß Gott kein Fanatiker. Das zeigt sich auch in den Szenen, die Jägerstätter als zwar eigensinnigen, aber durchaus lebensbejahenden Burschen herausstellen: Er rauft sich, zeugt ein uneheliches Kind und ist in seiner Gemeinde der erste Besitzer eines Motorrads, bevor er zum liebevollen Ehemann und treu sorgenden Vater dreier Mädels heranreift. Doch je mehr er dem Nazi-Regime die Stirn bietet, umso isolierter steht er da, werden ihm von der opportunistischen Dorfgemeinschaft inklusive Pfarrer Hochmut und Ungehorsam, aber auch Feigheit (vor dem Feind) vorgeworfen. Seine Frau hält zwar zu ihm, ihr Verständnis für seine Haltung bleibt jedoch begrenzt.

Nach der Pause, im zweiten Teil, erlebt man dann mit, wie Kirche, Wehrmacht und Justiz auf seine Weigerung, für das NS-Regime in den Krieg zu ziehen, reagieren. So unterstellt ihm der entrüstete Linzer Bischof (Simon Meyer), dass er von den Zeugen Jehovas beeinflusst sei, was Jägerstätter aber entschieden verneint. Durchaus Verständnis zeigt hingegen ein Oberst (Gottfried Putz), der Jägerstätter anbietet, in einer Sanitätseinheit seinen Dienst zu verrichten und darauf verweist, dass er und seine Männer mit den Nazis nichts zu schaffen hätten: »Wir sind hier bei der Wehrmacht« – »Aber ihr kämpft für die Nazis!«, erwidert Jägerstätter mit entwaffnender Logik.

Und auch sein Anwalt (Dany Wröbel) baut ihm goldene Brücken und merkt nebenbei so pragmatisch wie zynisch an, dass Männer wie Jägerstätter, denen der Tod nichts ausmachen würde, optimale Kämpfer abgeben würden.

Von Regisseur Simon Meyer zügig, einfallsreich und geschickt choreografiert in Szene gesetzt und von dem zwölfköpfigen Ensemble beeindruckend facettenreich gespielt, überzeugte das Stück somit auf allen Ebenen und führte uns auf ergreifende Weise das Schicksal eines Mannes vor Augen, der für seine Überzeugung in den Tod geht.

Wie schwer sich die katholische Kirche in Österreich nach dem Krieg mit Jägerstätter tat, erfuhren wir noch in einer Art Nachspann, bei dem auch die miese Haltung der österreichischen Regierung zur Sprache kam, die Franziska Jägerstätter eine Witwen- und Waisenrente verweigert hatte, weil ihr Mann nicht für ein freiheitliches und demokratisches Österreich gekämpft habe.

Eine Premiere also, die ein voller Erfolg war und vom berührten Publikum begeistert aufgenommen wurde. Weitere Aufführungen sind am Freitag und Samstag um 20 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es unter Telefon 08621/3181. Wolfgang Schweiger