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Grüne Tafeln und kunstvoll geschmiedete Ausleger

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Dieser kunstvoll geschmiedete Ausleger ziert die MarktApotheke in Teisendorf. (Fotos: Konnert)
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Auf grünen Tafeln ist zu lesen, was früher in den jeweiligen Gebäuden untergebracht war.

Teisendorf – Bei einem Spaziergang durch die Marktstraße Teisendorf fallen dem aufmerksamen Betrachter an einigen älteren Gebäuden grüne Tafeln auf. In weißer Schrift sind darauf Informationen zur früheren Gebäudebezeichnung und Gebäudenutzung, zum Baujahr und den Jahren wichtiger baulicher Veränderungen aufgetragen – und machen so die interessante Geschichte dieser denkmalgeschützten oder schützenswerten Bauten lebendig. Außerdem erstrahlt ein kunstvoll geschmiedeter Ausleger in neuem Glanz.


An einem Gebäude, in dem heute der »Eine-Welt-Laden« untergebracht ist, kann man lesen, dass dies von 1606 ein »Pfarrhaus- und Mesnerhaus« war, danach bis 1966 ein Schulhaus. Die Tafel an dem Gebäude des Poststalls informiert, dass dort die »ehem. Pferdehaltung für d. bayr. Postdienst« untergebracht war und dass »1865 nach Brand der Neubau« und »1964 der Umbau zum Festsaal« erfolgte.

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Die Pfarrkirche St. Andreas, so ist auf der neben der Kirchentür angebrachten Tafel zu lesen, wurde 1437 erbaut, 1682 erfolgte die barocke Erweiterung, 1737 der Turmneubau, 1815 wurde der neugotische Spitzhelm aufgesetzt. Es sind dies nur drei Beispiele der insgesamt sechzehn Bauwerke, in Teisendorf, Achthal, Holzhausen, Mehring, Neukirchen und Wimmern, die mit solchen Tafeln versehen sind. Ihre Anbringung geht auf eine Initiative von Hans Gramsammer zurück, ehemaliger Schneidermeister, Gemeinderat und Kreisrat, ein an Geschichte, Kunst und Kultur seiner Heimat hochinteressierter Gemeindebürger und Autodidakt.

1984 wurden die Kupfertafeln von der Teisendorfer Schreinerei Lenz Willberger angefertigt und in Pinsel-Handarbeit von Malermeister Peter Dorfleitner beschriftet. 2018, also nach 34 Jahren, hat Peter Dorfleitner die Tafeln erstmals wieder erneuert. Auf dunkelgrünem Grund ist die weiße Schrift wieder sehr gut zu lesen. Mit ihrem Aussehen fügen sich die Tafeln perfekt in das historische Ambiente der Häuser, deren Geschichten sie kurz und bündig erzählen.

Und auch der kunstvoll geschmiedete Ausleger, das Erkennungszeichen der Markt-Apotheke, erstrahlt in neuem Glanz. Dazu wurde das viele Kilogramm schwere Kunstwerk abmontiert, in der Werkstatt für Metallgestaltung Ludwig Schader restauriert und dann wieder per Hebebühne neu montiert. Dafür präsentiert es sich jetzt wieder wie neu. Auch die beiden kleineren Ausleger, einer für die Montage des Weihnachtssterns, der zweite als Fahnenschuh, wurden einer Generalsanierung unterzogen.

Ausleger sind prägender Teil der Marktstraße

Dem Ausleger an der Markt-Apotheke sind anfangs der 1980er noch weitere gefolgt, zum Beispiel an der Sparkasse oder bei der Spenglerei Glaser. Gemeinsam sind sie heute ein prägender Teil der Teisendorfer Marktstraße. Mit seinem ersten Werk dieser Art für die Apotheke aber war der 2004 verstorbene Kunstschmied Roman Reiter besonders verbunden. Die Skizzen dafür sind auch heute noch in seiner ehemaligen Werkstatt an der Wand zu sehen. Und auch das per Hand fein säuberlich geschriebene Stundenbuch liegt vor. Demnach hat Roman Reiter rund 900 Stunden in die Anfertigung dieses wertvollen Stücks investiert.

Über dem Schriftzug »Markt-Apotheke« sind die Symbole des Apothekerhandwerks, Waage und Mörser, zu sehen. Darüber wachen die Figuren von Kosmas und Damian, zwei Heilige und Brüder, die von den Apothekern besonders verehrt werden, weil sie der Legende nach ihre Dienste als Ärzte oder Apotheker unentgeltlich angeboten haben. Das Ganze wird getragen von einem mehrarmig geschwungenen Halter, verziert mit Blättern, Blüten und Ranken, die sich teilweise aus einem Füllhorn ergießen.

Die volle Pracht kommt auch durch die ausgewogene Farbgebung und Vergoldung zum Tragen. Dazu wurden bei der Restaurierung die Originalfarbschichten von 1978 abgetragen, die Stellen mit einem Glasperlenstrahler gereinigt und anschließend die neue Farbe und die Vergoldung wieder aufgetragen. Diese Arbeiten hat der Kirchenmaler Christian Bauer aus Tabing bei Chieming gemacht. kon