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Gründungsgedanke der Sparkasse: das Armutsproblem lösen

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Dr. Ulrich Netzer (l.), Präsident des Sparkassenverbandes Bayern, und Landrat Georg Grabner (hinten) bedankten sich bei Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger für seine Festrede. (Fotos: Berwanger)
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Grund zur Freude von Helmut Grundner (r.) und Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger war dessen kurzweiliger Vortrag zur Geschichte der Sparkasse Berchtesgadener Land.

Schönau am Königssee – Im passenden Rahmen hat die Sparkasse Berchtesgadener Land am Freitagabend ihr 175-jähriges Jubiläum gefeiert. In der historischen Gaststätte »St. Bartholomä« am Königssee ließen sich die rund 100 geladenen Gäste fast fünf Stunden ein von Festrede und Grußworten gewürztes Mehrgangmenü schmecken. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Sparkasse, so die Redner dieses feierlichen Abends, zeigten, dass die Sparkasse immer dort sei, wo die Kunden sie bräuchten: in der Region und bei den Menschen.


Lokalkolorit und Heimatgefühl vermittelten zum Auftakt der Feier schon die Mitarbeiter der Bayerischen Seenschifffahrt. Die beiden Boote mit der Gästeschar der Sparkasse kamen bei der Fahrt über den Königssee selbstverständlich auch wie sonst die Touristen in den Genuss des Echos: einmal in der Dämmerung und ein zweites Mal gegen Mitternacht, als die Klausbach-Musi ihre Töne über das stille Wasser des Sees und die Steilwände der Berge tanzen und zurückkommen ließ. Die Musikanten umrahmten auch die Feier im Wirtshaus gekonnt und sorgten so für anhaltend gute Laune im großen Saal der historischen Gaststätte. Dieser war bis zum letzten Platz besetzt mit den Festgästen aus Kommunalpolitik und Wirtschaft, Verwaltungsrat und Verbandsversammlung sowie mit Sparkassenmitarbeitern aus der Führungsebene und Vertretern der Verbundpartner.

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365 Mitarbeiter in 19 Filialen

»Eine Entwicklung, wie sie die Sparkasse Berchtesgadener Land in ihren 175 Jahren fand, ist nur möglich mit Mitarbeitern, die sich für das Unternehmen engagieren, die ihr Können ständig erweitern, die ihre Erfahrung dem Unternehmen zur Verfügung stellen, die aber auch die Gewissheit haben, dass sie in ihrem Unternehmen einen verlässlichen und fairen Partner haben«, betonte Direktor Helmut Grundner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Berchtesgadener Land, in seiner Begrüßung. Von Vorteil sei die überschaubare Größe der Sparkasse Berchtesgadener Land mit ihren 365 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 19 Filialen.

Einen Überblick über »55 laufende Archivmeter in München« musste sich hingegen seit Jahresbeginn Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger erst verschaffen. In seiner Festrede schaute er auf »175 Jahre Zukunft« der Sparkasse Berchtesgadener Land. Es gelte, »der Vergangenheit eine Zukunft zu geben und der Zukunft eine Vergangenheit«, sagte Schöbinger in seinem flammenden Plädoyer für die Idee hinter der Sparkasse. »Das Armutsproblem sollte gelöst werden«, so der Kreisheimatpfleger, als er von der festen Überzeugung des Landrichters Freiherr von Hertling berichtete, dass die Errichtung einer Sparkasse eines der dringendsten Bedürfnisse Berchtesgadens sei.

Die Distrikt-Sparkasse neben der Stiftskirche

Am 14. Juni 1840, einem Sonntag, hätten die zwölf Bürgermeister des Landgerichtsbezirks Berchtesgaden nach dem Gottesdienst dem Vorschlag des Landrichters zur Gründung einer Distrikt-Sparkasse zugestimmt. Die Sparkasse habe »von Anfang an eine öffentlich-rechtliche Bindung« gehabt. In das Sparkassenlokal gegenüber der Berchtesgadener Stiftskirche durften sonntags zwischen 10 und 12 Uhr nur arme Leute mit wenig Lohn ihre wenigen Gulden und Kreuzer einlegen, um ein wenig sparen zu können.

Bis dann die nächsten Sparkassen in Laufen und Reichenhall ihre Pforten öffnen konnten, gingen noch einige Jahre ins Land, berichtete Johannes Schöbinger in seinem kurzweiligen, detailreichen Vortrag. Er sorgte beim Publikum auch für große Erheiterung, als er berichtete, dass die Sparkassenmitarbeiter am Sonntag ehrenamtlich arbeiteten.

»Von Anfang an ist die Sparkasse auch mit Gemeinnützigkeit verbunden«, sagte der Kreisheimatpfleger wenig später. So habe sie Fonds für Brücken- oder Krankenhausbau, Schulsuppen oder beim Brandeinsatz geschädigte Pferde geschaffen. Mit dem Bahnbau sei dann der Tourismus ins Berchtesgadener Land gekommen und habe Wohlstand gebracht. Wer sein Geld zum Sparen auf die Sparkasse brachte, habe schon damals darauf vertrauen können: »Das Geld, das uns anvertraut wird, bleibt im Lande«, so Schöbinger.

Er führte die Festgäste in seiner mit kleinen Anekdoten gespickten Rede kurzweilig durch die Geschichte der Sparkasse, vom Anfang bis in die heutigen Tage. »Dem Vorstand ist es gelungen, auf Bewährtem aufzubauen«, lobte der Kreisheimatpfleger. Nicht, ohne zu betonen: »Heimat ist da, wo die Sparkasse ist.«

Vor Ort bleiben

Dies sei »eigentlich eine Marketingrede für die Sparkassenidee« gewesen, bedankte sich Dr. Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbandes Bayern, bei seinem Vorredner. Trotz des großen technischen Fortschritts und virtueller Kommunikation werde die Sparkasse vor Ort bleiben und ihrer 175 Jahre gelebten Idee treu bleiben: »Menschen verstehen, Zukunft denken und Sicherheit geben.«

Dies unterstrich nach einem kurzen, launigen Grußwort von Landrat Georg Grabner auch Helmut Grundner in seinem Schlusswort. Der Vorstandsvorsitzende versprach, was die Sparkasse nicht verändern werde, »ist unser regionales Geschäftsmodell«. Gerade im ländlichen Raum sei es wichtig, die Vielfältigkeit der Strukturen und Gewerbebetriebe zu bewahren. »Denn diese Vielfalt ist ein wesentlicher Punkt der Lebensqualität bei uns im Berchtesgadener Land«, so Grundner. Bevor er die Festgäste zu ihrer nächtlichen Heimfahrt über den Königssee entließ, versicherte er ihnen, dass er und seine Vorstandskollegen Alexander Gehrig und Christian Maltan gemeinsam mit allen Mitarbeitern alles tun werden, um die »alte, junge Dame Sparkasse« fit zu halten. Ina Berwanger