weather-image
18°
Moderne Architekturen mit Platz für Technik, Gastronomie, Tiefgarage, Verwaltung und ein Sportgeschäft

Grünes Licht für barrierefreie Tal- und Bergstation

Schönau am Königssee – Zwei äußerst komplexe Bauwerke sollen den künftigen Eingang und Ausstieg der neuen Jennerbahn bilden. Der Gemeinderat Schönau am Königssee gab am Dienstag mit einer beziehungsweise zwei Gegenstimmen grünes Licht für die Pläne der Berchtesgadener Bergbahn AG, nach denen die neue Tal- und die neue Bergstation errichtet werden sollen. Jeweils das unterste Stockwerk der Flachbauten verschwindet teilweise im Untergrund, sodass sich die Höhe der modernen Gebäude in Grenzen hält. Alle Anlagen sollen zu hundert Prozent barrierefrei sein.

Modern und funktionell: So soll die neue Jennerbahn-Talstation aussehen. Die beiden Gebäude sind unterirdisch miteinander verbunden. (Grafiken: BBAG)
Nach der Ankunft am Berg eröffnet sich den Fahrgästen ein herrlicher Blick auf die benachbarten Berge. Allerdings auch auf das zweite Bergstation-Gebäude, das gastronomische Angebote bereit hält.

Mit den Fragen des Seilbahnrechts und des Abtragungsrechts hatte sich der Gemeinderat bereits auf früheren Sitzungen befasst. Jetzt ging es um den Bau von Tal- und Bergstation. Auf der nächsten oder übernächsten Sitzung wird sich das Gremium dann mit den Plänen für den Bau der Mittelstation mit Gastronomie und Multifunktionsgebäude befassen.

Anzeige

Die neue Talstation wird nach dem Abriss des alten Gebäudes künftig aus zwei Gebäuden bestehen, die unterirdisch miteinander verbunden sind. Die eigentliche Station mit Technikanlagen, unterirdischem Gondelbahnhof, Skidepot und Rolltreppe wird als Flachbau oberhalb der bisherigen Station errichtet. Wer vom Berg kommt und das Gebäude verlässt, der steht auf einer Art »Dorfplatz«. Der sollte eigentlich eine Sichtachse von benachbarter Bäckerei bis zur Skischule auf der anderen Seite ermöglichen. Den Nachbarn gefiel das nicht, deshalb wird zur Skischule hin nun eine Mauer errichtet.

Auch andere Planänderungen gab es auf Wunsch der Anlieger. So wird die neue Talstation künftig um zwei Meter nach unten versetzt, sodass die Sicht vom benachbarten Haus »Edelweiß« weniger beeinträchtigt wird. Dadurch wird allerdings das im unteren Gebäude geplante Sportgeschäft um rund 120 Quadratmeter kleiner. Ein Skiservice und -verleih können hier nun nicht mehr untergebracht werden. »Insgesamt sind wir zusammen mit den Nachbarn jetzt zu einem sehr guten Ergebnis gekommen«, bilanzierte Bürgermeister Hannes Rasp.

Das untere Gebäude verschwindet wie auch der oberhalb gelegene Technik-Bau mit dem Untergeschoss nach Osten hin zunehmend im Hang. So kann in die im Hang liegende Tiefgarage mit 36 Stellplätzen ebenerdig eingefahren werden. Daneben befindet sich das Sportgeschäft. Darüber war eigentlich ein Tagescafé geplant, das man auf Wunsch der Anlieger ad acta gelegt hat. Hier soll es jetzt nur noch eine Sportbar geben. Im obersten Geschoss wird die Verwaltung untergebracht sein.

Sicht auf die Berge

Eine moderne Optik soll auch die neue Bergstation bekommen, die mit der Bergstation inklusive Antrieb der neuen Mitterkaserbahn zusammengelegt wird. »Wenn der Fahrgast künftig am Berg ankommt, dann hat er einen herrlichen Blick auf die Berge«, sagte Bürgermeister und BBAG-Vorstandsvorsitzender Hannes Rasp. Ermöglicht wird das durch große Glasflächen und einen geräumigen Platz vor dem Gebäude. Ein wenig beeinträchtigt wird die Sicht lediglich durch ein zweites Gebäude, in dem die Gastronomie (350 Sitzplätze, mit Bedienung), die Jennerbar, ein kleiner Veranstaltungssaal und ein Shop untergebracht werden. Ein Teil davon wird sich unter dem großen Platz befinden und somit im Berg verschwinden. Die weiteren Pläne in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark sehen den Bau eines behindertengerechten Weges hinauf zur Plattform unterhalb des Jennergipfels vor. Vor allem diese neue Perspektive für Behinderte und ältere Personen begeistert auch die Gemeinderäte, wie in der anschließenden Diskussion zu vernehmen war.

Bebauungsplan gefordert

Fast alle Gemeinderäte sprachen angesichts der Pläne, mit denen sie schon öfters befasst waren, von einer guten Lösung. Auch Luca Guscelli von den Grünen sah ein, dass ein Neubau der Jennerbahn wichtig ist. »Der Bund Naturschutz, die Grünen und Teile der Anwohner wollen das Projekt auch nicht verhindern«, versicherte Guscelli. Dennoch warf der Grünen-Gemeinderat den Verantwortlichen »gewisse Verfahrensfehler« vor, weil Guscelli ein Planfeststellungsverfahren inklusive Bebauungsplan und städtebaulichem Konzept für beide Talstation-Gebäude vermisst.

Bürgermeister Rasp gab zu verstehen, dass es bei dem Projekt nach dem Gesetz zwei Möglichkeiten für eine Realisierung gebe. Bei der Talstation wende man für das obere Gebäude das Seilbahnrecht inklusive Planfeststellungsverfahren an. »Eine Seilbahn gilt als privilegiertes Bauvorhaben. Deshalb darf man sie auch im Außenbereich bauen«, sagte Rasp. Für das untere Gebäude, das ohnehin eher dem Innenbereich zuzuordnen sei, wende man das Baurecht an. »Und im Baurecht gibt es kein Planfeststellungsverfahren«, sagte Rasp.

Guscelli hatte mit seinem Antrag zur Aufstellung eines Bebauungsplanes für die Talstation ebenso wenig Erfolg wie mit seiner Kritik am Genehmigungsverfahren für die Bergstation. Bei der Abstimmung war neben Luca Guscelli nur ein weiterer Gemeinderat nicht mit den Plänen für die Bergstation einverstanden. Hubert Maltan (CSU) ging es mit seinem »Nein« aber ausschließlich um das optische Erscheinungsbild, das dem Lokalpolitiker nicht gefiel. Seine Forderung: »Das passt nicht ins Landschaftsbild. Man sollte am Berg alles ein wenig dezenter planen.« Ulli Kastner