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Feuerbeschau deckte Missstand auf – Grassauer Marktgemeinderat stimmte nachträglich eingereichtem Bauantrag zu

Grassau – Schwarzbauten nachträglich genehmigt

Bei einer Feuerbeschau in einem touristisch genutzten Betrieb im Ortsteil Brandstätt wurde festgestellt, dass große Teile des Anwesens ohne Genehmigung zu Fremdenzimmern und Ferienwohnungen umgebaut worden sind. Nach langer Diskussion und Kritik an der Vorgehensweise des Bauherrn genehmigte der Marktgemeinderat den nachträglich eingereichten Bauantrag. Sieben Räte votierten dagegen.

Foto: Symbolbild, pixabay

Wie Rathauschef Rudi Jantke erklärte, sind die Fremdenzimmer und Ferienwohnungen ohne Genehmigung betrieben worden. Im Hauptgebäude, der Blockhütte und dem Zuhäusl gebe es insgesamt fünf Gästezimmer und elf Ferienwohnungen. Ohne Genehmigung seien der Dachstuhl angehoben, eine Außentreppe installiert und Blockhütte wesentlich erweitert worden. Auch eine westseitige Doppelgarage errichtete der Besitzer ohne Genehmigung und versah den Technikraum des Zuhäusls mit einem nicht zulässigen Flachdach.

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Spiel-Heuboden geschlossen

Bei einem Ortstermin untersagten Mitarbeiter des Landratsamts sofort das vorhandene Matratzenlager, da ein zweiter Fluchtweg fehlte. Und auch den Spiel-Heuboden musste der Besitzer schließen, weil der erforderliche Brandschutz nicht vorhanden war. Das Landratsamt stellte ebenfalls fest, dass alle bestehenden Gebäude nicht den derzeitigen Baugenehmigungen entsprechen. Die Nutzung des Anwesens wäre weder formell noch materiell zulässig und sei rechtswidrig.

In seiner rechtlichen Bewertung erklärt das Landratsamt, dass im Rahmen der Ermessensausübung eine nachträgliche Genehmigung des Anwesens mit brandschutztechnischen Einrichtungen möglich sei.

Grundsätzlich, so Jantke, handle es sich um einen guten Fremdenverkehrsbetrieb, der die Zielgruppe Familien mit Kinder ansprechen. Das Vorgehen aber sei, so Jantke, »nicht die feine Art«. Auch Stefan Kattari (SPD) zeigte sich zwiegespalten. Er habe bei der nachträglichen Baugenehmigung »Bauchschmerzen«, zumal Brandschutztechnische Gefahren bestanden.

Daniela Ludwig (CSU) zeigte sich entrüstet und verwies auf das Branddrama in Schneizlreuth. Sie verstehe nicht, wie einfach ohne Bauantrag auf eigene Faust umgebaut und gebaut werden konnte, und befürchtete, dass dies Schule machen werden. Jantke resümierte, dass wohl jeder Gemeinderat nicht froh über die Situation sei. Ein wichtiger Punkt sei für ihn der Brandschutz, zumal es erst vor einem Jahr dort gebrannt habe. Dies hätte noch weit schlimmere Folgen haben können.

Jüngste Genehmigung aus dem Jahr 1993

Auf die Frage von Olaf Gruß (SPD), wann die letzte Genehmigung erfolgte, hieß es 1993. Laut Hans Hornberger (SPD) sei das monierte Flachdach lediglich ein flachgeneigtes Satteldach. Zudem seien die Anschuldigungen grundsätzlich nicht richtig, da am Gebäude nicht dazu gebaut wurde. Außerdem seien die Brandschutzauflagen jetzt höher als in den Jahren 1990 und 1995. Dem widersprach Jantke und erklärte, dass zum Beispiel die Blockhütte um das Dreifache größer sei.

Wenn dies ohne Konsequenzen durchgewunken werde, habe er ein Problem, bekundete Manfred Huber (AE). Dies, so Jantke, sei noch nicht geklärt. Bußgelder könnten folgen. Dr. Winfried Drost (UGL) erstaunte, dass diese Schwarzbauten niemanden aufgefallen seien. Das Anwesen sei ziemlich abgelegen von der Straße, informierte Jantke. Der Rathauschef erklärte zudem, dass mittlerweile der zweite Rettungsweg zum Matratzenlager eingebaut worden sei. Das Spiellager im Heulager ist weiterhin nicht nutzbar.

Als »dreist« bezeichnete Tom Hagl (CSU) das Vorgehen des Bauherrn. Werde die Baugenehmigung abgelehnt, schade man dem Betrieb, meinte Werner Haslinger (CSU). Schließlich einigte sich der Rat mit sieben Gegenstimmen, das Einvernehmen zum Bauantrag zu erteilen. tb