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Zwei Hubschrauber-Rettungen am Grat – Mehrere Vermisste am Südspitz-Abstieg – Arbeitsunfall auf Jennerbahn-Baustelle

Großkampf-Wochenende am Watzmann

Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften und teilweise zwei Hubschraubern kam die Bergwacht Ramsau am Wochenende Bergsteigern zu Hilfe, die am Watzmann in Schwierigkeiten geraten waren. (Foto: Bergwacht Ramsau)

Ramsau/Schönau a. K. – Vor allem die Bergwacht Ramsau war am Wochenende mit insgesamt acht zum Teil sehr aufwendigen Einsätzen rund um den Watzmann gefordert.


Dort herrscht aktuell Hochsaison mit täglich hunderten Bergsteigern. Darüber hinaus waren die Berchtesgadener Bergretter wegen einer schweren Schulterverletzung am Röthsteig, bei einem Arbeitsunfall am Jenner-Mitterkaser und bei einem Krankentransport von der Gotzenalm unterwegs.

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Am Freitagabend gegen 19.30 Uhr meldete sich ein besorgter Mann am Watzmann-Südspitzabstieg über Notruf. Vier Mitglieder seiner Gruppe waren aufgrund der Hitze sehr erschöpft und zurückgeblieben und kamen nur noch sehr langsam voran. Die Bergwacht Ramsau fuhr per Fahrzeug ins Wimbachgries, stieg zu Fuß auf, konnte nach kurzer Zeit bereits die Stirnlampen sehen und erreichte die Zurückgebliebenen nach wenigen Minuten. Die Einsatzkräfte brachten die Erschöpften teils seilgesichert ins Gries und dann zur Wimbachgries-Hütte.

Darüber hinaus waren die Ramsauer Bergretter am Freitag und Samstag noch mit drei weiteren Vermissten-Meldungen am Südspitz-Abstieg gefordert, wobei Bergsteiger abgängig und für besorgte Angehörige ohne Rückmeldung nicht mehr erreichbar waren, aber alle irgendwann sehr verspätet wieder auftauchten. Die Gruppen waren frühmorgens aufgebrochen und trotzdem erst sehr spät am Abend noch im Abstieg durchs Gries. Die Ehrenamtlichen mussten sehr aufwendig abklären, was passiert war, zur Grieshütte fahren, die während des Gewitters am Samstagabend wegen des ausgeschalteten Telefons nicht mehr erreichbar war, den Weg wegen umgestürzter Bäume freischneiden, im Gries absteigende Bergsteiger befragen und die Parkplätze absuchen. »Es wurde uns definitiv nicht langweilig und wir waren bis tief in die Nacht beschäftigt, vor allem weil wir auch noch unser Richtfest fürs Bauvorhaben zur Erweiterung der Rettungswache hatten«, berichtete Bereitschaftsleiter Rudi Fendt.

Am Samstag kurz nach 8.30 Uhr verletzte sich ein 47-jähriger Arbeiter an der Mittelstation der Jennerbahn schwer, wobei es zu einer Finger-Teilamputation kam. Die Berchtesgadener Bergretter und der Landrettungsdienst des Roten Kreuzes versorgten den Mann notärztlich und brachten ihn dann in die Kreisklinik Bad Reichenhall.

Am Samstag gegen 12.30 Uhr wurde eine 30-jährige Bergsteigerin mit Bänderverletzung am Watzmanngrat zwischen Hocheck und Mittelspitze gemeldet. Der Traunsteiner Rettungshubschrauber »Christoph 14« und die Bergwacht Ramsau konnten die Einsatzstelle kurz nach dem Hocheck rasch finden, die Frau aus dem Landkreis Rosenheim per Tau zum Zwischenlandeplatz und dann nach Ramsau ausfliegen; von dort aus ging's per Rettungswagen in die Kreisklinik Bad Reichenhall.

Am Samstag gegen 15.45 Uhr ging ein Notruf wegen eines Patienten mit schwerer Schulterverletzung am Röthsteig zwischen Wasser- und Fischunkelalm ein. Die Berchtesgadener Bergretter und »Christoph 14« versorgten den Patienten, flogen ihn per Tau aus und dann zur Kreisklinik Bad Reichenhall.

Um kurz nach 18 Uhr erreichte die Rettungsleitstelle ein Notruf wegen eines Verstiegenen unterhalb des Falzsteigs zwischen Kühroint und Watzmannhaus ein. Zwei Ramsauer Bergwachtmänner rückten per Motorrad aus, begaben sich auf die Suche und konnten den Unverletzten unterhalb des Falzsteigs finden und nach Kühroint zurückbringen.

Am Sonntag kurz nach 9.30 Uhr mussten die Berchtesgadener Bergretter zur Gotzenalm ausrücken und einen Patienten mit Fußverletzung per Geländewagen abholen.

Am Watzmanngrat war die Bergwacht dann erneut am Sonntag gefordert. Gegen 11 Uhr ging ein Notruf ein, da ein erschöpfter und internistisch erkrankter 55-jähriger Bergsteiger aus Oberfranken zwischen Mittel- und Südspitze nicht mehr weiterkam. Fast zeitgleich, gegen 11.10 Uhr, wurde dann eine 51-jährige Frau an der Watzmann-Mitterkaseralm gemeldet, die sich an beiden Sprunggelenken verletzt hatte und festsaß. »Christoph 14« konnte an der Einsatzstelle landen, die Frau aus Unterfranken versorgen und nach Ramsau fliegen; von dort ging's per Rettungswagen in die Kreisklinik Berchtesgaden.

Direkt im Anschluss flog der Pilot zum Watzmanngrat weiter, konnte die eigentliche Einsatzstelle aber wegen des starken und unberechenbaren Winds nicht direkt erreichen. Er setzte am Südspitz-Abstieg zunächst einen und später zwei weitere Bergretter ab, darunter auch den Hubschrauber-Notarzt, die zu Fuß zur Südspitze und dann über den Grat zum Patienten aufstiegen. »Christoph 14« wartete in der Zwischenzeit im Tal und am Goldbründl-Landeplatz auf eine windstille Phase und forderte einen leistungsstärkeren Transporthubschrauber der Bundespolizei mit Rettungswinde nach. Die Besatzung des Polizeihubschraubers nahm zunächst den Patienten und einen Retter per Winde auf, die bereits im Abstieg Richtung Wimbachgries waren, und brachte sie zum Zwischenlandeplatz, wo sie »Christoph 14« übernahm und nach Ramsau flog. Danach holte der Polizeihubschrauber noch die beiden verbliebenen Bergretter per Winde ab. Im Tal angekommen, ging's für den Patienten per Rettungswagen weiter zur Kreisklinik Berchtesgaden.

Die Reichenhaller Bergwacht war mehrmals mit ihrem Kerosin-Anhänger im Einsatz, um die Hubschrauber wieder aufzutanken und den Piloten zeitraubende Umwege zum Salzburger Flughafen zu ersparen. ml/rf