weather-image

Gute Geister unvergessener Werke

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Eine musikalische Genussstunde boten Andrea Wittmann und Andreas Schmidt in der Abtskapelle St. Nikolaus. (Foto: Benekam)

Es war eine kraftspendende Ruhe, die den sakralen Raum der Abtskapelle St. Nikolaus des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon kurz vor der sonntäglichen Soiree mit Flöte und Cembalo erfüllte. Die Intimität der nur wenigen Konzertbesucher gab der musikalischen Genussstunde den Flair eines Familienkonzerts.


Wunderschöne Stuckaturen, vergoldete Fresken, unzählige Engel und Gemälde von Heiligen mit örtlichem Bezug bieten einen opulenten Rahmen für vitalisierende Klangreisen in die Zeit der Renaissance und des Barocks. So erwarteten die Gäste in dieser ersten Soiree seltene Hörgenüsse und virtuose Solistenkunst an Flöte – von Andreas Schmidt, Soloflötist der Bad Reichenhaller Philharmoniker und Kirchenmusikerin Andrea Wittmann am Cembalo.

Anzeige

Die Sonate in C-Dur BWV 1033 von Johann Sebastian Bach vermittelte noch dem letzten Pessimisten heilsame Zuversicht – eine wohltuende Konzerteinleitung, der die Sonate in F-Dur op. 1, Nr. 11 von Georg Friedrich Händel folgte. Die F-Dur-Sonate verbindet eine händelsche Opernarie mit tänzerischen Allegri und einer schönen Siciliana. Neben der Klangschönheit war auch der Flötist ein beeindruckender Anblick: Sein Wiegen in den selbst produzierten Tönen, die in seinen Händen schwebende Flöte, seine über das filigrane Blasinstrument galoppierenden Finger und letztlich sein Blick, in dem er die variationsreichen Themen der Musik widerzuspiegeln vermochte.

»Hören Sie, wie diese Kapelle das zum Klingen bringt, was die Komposition zu sagen hat«, leitete Schmidt die Sonata in G-Dur QV 1:105 von Johann Joachim Quantz ein. Der Komponist war einer der bedeutendsten Flötenvirtuosen des 18. Jahrhunderts. Wenn derartige Kompositionen in virtuoser Vollendung in der Abtskapelle erklingen, dann hat das nichts Gespenstisches, sondern viel mehr etwas Heiliges. Auch für die Sonate in F-Dur KV 13 gab es reichlich Applaus – kaum zu glauben, dass Mozart diese Komposition im zarten Alter von acht Jahren schuf. Reduziert auf nur zwei Instrumente und dennoch genial: Der »Reigen seliger Geister« aus »Orpheus und Euridike« von Christoph Willibald Gluck in der Bearbeitung für Flöte und Cembalo, in den sich klangvoll – wie selige Geister eben – auch die Kirchenglocken der Klosterkirche mischten.

Mit der Hamburger Sonate in G-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach war dem Konzertprogramm ein letzter Glanzpunkt gesetzt. Kraftvoll, erfrischend unverkrampft und herzlich schafften es die Musiker, die guten Geister unvergessener Werke zur klangvollen Entfaltung zu bringen. Wunderbar gestaltete Melodiebögen in farbiger Abtönung bei lupenreiner Spieltechnik an der Flöte – und das in ausdrucksstarker Cembalobegleitung – ließ die Zuhörer in jubelnden Applaus ausbrechen.

Kirsten Benekam