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Große Lothar-Show für den UN-Sicherheitsrat

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Lothar Matthäus
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Lothar Matthäus beim Kicken in New York. Foto: Christina Horsten Foto: dpa

Rund eine Woche vor der Sicherheitsratswahl und zwei Wochen vor der WM hat Deutschland zum Fußballturnier bei den UN geladen. Frühere Bundesliga-Stars spielen mit UN-Diplomaten. Kicken für den Sicherheitsrat? «Freilich», sagt Lothar Matthäus. «Das funktioniert.»


New York (dpa) - Eigentlich hätte die Diskussionsrunde längst anfangen sollen, aber Lothar Matthäus muss noch Fotos machen. Jeder will ein Bild mit dem Weltmeister von 1990 - UN-Botschafter, Diplomaten, Kinder.

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«Sie sind sehr populär», sagt ein bulgarischer Diplomat und nickt anerkennend mit dem Kopf, bevor auch er ein Selfie mit Matthäus knipst. Dann können seine Begleiter den Ex-Fußballer losreißen, und dieser erzählt bei der Diskussionsrunde in einem Zelt vor dem UN-Hauptquartier mit seinem unverkennbaren fränkischen Akzent im Englischen wie er schon als kleiner Junge immer nur seinen Bruder im Fußball schlagen wollte, wie Fußball bis heute seine Leidenschaft ist und dass er natürlich bald nach Russland zur Weltmeisterschaft fährt, um dort als TV-Kommentator zu arbeiten. Sein Weltmeister-Tipp: Brasilien - was den Brasilianer Paulo Sergio, der einst in der Bundesliga für Bayern München gekickt hat und jetzt im Publikum auf einer Bierbank sitzt, zu einem Freudenschrei veranlasst.

Aber dann liegt die Wahrheit natürlich doch auf dem Platz. Vier Teams treten bei dem Mini-Turnier auf einer Wiese vor dem UN-Hautgebäude in Manhattan gegeneinander an, bestehend aus früheren Bundesliga-Stars wie Matthäus, Sergio, Jörg Albertz, Wynton Rufer und Pavel Pardo sowie UN-Botschaftern. Team Europa, Team Afrika, Team Lateinamerika und Team Asien. Vier Spiele auf einem Kleinfeld, jeweils 15 Minuten, Unparteiische ist die Deutsche Bibiana Steinhaus.

Organisiert hat das Ganze die Deutsche Fußball Liga, die kurz vor der WM noch einmal für den Fußball allgemein werben will, und die deutsche UN-Vertretung, die vor der Sicherheitsratswahl am kommenden Freitag noch einmal für die deutsche Kandidatur werben will.

«Fußball verbindet Menschen aus der ganzen Welt - unabhängig von Herkunft und Nationalität», sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und wünschte der deutschen UN-Vertretung «weiterhin viel Erfolg bei ihrer wichtigen Aufgabe und eine erfolgreiche Wahl in den UN-Sicherheitsrat.» Aber Kicken für den Sicherheitsrat? «Freilich», sagt Matthäus. «Das funktioniert, das wird so sein.»

Deutschland habe sich in den vergangenen Jahren großen Respekt in der Welt erarbeitet, «deswegen ist es auch wichtig, dass ein Deutscher in so einem Gremium vertreten ist». Dann will der Ex-Profikicker aber bei dem Thema doch lieber nicht weiter in die Tiefe gehen. Gut, dass gerade CNN vorbeikommt und eine kurze Analyse zur WM haben will.

Anpfiff. Das erste Spiel gewinnt Team Europa mit Matthäus, dem deutschen UN-Botschafter Christoph Heusgen und mehreren anderen UN-Diplomaten, die sich dafür teils kurz aus dem Sicherheitsrat herausgestohlen haben, gegen Team Asien 7:5. «Man war schon nervös», sagt UN-Botschafter Heusgen, der in der zweiten Halbzeit als Torwart zum Einsatz kam. «Wenn Wynton Rufer vor einem auftaucht, also da schlackert es einem schon ganz schön in der Hose, das war nicht einfach.» Matthäus unterbricht. «Bei Wynton Rufer hat aber auch irgendwas geflattert, er hatte viele Chancen, aber wenn ein Torwart mit seiner Ausstrahlung im Tor steht», Matthäus grinst und zeigt auf Heusgen, «dann wird es auch für einen Stürmer schwer.»

Es sei ein besonderes Turnier für ihn, sagt Matthäus weiter. «Fußballstadien kenne ich, aber vor dem UN-Haus habe ich noch nie gespielt.» Die fußballerische Qualität stehe da nicht im Vordergrund. «Ich glaube, hier soll man nicht zeigen, was man noch drauf hat, sondern soll ein bisschen das Publikum unterhalten, soll seine Mitspieler in Szene setzen und auch ein bisschen Spaß haben.»

Dann muss Matthäus wieder Fotos machen - mit einer deutschen Schulklasse aus Brooklyn. «Wer hier ist Bayern-Fan? Hände hoch!» Der frühere US-Botschafter in Berlin und jetzige Gouverneur von New Jersey, Phil Murphy, begrüßt Matthäus per Handschlag. «Wir kennen uns doch noch aus Berlin, schön dich zu sehen», sagt er. «Super in Form, wie immer. Bist du verheiratet dieser Tage?»

Den Sieg verpassen Matthäus, Heusgen und ihr Team Europa knapp. Team Afrika gewinnt im Finale im Elfmeterschießen. Mit lauten «Waka Waka»-Gesängen hat eine Diplomatin aus Liberia ihr Team das ganze Spiel über angefeuert und macht danach, während eine deutsche Militärband «We are the Champions» spielt, ein Selfie mit Matthäus und Sergio. «Das schicke ich gleich meinem Präsidenten.»

Keine Gelbe oder Rote Karte musste Schiedsrichterin Steinhaus zücken. «Ich hatte die Karten dabei. Moment, ich zeig sie Ihnen. Aber ich glaube, die Vereinten Nationen waren sich noch nie so nah wie heute.»