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Grooviger Blues in der Alten Saline

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»The Ramblers« sorgten in der Alten Saline nicht nur für gute Musik, sondern auch für einen unterhaltsamen Abend. (Foto: Kewitsch)

Gemeinhin ist er als »dreckig« bekannt, auch »Traurigkeit« wird ihm unterstellt, manchmal ist er eher derb als sanft und zumeist geht er unter die Haut: der Blues. Wenn es einer Band dann noch gelingt, ihn »grooven« zu lassen, dann ist der Mix perfekt. Genau das schafften die »Ramblers« in der Alten Saline Bad Reichenhall.


Für »The Ramblers« ist der Blues weit mehr als bloß ein Musikstil. Die vier Herren scheinen ihn zu einem Stück Lebensgefühl gemacht zu haben und ließen dies ihre Zuhörer spüren. Es dauert nur wenige Noten, da kam das Magazin4 auf Touren.

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Alle vier »Rambler« sind leidenschaftliche Musiker und absolute Könner: Reinhard Soll (Leadguitar und Vocals) stammt aus dem Rheinland und entdeckte schon in jungen Jahren die E-Gitarre für sich. Seine tiefe, rauchige Stimme passt perfekt zum Blues. Hubert Hofherr, gebürtiger Niederbayer und ein Mega-Ausnahmetalent an der Bluesharp, war bereits mit Albert C. Humphrey zu Gast im Magazin4 und entlockte seinem zierlichen Instrument schier unfassbare Töne und Melodien – sagenhaft.

Rhythmusgitarrist Mario Spelthan wusste sich auch als Sänger gut einzuordnen. Der charismatische Holländer liebt vor allem den Delta- und Countryblues und ist seit den 1980er Jahren mit verschiedenen Formationen auf Tour, seine eingestreuten Anekdoten lockerten das feine Konzert angenehm auf.

Der Münchner Noah Psunkewicz ist rein zufällig zum Cajon gekommen – eigentlich war er ein gefragter Rhythmusgitarrist in allerlei Bands. Doch inzwischen ist er ein Profi an der »Groovebox« und übernimmt dazu auch den Part der »Hintergrundmusik« – er überzeugte durch seinen feinen aber unaufgeregten Beat.

»Bring it on home« als Einstieg zeigte gleich, wo es lang ging. »Groove« war das Ziel, spätestens beim legendären »The little thing, that makes you rich« von Ry Cooder in einer etwas verlangsamten Version, aber einfach prädestiniert, um die Augen zu schließen und den »Blues zu fühlen«.

(Seltene) Nummern von den Stones gab es ebenso, im zweiten Set dann den stampfenden »Cadillac Walk« und später den »Mystery Train«. Die Jungs hatten Spaß, waren sich nicht zu schade, sich auch selbst ein wenig auf den Arm zu nehmen. Als der Niederländer Mario ankündigte, nicht mehr weiterzuspielen, falls beim kommenden Refrain niemand mitsingt, beruhigte Hubert Hofherr das Publikum prompt mit den Worten »kein Problem, dann spielen wir zu dritt weiter«.

Alles in allem ein sehr rundes, »dreckig« sauberes Konzert mit Tiefgang, bester Stimmung und ordentlichem Groove. Udo Kewitsch