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Hannes Namberger gewinnt den Transalpine-Run

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Hannes Namberger (hinten) hat zusammen mit Markus Mingo den Transalpine-Run gewonnen. (Foto: XC-Run.de)

Der Ruhpoldinger Ausdauerathlet Hannes Namberger hat zusammen mit Markus Mingo im Team XC-Run.de den Transalpine-Run gewonnen. Die sieben Etappen von Garmisch-Partenkirchen nach Brixen über 260 Kilometer und 16 400 Höhenmeter absolvierten die beiden Läufer in einer Gesamtzeit von 28:46:38,5 Stunden – und damit schneller als Lukas Naegele und Sebastian Hallmann (Salomon powered by WWK Versicherungen; 28:53:02,3 Stunden) und Guillaume Peretti und Vincent Viet (Accorte/Gore; 29:40:33,0).


Mit hohen Erwartungen waren Hannes Namberger – für den Ruhpoldinger war es die zweite Teilnahme beim Transalpine-Run, wobei sein Partner im vergangenen Jahr schon nach der ersten Etappe aufgeben musste und er die restlichen Abschnitte ohne Wertung alleine zu Ende lief – und Markus Mingo an den Start gegangen: Ein Podiumsplatz war das erklärte Ziel der beiden. »Wir hatten uns vorgenommen, unser Ding zu machen und uns nicht vom hohen Anfangstempo anstecken zu lassen«, erzählt Hannes Namberger. »Wir wollten ein Wörtchen in der Gesamtwertung mitreden und nicht nur die erste Etappe gewinnen.«

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Dabei war auch bei dem Ruhpoldinger die Anspannung vor der Auftaktetappe groß: »Bin ich fit? Harmoniere ich mit meinem Teampartner? Wie stark ist die Konkurrenz? Bleibe ich gesund und verletzungsfrei? Nach dem ersten Tag weiß man diesbezüglich definitiv mehr und an den Folgetagen wird es meist entspannter«, sagt Hannes Namberger. Er und sein Teampartner hatten zudem nur zweimal gemeinsam trainiert, weil beide ihren eigenen Rennkalender hatten. Trotzdem verlief die erste Etappe sogar besser, als sie es sich vorgestellt hatten: Nach rund 44 Kilometern kamen sie als Erste ins Ziel in Nassereith. »Ein perfekter Start in das Rennen«, betont Hannes Namberger.

So ging das Team mit dem »Leader-Shirt« der Männer – vergleichbar mit dem Gelben Trikot der Tour de France – auf die zweite Etappe. Hannes Namberger und Markus Mingo mussten sich dabei nur dem Favoriten-Team Sebastian Hallmann und Lukas Naegele (Team Salomon) geschlagen geben.

»Vor der dritten Etappe hatten wir richtig Respekt«, erzählt Hannes Namberger – schließlich führte die »Königsetappe« die Teilnehmer über 52 Kilometer und 3000 Höhenmeter von Imst nach Mandarfen im Pitztal. »Hier kann sich mit einem 'Einbruch' schon mal das ganze Rennen entscheiden. Dieser Tag war wirklich nichts für schwache Nerven«, meint Hannes Namberger. Sein Teamkollege hatte dann auch mit einigen Problemen zu kämpfen. Aber trotz eines Sturzes mit Stockbruch sowie »einem leichten Leistungsabfall fünf Kilometer vor dem Ziel« wurden die beiden erneut Zweite. Der Vorsprung auf das Verfolgerteam Hallmann/Naegele schwand allerdings von 14 auf nur noch zehn Minuten.

»Wir mussten also am nächsten Tag voll auf Attacke gehen und das taten wir auch«, betont der Ruhpoldinger. Von Beginn an gaben Markus Mingo und Hannes Namberger das Tempo vor und setzten sich schließlich am zweiten Anstieg hinüber ins Skigebiet Sölden am Rettenbachferner deutlich ab. Mit einem Vorsprung von sechs Minuten bauten sie ihr Polster auf komfortable 16 Minuten aus und feierten ihren zweiten Etappensieg. »Jetzt wussten wir, dass wir eine Chance auf den Gesamtsieg haben, wenn wir jeden Tag taktisch schlau angehen und uns keine Fehler leisten«, berichtet Hannes Namberger.

Die fünfte Etappe führte über das Timmelsjoch nach Südtirol, nach St. Leonhard ins Passeiertal. Allerdings gelang es Markus Mingo und Hannes Namberger nicht, den Erfolg vom Vortag zu wiederholen: Mit 50 Sekunden Rückstand auf Hallmann/Naegele überquerten die beiden zum dritten Mal die Ziellinie als zweites Team.

»Die Beine, Gelenke, eigentlich der gesamte Körper sind nach fünf Tagen schon richtig müde und wir kamen immer schwerer aus dem Bett«, erinnert sich Hannes Namberger. »Doch wir wollten das 'Leader-Shirt' nach Brixen tragen und diesen Gesamtsieg holen.« So galt es für das Team, wieder voll auf Angriff zu gehen. Doch die Verfolger hatten auf der sechsten Etappe zwischenzeitlich schon einen Vorsprung von sechs Minuten rausgelaufen. »Wir kamen nicht näher und ich wurde langsam nervös. Erst am letzten Abstieg konnten wir den 'Gashahn' aufdrehen«, sagt der Ruhpoldinger – so verkürzten er und sein Teamkollege den Rückstand noch auf 1:12 Minuten.

Insgesamt blieb dem Team XC-Rund.de damit immer noch ein Vorsprung von 15 Minuten – und den wollten Markus Mingo und Hannes Namberger auch nach Brixen bringen, wobei die letzte Etappe »nicht wirklich für uns geschaffen war«, wie Hannes Namberger erklärt: »Keinerlei technische Schwierigkeiten oder steile Anstiege. Das wussten auch unsere direkten Verfolger Hallmann/Naegele und gingen von Beginn an ein mörderisches Tempo. Sie liefen voll auf Angriff und wollten uns damit in die Knie zwingen.«

Markus Mingo und Hannes Namberger fühlten sich hingegen schon ausgelaugt und kraftlos – so wuchs ihr Rückstand bis zehn Kilometer vor dem Ziel auf 8:30 Minuten an. »Doch wir haben uns mit aller Kraft gewehrt und Vollgas gegeben, um nicht am letzten Tag alles zu verschenken. Wir wollten den Sieg unbedingt und flogen deshalb regelrecht den letzten Abstieg nach Brixen hinunter.«

Kurz vor dem Ziel stand dann fest: »Wir werden es schaffen, wir werden als Gesamtsieger – wenn auch als Etappenzweite – den Transalpine-Run gewinnen«, berichtet Hannes Namberger. »Dann war es endlich soweit: Der rote Teppich, das Zielband und die jubelnde Menge sowie meine Familie warteten auf uns. Unglaubliche Emotionen, Freude, Erleichterung – wir haben gewonnen!« jom