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Hannover demütigt VfL bei 4:0 - Kind kritisiert Fans

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VfL Wolfsburg - Hannover 96
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Artur Sobiech (l) bejubelt seinen Treffer zum 2:0 gegen VfL Wolfsburg mit Szabolcs Huszti. Foto: Peter Steffen Foto: dpa

Wolfsburg (dpa) - Die meisten VfL-Fans flüchteten weit vor dem Schlusspfiff, Felix Magath verkniff angesichts der Demütigung im niedersächsischen Nachbarschaftsduell das Gesicht. Wolfsburgs Coach hatte sich nach der 4:0 (2:0)-Galavorstellung von Hannover 96 gegen den VfL schnell wieder im Griff.


«Ich kann ihnen keine Weltuntergangsstimmung bieten», kommentierte Magath, dessen neu zusammengekauftes Team noch nie so vorgeführt wurde in einem Derby. Der finanzschwächere Nachbar nahm das reiche Volkswagen-Tochterunternehmen nach allen Regeln der Fußball-Kunst auseinander und blieb auch im siebten Pflichtspiel der Saison ohne Niederlage. Dank der Treffer von Karim Haggui (10. Minute), Artur Sobiech (26./56.) und Leon Andreasen (52.) glückte 96 vor 29 451 Zuschauern erst der zweite Auswärtssieg in der Bundesliga in Wolfsburg, es war der höchste Auswärtssieg seit 39 Jahren. Routiniert und abgeklärt sicherte 96 in der Schlussphase den höchsten Bundesligasieg über den Landesrivalen ab. Die Wolfsburger mussten froh sein, dass der Gast das Tempo nach dem vierten Treffer drosselte.

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Das eingespielte 96-Team dominierte die Wolfsburger, die mit fünf Neuzugängen und Rückkehrer Diego aufliefen, bis dahin fast nach Belieben. Ohne große Regungen zu zeigen fasste Magath zusammen: «Die Unsicherheit hat auch erfahren Spieler angefasst. So waren wir chancenlos in dieser Partie. Es gab weder in der ersten Halbzeit noch in der zweiten eine Phase, wo man die Hoffnung hatte, dass man gewinnen kann.»

Wolfsburg war die fehlende Abstimmung angesichts des neu formierten Teams deutlich anzumerken. «Die Erklärung ist einfach», sagte der gefasste Magath: «Hannover ist schon länger im Spielbetrieb. Ich muss mich bei unseren Fans und Zuschauern entschuldigen, der Tag hätte anders laufen sollen.»

Frohsinn herrschte hingegen bei Hannover 96. «Das war eine tolle Leistung, in jeglicher Form», bilanzierte Hannovers Coach Mirko Slomka. Nur drei Tage nach dem Einzug in die Gruppenphase der Europa League mit dem 5:1-Sieg gegen Slask Breslau überzeugte seine Mannschaft erneut mit feinen Kombinationen und einer eingespielten Leistung. Vor allem der Ungar Szabolcs Huszti brillierte als Gestalter und lieferte zu allen vier Treffern die Vorarbeit. «Das ist überragend», lobte Slomka. «Man merkt, er kommt in seinen Rhythmus, er kommt in sein Tempo. Toller Spieler.»

Für Missstimmung sorgten indes die eigenen Fans, an denen Clubchef Martin Kind massive Kritik übte. «Einige sind weder bundesliga- noch europa-league-tauglich», sagte der 96-Boss über die Anhänger, die den ehemaligen 96-Profi Emanuel Pogatetz übel beschimpft hatten. «Pogatetz - du Hure», sangen Fans vor und während des Spiels. «Das ist im vollen Umfang abzulehnen. Wir können uns nur entschuldigen», fügte Kind an: «Die verstehen es einfach nicht.» Auch Pogatetz' ehemaliger Mitspieler Jan Schlaudraff übte Kritik. «Das waren Beleidigungen unter der Gürtellinie», sagte der Mittelfeldspieler. Pogatetz war diesen Sommer von Hannover zum Rivalen Wolfsburg gewechselt. «Ich fand das sehr enttäuschend», meinte der Geschmähte selbst.