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Mitreißendes Konzert des Chieminger Pianisten Thomas Hartmann im Traunreuter k1

Grandioser Mix aus Klassik, Jazz und Pop

Er war der »Bad Boy of Music«, der amerikanische Komponist und Pianist George Antheil (1900 bis 1959). Ein genialer Musiker, aber auch ein Verrückter, der bei seinen Auftritten immer einen Revolver bei sich hatte und notfalls die Saaldiener zwang, die Türen verschlossen zu halten, damit ihm das Publikum nicht davonlaufen konnte. So jedenfalls lautet die (von Antheil selbst verbreitete) Legende, die der Chieminger Pianist Thomas Hartmann jetzt bei seinem Auftritt im gut besuchten Studiotheater des Traunreuter k1 zum Besten gab.

Der Pianist Thomas Hartmann ist auch ein großer Fan von Bob Marley, weshalb er zum Auftakt seines Konzerts im k1 das Reggae-Stück »Jamming« spielte. (Foto: M. Heel)

Ein Druckmittel, das Hartmann bei seinem mitreißenden Konzert wahrlich nicht nötig hatte, auch wenn er Antheils »wildes Zeug«, genauer gesagt, die Stücke »Little Shimmy« und »Jazz Sonata«, mit Mut zur Attacke interpretierte. Ähnlich expressiv und dynamisch fiel auch der Rest seines gut zweistündigen Programms aus, eine Auswahl seiner Lieblingsstücke quer durch alle Genres. Glänzte er mit fast schon inbrünstiger Freude am Spielen, gepaart mit technischer Virtuosität, die ein tolles Gefühl für Improvisation und rhythmische Spannung offenbarte.

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Als großer Fan von Bob Marley, wie er bekannte, spielte er zum Auftakt das Reggae-Stück »Jamming«, dem er »Rumänische Volkstänze« von Béla Bartók folgen ließ, einem Komponisten, der sich auch als Musikethnologe verdient gemacht habe, wie Hartmann betonte. Mit »Alma de Mujer« (Die Seele der Frau) erwies er dann dem 1960 in Cádiz geborenen Jazzpianisten Chano Dominguez die Ehre, der zu den Begründern des Flamenco Jazz gehört, ehe er mit Maurice Ravels »Une barque sur l’océan« eines der impressionistischsten Stücke überhaupt (Hartmann) zur Aufführung brachte, gestaltet mit eindrucksvoller Leichtigkeit und bestechenden Klangbildern.

Einer seiner Lieblingsmusiker ist auch der amerikanische Jazz-Gitarrist Pat Metheny, von dem er »Antonia« spielte, und sehr zu schätzen weiß er auch den »Grenzgänger« Friedrich Gulda, der diese Art von Konzert, diesen furiosen Mix aus Klassik, Jazz und Pop, erst hoffähig gemacht hat. Das bewies er anschließend mit »Prelude and Fugue«, verknüpft mit einigen Anmerkungen zu Fuldas exzentrischem Auftreten (»nackt mit Blockflöte und Schlagzeugerin«).

Weitere Stücke, die Hartmann an diesem Abend noch präsentierte, stammten z. B. von Aram Chatchaturjan (»Toccata«), der Weltruhm erlangt hatte mit dem Ballett »Gayaneh«, das auch sein bekanntestes Werk beinhaltet, den »Säbeltanz«. Oder von Paul Hindemith (»Ragtime«), der zu diesem Stück gesagt hat: »Betrachte das Klavier als eine Art Schlagzeug und behandle es entsprechend«. Aber auch Hartmann selbst trat mit zwei Eigenkompositionen hervor, die einen Vergleich mit den großen Meistern nicht zu scheuen brauchten.

Kurzum, ein fabelhaftes Konzert mit einem ungemein sympathischen Musiker, der immer wieder den Kontakt zum Publikum suchte und so neben bester, anspruchvollster Unterhaltung auch für eine entspannte, fast schon familiäre Atmosphäre sorgte. Wolfgang Schweiger