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Große Österreicher der Romantik

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Begeisterten Schlussapplaus gab es für das Orchester und Dirigent Christian Simonis (mit Blumen) nach dem philharmonischen Konzert in Bad Reichenhall. (Foto: Aumiller)

In der musikalischen Länderzuordnung der philharmonischen Konzerte war das fünfte und vorletzte Konzert dieser Saison nach Russland, Norwegen, Deutschland und Italien in Österreich gelandet. Franz Schubert und Anton Bruckner haben in ihrem Schaffen Meilensteine in der Sinfonik des 19. Jahrhunderts gesetzt. Bei aller universellen Gültigkeit ihrer Tonkunst charakterisiert ihre musikalische Sprache Spezifisches der österreichischen Romantik. Das ist es auch, was die beiden so unterschiedlichen Tonschöpfer verbindet, obwohl sie verschiedener Generation angehörten. Die unterschwellige Melancholie, die Einschübe volksmusikalischer Schlichtheit und die in kompakte Instrumentation gebetteten melodischen Bögen sind beiden gemeinsam.


Christian Simonis bereitete mit der kräftig aufgestockten Orchesterbesetzung der Bad Reichenhaller Philharmonie den Zuhörern im Theater im Kurgastzentrum ein denkwürdiges Konzerterlebnis. Mit sparsamer Gestik und konzentrierter Präsenz inspirierte er die philharmonischen Musiker zu beeindruckender Leistung in trefflichem Gesamtklang, durchsetzt mit schillernden Soli. Die philharmonischen Musiker brachten, inmitten der Vielfalt ihrer unterhaltsamen Kurmusikaufgaben, anspruchsvolle sinfonische Werke exzellent und nachhaltig beeindruckend zum Klingen.

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Schuberts Sinfonie h-Moll D 759 ist mit nur zwei Sätzen die sogenannte »Unvollendete«. Zu ihrer Entstehungsgeschichte ist nichts überliefert. Sie blieb unbeachtet und wurde erst 37 Jahre nach Schuberts Tod, 43 Jahre nach ihrer Niederschrift, zufällig von Schuberts Freund Anselm Hüttenbrenner gefunden. Seitdem ist sie bis heute Schuberts meist aufgeführtes und bekanntestes Werk. Kein Zuhörer wird sich dem tiefen Eindruck dieser beiden sinfonischen Sätze entziehen können, die Schubert in ihrer Melancholie und geheimnisvoll abgründigen Emotion als vollendete Stimmungsbilder hinterließ.

Der leise, dunkel murmelnde Einsatz der Reichenhaller Celli und Bässe und die in Folge zart raunenden Violinen nahmen sogleich die Aufmerksamkeit der Zuhörer gefangen. Klarinette und Oboe brachten den lichten Glanz des Hauptthemas zum Schwingen, gefolgt von den Celli, die einen großen melodischen Bogen entwickelten.

Es war zu spüren, dass sich die Cellisten selbst an dieser Melodik erfreuten und sie genussvoll zum tonschönen Erlebnis formten. Dann ein jäher Wechsel, ein schmerzlich akzentuierter voller Orchesterschlag, der Abgründe streifte. Das Dunkle, Wehmütige blieb fortan die vorherrschende Stimmung, der die Posaunen plötzlich etwas Bedrohliches beimischten.

Idyllischer ließ sich der zweite Satz in der Tempobezeichnung Andante con moto an, ein besänftigtes Gehen, das die Hörner und Fagotte im Verein mit den Pizzicati der Bässe beruhigend einbrachten. Dennoch forderte der Zusatz »con moto« eine vibrierende Spannung in der unterschwelligen Bewegung. Die Holzbläser lösten sich ab in der Melodieführung. Die Themen schwollen nochmals steigernd an, bevor mit Zauberkraft der Klang verklärend entschwebte.

Für die Sinfonie Nr. 3 d-Moll hat Anton Bruckner drei Fassungen geschaffen, was besagt, dass er sich in längeren Arbeitsprozessen damit beschäftigt und damit keine eindeutig vollendete Version vorgelegt hat. Christian Simonis’ Wahl fiel auf die zweite Fassung von 1877, die Richard Wagner gewidmet ist. Bruckner hatte Wagner die ersten beiden Fassungen zur Wahl vorgelegt und der von ihm hochverehrte Meister nahm die Widmung für die zweite Fassung an. Geheimnisvoll auch hier der Beginn mit den leise tremolierenden Streichern, die sogleich das Horn überglänzte und das Hauptthema anführte, gefolgt von den Holzbläsern.

Alle Instrumentengruppen brachten sich in dynamischer Vielfalt ein: Die Blechbläser trumpften auf und die Violinen sangen im Pianissimo oder im vollen Einsatz, während die Bratschen melodiös auf sich aufmerksam machten. Immer wieder kam das Horn solistisch zu markant rufendem Wort. Klarinette, Oboe und Flöte tanzten lichten Reigen und fädelten sich wieder ein in den imposanten Chor aller Bläser, bevor sich daraus die Trompeten als gewichtige Vorreiter meldeten.

Die Celli und Bässe waren für die dunklen Farben zuständig, teils melodisch zart, teils in düsterer Schwermut, während sich die Violinen für elegant bis intensiv ausgeführte Kantilenen stark machten. Die breite rhythmische und dynamische Vielfalt, vom filigran schwebenden Tongespinst zum machtvollen Tutti-Auftrumpfen mit pochenden Paukenwirbeln, wurde in charakterisierender Harmonik spannend aufgemischt. Strahlend und kraftvoll klang das Werk aus. Elisabeth Aumiller