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Rechtsextreme Kleinpartei »Der III. Weg« verteilt Flugblätter beim Berchtesgadener Advent

Gruselgeschenke beim Kramperllauf

Was auf den ersten Blick aussieht wie harmlose Kritik an weihnachtlichem Konsumwahn, entpuppt sich schnell als rechtsradikale Hetzschrift gegen »Multi-Kulti-Umerzieher«. Man beachte auch den Nazi-Julleuchter. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Unter die gruseligen Gestalten beim Buttnmandl und Kramperllauf der Bundeswehr mischten sich am Samstag noch weitaus grausigere Gestalten. In sauberster Tracht gekleidet verteilte eine Handvoll Mitglieder der rechtsextremen Kleinpartei »Der III. Weg« Nikolaussackerl an die Besucher des Berchtesgadener Advents. Darin: Schokolade, Nüsse – und eine Hetzschrift. Die Polizei kann nichts machen. »Alles legal«, sagt Berchtesgadens Inspektionsleiter Günther Adolph.


Helga Hesse aus Wiesbaden (Name und Ort geändert) und ihre Familie schlenderten am Samstagabend gut gelaunt über den Berchtesgadener Advent. »Es war wunderschön. Leckeres Essen und Glühwein in wunderschönen Tassen«, sagt die Urlauberin. »Hier haben sich die Verantwortlichen wirklich Mühe gegeben.« Die Frau dachte sich dann auch nichts dabei, als auf dem Schlossplatz gegen 18.30 Uhr vier Trachtler auf sie zukamen. »Einer von denen, vermutlich der Anführer, hatte einen Kartoffelsack dabei«, erinnert sich Hesse. Die anderen drei holten daraus Geschenksäckchen und verteilten sie.

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Auch Familie Hesse bekam eines. »Einer hat mich in urbairischer Mundart gefragt, ob ich artig gewesen sei«, erzählt die Urlauberin. »Wir beantworteten die Frage lachend mit einem Ja.« Dann hatte die Frau das Sackerl, gefüllt mit Schokolade und Nüssen, auch schon in der Hand. »Die Kinder haben sich riesig gefreut«, sagt Helga Hesse.

Doch später im Hotel gab es dann die böse Überraschung. Neben den Gaumenfreuden befand sich ein unappetitliches Schmankerl in der Tüte: »Ein liebevoll gerolltes Flugblatt voll mit Nazi-Propaganda«, ärgert sich die Urlauberin.

Der beidseitig bedruckte, professionell gestaltete Flyer sieht auf den ersten Blick aus wie harmlose Kritik am vorweihnachtlichen Konsumterror. Ein wenig böse Werbewirtschaft hier, ein bisschen gierige Kapitalisten da. Seltsam wird es dann, als plötzlich von den deutschen Ahnen und dem Fest der Wintersonnenwende die Rede ist. Dann folgt der übliche Blut-und-Boden-Blödsinn. Allerdings geschickt getarnt als fromme Weihnachtswünsche.

Helga Hesse war in Rage. »70 Jahre nach Aschwitz kann es nicht sein, dass in Berchtesgaden, wo Hitler regiert hat, Nazipropaganda betrieben wird«, ärgert sich die Urlauberin noch immer. Deshalb ging sie zur Polizei und wollte Anzeige erstatten. Ein weiterer Urlauber tat das Gleiche. Das Problem: »Der III. Weg« wird vom Verfassungsschutz zwar als höchstgefährlich eingestuft (siehe Kasten), die Partei ist aber offiziell zugelassen. »Wir als Polizei können da nichts machen«, erklärt der stellvertretende Berchtesgadener Polizeichef Franz Sommerauer. »Die Verteilaktion war legitim.«

Und Berchtesgadens Polizeichef Günther Adolph fügt hinzu: »Der Text ist so professionell gemacht, dass wir keinen Ansatzpunkt haben.« Christian Fischer