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Grassauer Blechbläser verzaubern den Herbst

Es gehört zur Tradition und zum guten Ton in Baumburg: das Grassauer Blechbläser-Ensemble unter Leitung von Wolfgang Diem präsentierte sich in der Baumburger Stiftskirche wieder mit einem fulminanten, musikalischen Feuerwerk von Klassik bis Moderne. Dabei standen zwei »Jubiläums-Geburtstagskinder« im Mittelpunkt: Richard Wagner und Giuseppe Verdi, die vor 200 Jahren geboren wurden.

Gastierte wieder in Baumburg: das Grassauer Blechbläser Ensemble, unter Leitung von Wolfgang Diem (vorne links außen). (Foto: sts)

Baumburgs Pfarrer Dr. Josef Franik konnte die zehn Musiker aus Grassau (Matthias Linke, Hans Kröll – Trompete und Piccolo, Rupert Schmidhuber, Peter Boschner – Trompete und Flügelhorn, Martin Rendl – Waldhorn, Wolfgang Diem, Thomas Höger, Tobias Spörlein – Tenorposaune, Johann Schmuck – Bassposaune und Peter Gassner – Tuba) bereits zum 28. Auftritt an Erntedank in der Stiftskirche begrüßen. Diesmal wurde das Konzert von Wolfgang Diem und Rupert Schmidhuber moderiert.

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Gleich zwei Jubilare der Musikgeschichte wurden dabei besonders geehrt: Giuseppe Verdi und Richard Wagner, die beide vor 200 Jahren geboren wurden. Wagners »Ankunft der Gäste auf der Wartburg« war denn gleich auch die »Ouvertüre« für dieses abendliche Konzert. Wie viele Stücke des Abends trug auch dieses die Handschrift von Matthias Linke, der es dem Ensemble musikalisch »auf den Leib, sprich die Instrumente« schneiderte. Kräftige Posaunen- und Trompetenfanfaren, gepaart mit der Baumburger Akustik, ließen die Zeit der festlichen Einzüge an königlichen Höfen lebendig werden. Ebenfalls von Linke arrangiert war das nächste Werk aus der Renaissance: Giovanni Gabrielis »Canzon primi toni«. Wenngleich hier Routine und Perfektion des Blechbläser-Ensembles einmal mehr zum Ausdruck kam, so bestätigten sie mit dem nächsten Stück noch ein weiteres Prädikat, das die zehn Musiker auszeichnet: neue Wege mit unglaublich viel Spielfreude begehen.

Michael Praetorius (1560 bis 1629) ist nicht nur für »Gotteslob-Klassiker« wie »Es ist ein Ros entsprungen« bekannt, sondern hatte auch Tänze komponiert. Einen solchen Satz (Terpischore) von fünf mittelalterlichen Tanz-Varianten (Bransle, Pavane, Courante, Bransle und Ballet) inszenierten sie nicht nur meisterhaft mit Trompeten, Posaunen, Tuba und Waldhorn, sondern ließen auch die passenden Percussion-Instrumente (Trommel und Tamburin) reihum gehen, sodass jeder der Herren auch in der rhythmischen Begleitung einmal zum Zug kam.

Eine echte Herausforderung sowohl für den Arrangeur Matthias Linke als auch für die zehn Musiker war die Umsetzung von Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur, BWV 552 »St. Anne«. Das eigentlich für Orgel geschaffene Werk erfordert bereits für einen Organisten 15 Minuten höchste Aufmerksamkeit. Das Ganze auf Blechblasinstrumente gemünzt, machte die Umsetzung nochmal anspruchsvoller. Dennoch passten auch hier Ansätze und Einsätze perfekt. Wolfgang Diem half hier etwas nach und kontrollierte das Stück ein wenig mit virtuellem Dirigentenstab. Die anschließende »Kleine«, eine g-moll-Fuge, ebenfalls von Bach, meisterte das Posaunenquartett wie aus dem »FF«, was das Publikum mit einem heftigen Applaus quittierte.

Eigentlich ist der zweite Jubilar des Abends, Giuseppe Verdi, eher bekannt für seine großen Opern wie »Nabucco« oder »La Traviata«. Aber auch hier wagten die Grassauer wieder etwas Neues (arrangiert hatte diesmal Hans Kröll) und setzten sein »Pater noster« (Vaterunser) in Trompeten- und Posaunenklänge um. Hätte Musik Farben, stünde auch diese Umsetzung des Ensembles da, wie ein Wald mit herbstlicher Stimmung: zig Nuancen und Facetten und doch ein stimmiges Gesamtbild.

Zu Ehren kam in Baumburg auch der langjährige musikalische Wegbegleiter der Grassauer, Jan Koetsier (1911 bis 2006). Er komponierte viele Stücke für das Blechbläser-Ensemble, mit denen sie bei internationalen Wettbewerben erfolgreich waren. Seine »Sonata da chiesa op. 146« vertrat den diesmal etwas kleiner gehaltenen »Ausflug in die Moderne«. Auch das ein Werk, das aufgelockert wurde mit Soli-Sequenzen, die jeden Musiker zur Geltung kommen ließen.

Nach einem festlichen Einzug durfte natürlich auch ein festlicher Abschluss nicht fehlen: Wie schon so oft in Baumburg war dies einmal mehr Georg Friedrich Händels »Ankunft der Königin von Saba«. Schluss war damit der konzertante Abend jedoch nicht wirklich: das Publikum »erklatschte« sich zwei Zugaben (darunter den Brass-Klassiker »Mr. Jums« von Chris Hazell). Ein ruhiger Schlusspunkt eines weiteren einmaligen Kirchenkonzerts (für Hans Kröll war es gleichzeitig das Abschiedskonzert), bei dem das Grassauer Blechbläser Ensemble einmal mehr seine Vielfältigkeit und Spielfreude auf sehr hohen musikalischen Niveau unter Beweis stellte. Stephan Schlaipfer