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Gute Beratung ist der halbe Erfolg

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Klaus Rutz (l.) und Klaus Buschhausen (r.) von den Aktivsenioren Bayern beraten viele Existenzgründer von Berchtesgaden bis Rosenheim. (Foto: Gerd Spranger)

Berchtesgadener Land – Die letzten Monate waren keine Zeiten für Unternehmensgründer und die nächsten werden es wohl auch nicht sein. Das spiegelte sich auch im Gespräch des »Berchtesgadener Anzeigers« mit Klaus Buschhausen und Klaus Rutz vom Verein Aktivsenioren Bayern wider. Seit März ruhen bei dem Verein sämtliche Meetings und Konferenzen, Beratungen gibt es hauptsächlich telefonisch und digital. Am Freitag, 4. September, starten sie wieder im Landratsamt Berchtesgadener Land und am Donnerstag, 17. September, in Traunstein bei der Wirtschaftsförderungs GmbH am Stadtplatz 32, im ehemaligen Gebäude der Sparkasse.


»Gewöhnlich betreuen wir im Berchtesgadener Land monatlich drei Kunden, in den Landkreisen Traunstein und Rosenheim sind es etwa dreimal so viele. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ging die Nachfrage auf null zurück«, gesteht der gebürtige Berchtesgadener Klaus Rutz aus Vachendorf, der die Region von Berchtesgaden bis Rosenheim betreut und bis vor zwei Jahren Geschäftsführer der weltweit tätigen Ecolab Engineering GmbH war. Die hat ihren Hauptsitz in Siegsdorf und beschäftigt 320 Mitarbeiter.

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Die Beratung durch die 430 Mitglieder der Aktivsenioren in Bayern ist kostenlos und wird ehrenamtlich geleistet. »In unserem Netzwerk haben wir Experten aus allen Bereichen und natürlich kommunizieren wir untereinander«, informiert Buschhausen, Leiter der Region 18, die über Rosenheim hinaus noch die Landkreise Altötting und Mühldorf einschließt. Er trug zuletzt für den amerikanischen Konzern 3M die europäische Geschäftsverantwortung.

»Zahl der Insolvenzen wird steigen«

Für die beiden Senior-Unternehmer ist klar, dass aktuell die Ruhe vor dem Sturm herrscht. »Die jüngsten Staatshilfen und Kurzarbeit federn viel ab, doch nicht auf Dauer. Die Zahl der Insolvenzen wird die nächsten Monate noch stark ansteigen. Geräuschlos hingegen vollzieht sich meist die Aufgabe von Einzelunternehmen. Man hört auf und benötigt dafür keine Beratung. Der Verlust trifft nur den Unternehmer selbst, seine Familie, einige Arbeitnehmer und das soziale Umfeld.« Bei rund 80 Prozent der Anfragen bei den Aktivsenioren Bayern stehen Unternehmensgründungen an. Häufig wollen die Kunden eine Arbeitslosigkeit umgehen oder diese mit speziellen Förderprogrammen beenden. »Wir stellen zunächst die richtigen Fragen und helfen das Projekt strukturiert anzugehen. Ziel ist es, den Gründer anzuleiten einen tragfähigen Unternehmens- und Businessplan zu erarbeiten. Wir hinterfragen etwa bei einer einfachen Aufstellung von erhofften Einnahmen und Ausgaben: Welche Vorteile bietet speziell sein Angebot? Welchen Nutzen haben Kunden davon? Was macht die Konkurrenz? Wie ist der Markt zu bewerten? Sind die eigenen Lebenshaltungskosten mit eingeplant? Darüber hinaus bieten wir umfassendes Material, um bei der Vorbereitung in die Tiefe zu gehen«, erläutern Buschhausen und Rutz. Wenn abschließend der Gründungsgedanke und das Geschäftsmodell nachhaltig erscheinen, wird dies durch eine Tragfähigkeitsbescheinigung bestätigt. Bei Bedarf unterstützt man auch bei den Gesprächen mit der ARGE und den Banken.

»Wir ersetzen keinen Steuerberater«

Die Wirtschaftssenioren bekräftigen, dass sie nicht die Bank, einen Steuerberater, eine Wirtschaftskanzlei, die Handwerkskammer oder IHK ersetzen. »Wir helfen gut vorbereitet, mit den richtigen Fragen und mit einem fundierten Businessplan, in die Gespräche zu gehen. Eine Gründungsberatung umfasst meist fünf bis sechs Gespräche und Telefonate. Wenn alles gut läuft, dann bescheinigen wir die Tragfähigkeit des Konzeptes, was eine Voraussetzung für den Gründerzuschuss durch die Agentur für Arbeit ist.« Vergangenes Jahr halfen die Aktivsenioren Bayern bei 963 Anschubprojekte für Existenzgründer.

Die unterschiedliche Häufigkeit der Anfragen zwischen den Landkreisen sieht Klaus Rutz in der gewerblichen Struktur begründet. »Im Süden des Berchtesgadener Landes etwa dominieren der Tourismus und das Handwerk. Hier gibt es eigene Möglichkeiten, wie etwa die Handwerkskammer. Insgesamt aber verbucht der Landkreis Traunstein deutlich mehr Gewerbe für sich und ist auch gemessen an den Einwohnerzahlen um zwei Drittel größer.« Positiv habe sich ebenso die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderungs GmbH Traunstein ausgewirkt.

Häufig dominiert nicht die Frage nach Förderungen an sich, sondern viel mehr die Frage, welche Programme für welches Gewerbe greifen. »Es ist nicht ganz einfach, den Förderdschungel zu überblicken«, weiß Klaus Rutz. Bei bestehenden Unternehmen sind die Beratungsanforderungen meist höher, wenn die Veränderung der Märkte und die Anpassung der Strategie, das Krisenmanagement oder die Unternehmensnachfolge konzeptionelle und strukturelle Anpassungen erfordern. »Hier ist es mit ein paar Gesprächen nicht getan, es übersteigt den persönlichen Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit eines Einzelnen, so dass dabei unser Netzwerk aus Ex-Unternehmern, Managern und Experten greift und wir im Team auftreten und unterstützen.«

Nach eigenen Angaben leistet der Verein jährlich rund 30 000 persönliche und kontaktnahe Beratungen und leistet damit für die Schaffung und den Erhalt von 50 000 Arbeitsplätzen einen wichtigen Beitrag. Gerd Spranger