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Grüne fordern Glyphosat-freien Landkreis Traunstein

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In vielen Städten und Gemeinden der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land brennt derzeit eine hitzige Diskussion um Glyphosat-Verbote. (Foto: Symbolbild/dpa)

Inzell – »Es gab eine Landwirtschaft vor Glyphosat«, stellte Marianne Penn lakonisch fest. »Und es gibt sie immer noch im Ökolandbau«, fügte Gisela Sengl hinzu. Die Kreistagsfraktion der Grünen war sich im Forsthaus Adlgaß einig: Glyphosat muss schnellstmöglich weg. In ihrer Klausurtagung aber machten die Vertreter der Ökopartei auch deutlich, dass es um den Pestizideinsatz und die industrialisierte Landwirtschaft insgesamt gehe, und um mögliche Alternativen. Die Traunsteiner Grünen wollen es ihren Nachbarn im Landkreis Berchtesgadener Land gleichtun und fordern als ersten Schritt einen Glyphosat-freien Landkreis Traunstein.


40 Prozent der bundesdeutschen Ackerflächen würden mit dem Unkrautvernichter Glyphosat behandelt, berichtete Kreisrätin und Landtagsabgeordnete Gisela Sengl. »Das Mittel ist billig und es bedeutet weniger Aufwand als mechanische Bearbeitung.« Sengl aber hat keinen Zweifel: »Die Bevölkerung will das nicht mehr.« Dennoch habe Agrarminister Christian Schmidt in Brüssel für eine weitere fünfjährige Zulassung gestimmt. Dr. Michael Hüller plädierte für einen sofortigen Kreistagsantrag und regte einen entsprechenden Beschluss in der Fraktionsklausur an. Der erfolgte dann auch einstimmig.

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»So wie es ist, kann es nicht bleiben«, pflichtete Bergens Bürgermeister Stefan Schneider bei. Der Klausur-Gast berichtete von Regionen in Franken, die sich bereits von Glyphosat verabschiedet hätten, mit der Folge, dass sich binnen zwei, drei Jahren wieder eine Insektenvielfalt eingefunden habe. »Grundbesitz verpflichtet«, betonte Penn, die eine Lösung »ohne Schlupflöcher« erwartet.

Eine Lösung sieht Gisela Sengl im Ökolandbau. Mit einem Anteil von 11,8 beziehungsweise 11,5 Prozent an Ökobetrieben lägen die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land bereits deutlich über dem bayernweiten Schnitt von 7 Prozent. »Das liegt auch an Piding«, lobte die agrarpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen die heimische Molkerei, denn man brauche dafür die entsprechenden Verarbeiter. In der Ökomodellregion erkennt Sengl einen weiteren »guten Weg«.

»Die Leute sind weiter, als wir meinen«, sagte Bürgermeister Schneider, »unsere Biobetriebe entwickeln sich extrem.« Allerdings bedauert das Gemeindeoberhaupt den Rückgang der bäuerlichen Betriebe: »Die Kleinen geben alle auf.« Eine Alternative zum umstrittenen Maisanbau sieht die Kreistagsfraktion in der Durchwachsene Silphie, einer Dauerstaude, die im Folgejahr wieder von selbst austreibt. Der Nachtteil: Ihr Ertrag liegt im Vergleich zum Mais bei nur etwa 80 Prozent. »Das muss kein Nachteil sein«, stellte Biobauer Franz Obermeyer fest, denn mit der neuen Düngeverordnung sei der Stickstoffeintrag auf 170 Kilogramm pro Hektar begrenzt, ein Minderertrag würde daher eher zu einer Lösung beitragen. Auf 130 bis 140 Euro je Hektar taxiert der Biobauer die Kosten der Aussaat, die der Landkreis als Anschub finanziert. Sepp Hohlweger weiß von bislang 17 Landwirten im Programm. Der Kreisrat bezifferte die Standzeit der Pflanze auf 20 Jahre, während Obermeyer von einer zehnjährigen Nutzung ohne umzugraben sprach. »Eine Nutzung mit deutlich größerer Artenvielfalt.«

»Auch die Silphie ist eine Monokultur«, warnte Sengl vor neuer Einseitigkeit und warb für weitere Alternativen, deren Minderertrag durch eine Förderung ausgeglichen werden könnte. Im Umstieg sieht Sebastian Heller einen »wichtigen Etappenschritt«, Klausur-Moderator Hans Kern zumindest »einen Fortschritt gegen den Mais.« »Und eine Supersache für den Schutz des Waginger Sees«, schloss Gisela Sengl dieses Klausur-Thema. höf