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Grünes Licht für umstrittene Hotelprojekte

Schönau am Königssee – Erst dauerte es lange, dann ging alles erstaunlich schnell: Mit wenigen Gegenstimmen hat der Gemeinderat Schönau am Königssee in seiner Sitzung am Dienstagabend die beiden umstrittenen Hotelprojekte am Königssee durchgewunken.

Wo jetzt eine Wiese grünt, wird ein Gebäude stehen: Der Gemeinderat Schönau am Königssee hat den beiden Hotelprojekten zugestimmt. Foto: Anzeiger/Irlinger

Menschenmassen im Rathaus, im Treppenhaus drängen sich die Zuschauer dicht an dicht. Doch es geht nicht vorwärts, der Sitzungssaal ist verschlossen. Die Luft steht. Es ist heiß, stickig, Schweißgeruch. Auch die Stimmung ist aufgeheizt. Das Stimmengewirr wird immer lauter. Denn die Zeit vergeht und vergeht. 15 Minuten, 30, 45. Dann endlich geht die Tür auf und die Zuschauer werden in den Saal gelassen. Da ist es schon 21.15 Uhr. Um 20.30 hätte die Sitzung beginnen sollen.

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Massive Verspätung

Doch der nicht öffentliche Teil hat sich massiv in die Länge gezogen. Warum, wurde bald klar. Alles ausgekartelt. Der öffentliche Teil war nur noch pro forma, reine Show. Diskutiert wurde nicht mehr, schon gar nicht gestritten, geschweige denn irgend etwas erörtert. Städteplanerin Claudia Schreiber und Projektentwickler Florian Jennewein nahmen an der öffentlichen Sitzung gar nicht mehr teil.

Bürgermeister Stefan Kurz war schweißgebadet, das Haar klebte auf dem hochroten Haupt. Das Bayerische Fernsehen war auch da. Anweisung von Kurz: Nicht filmen, keine Tonaufnahmen. »Das stört den Sitzungsverlauf.« Welchen Sitzungsverlauf?

Kurz stand auf, rückte sich die Lederhose zurecht und griff zum Zeigestab. Im Schnellverfahren erläuterte er die einzelnen Stationen der Bauvorhaben, deren Genehmigungsverfahren seit Januar 2012 laufen. Und immer wieder der Hinweis: »Der Gemeinderat hat sich intensive Gedanken gemacht.« Und: »Es gab gewaltige Abstriche von der ursprünglichen Planung.«

Maximal fünfstöckig

Nach einem Ortstermin und einer langen nicht öffentlichen Sitzung hätte man sich mit den Projektplanern auf zwei wesentliche Neuerungen verständigt. Zum einen soll das Appartmentgebäude nun maximal fünfstöckig sein. Zum anderen soll die Tiefe des Geschäftsgebäudes an der Seestraße bei gleicher Länge um drei Meter reduziert werden.

Beppo Maltan (FW) meldete sich als Erster zu Wort. Er wirkte geknickt. »Ich lasse mich nicht unter Druck setzen«, betonte er mehrmals. Aus reiner Angst davor, die Investoren könnten abspringen, dürfe man nicht wichtige Punkte ungeklärt lassen. »Man sollte sich zusammensetzen und über einige Dinge sprechen, zum Beispiel den Querriegel beim Größwang-Projekt«, so Maltan. Seinen Vorwurf, Vorschläge von Städteplanerin Claudia Schreiber seien unter den Tisch gekehrt worden, wies Bürgermeister Kurz scharf zurück. »Frau Schreiber hat einen Entwurf gemacht, der im Gemeinderat diskutiert und abgelehnt wurde. Punkt.«

»Ortstermin hätte früher stattfinden sollen«

Maltans Parteikollege Richard Lenz lobte zunächst den Ortstermin, der vor der Sitzung stattgefunden hatte. Aber: »Er hätte schon viel früher stattfinden sollen.« Des Weiteren hätte er sich eine aussagekräftige 3D-Animation gewünscht, um die Ausmaße der Gebäude angemessen zu visualisieren. Auch Lenz äußerte den Verdacht, die Städteplanerin sei bewusst an der kurzen Leine gehalten worden.

»Wir haben Frau Schreiber nicht geschnitten«

Ganz anders bewertete August Stengle (CSU) die Sachlage. »Wir haben Frau Schreiber nicht geschnitten«, betonte er. »Man sollte die Sache unterstützen und den Betreiber nicht vergraulen. Ich kann die Sache ohne schlechtes Gewissen unterstützen.«

Ganz anders sieht das Michael Lochner (FW). Für ihn steht fest: »Die Gebäude sind zu hoch, zu dicht und nicht aufeinander abgestimmt. Man muss die Kubatur des neuen Hotels runterfahren. Fünf Stockwerke genügen.«

Schönaus 3. Bürgermeister Herbert Zechmeister (CSU) beklagte die mangelnde Beteiligung der Öffentlichkeit. »Man hätte die Bevölkerung von Anfang an mitnehmen sollen. Das wäre für die Akzeptanz des Projekts besser gewesen.«

Keine Probleme in der Verfahrensweise sieht hingegen Franz Graßl (CSU). Er begründet seine Zustimmung mit den Worten: »Wir haben das Projekt gemeinsam entwickelt und sind keineswegs nur auf die Wünsche der Planer eingegangen.«

Die Abstimmung ging dann zackig: Mit sieben Gegenstimmen gingen die Pläne zu den neuen Gebäuden durch, mit sechs Gegenstimmen der Anbau des Hotels »Königssee«. Christian Fischer