Hansjörg Müller legt Vorsitz nieder: AfD-Kreisverband Berchtesgadener Land muss einen Nachfolger suchen

Bildtext einblenden
Hansjörg Müller, seit 2017 Bundestagsabgeordneter, hat den Vorsitz im AfD-Kreisverband Berchtesgadener Land mit sofortiger Wirkung niedergelegt.

Berchtesgadener Land – Der Kreisverband Berchtesgadener Land der AfD muss sich einen neuen Vorsitzenden suchen. Bundestagsabgeordneter Hansjörg Müller habe mit einem Schreiben vom Mittwoch sein Amt an der Spitze des Kreisverbands mit sofortiger Wirkung niedergelegt, berichtete stellvertretender Vorsitzender Wolfgang Koch am Freitag gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Bis zu einer Nachwahl leitet Koch in Absprache mit den Vorstandskollegen den AfD-Kreisverband.


In seinem Schreiben habe Müller auch einen Grund für seinen Rücktritt genannt. Er habe mitgeteilt, dass er bis weit ins Jahr 2022 im Ausland sei, sagte Koch. »Hansjörg Müller hat sich abgesetzt. Er hat sich vom Acker gemacht.« Er sehe »nur sich selbst« und kassiere das Geld, das er als Abgeordneter bekommt.

Dass Müller den Kreisvorsitz niedergelegt hat, bedauert Kreisrat Koch nicht. Ganz im Gegenteil meint er: »Ich weine ihm keine Träne nach.« Müller sei ein »politischer Amokläufer« und habe im Kreisverband für viel Unruhe gesorgt.

Als Bundestagsabgeordneter habe Müller ein Büro in Mitterfelden gemietet. Nach seiner vergeblichen Bewerbung um die Direktkandidatur habe er Ende des vergangenen Jahres gekündigt – entgegen der Abmachung. Die Übereinkunft habe gelautet, dass er sein Büro bis zum Ende der Legislaturperiode behält. Mit seiner Kündigung habe er den AfD-Kreisverband, der im Keller als Untermieter eingezogen sei, Schwierigkeiten bereitet.

Hans-Jörg Müller war bei der Bundestagswahl 2017 der Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 225 Traunstein gewesen, der die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land umfasst. Das Direktmandat ging damals erwartungsgemäß an Dr. Peter Ramsauer (CSU). Müller schaffte dann aber doch den Einzug in den Bundestag: Über die Liste erhielt er Sitz und Stimme im Parlament in Berlin.

Wie schon 2017 wollte Hansjörg Müller auch bei der Bundestagswahl 2021 wieder als Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 225 ins Rennen gehen. Doch er musste in der Nominierungsversammlung in Bergen eine Niederlage einstecken. Die AfD-Mitglieder in den beiden Landkreisen entschieden sich in einer Stichwahl für Joachim Bernshausen aus Übersee, den Kreisvorsitzenden und Kreisrat in Traunstein.

Erfolglos blieb Müller auch im Stimmkreis Würzburg. Dort versuchte er, Direktkandidat für die Bundestagswahl im September zu werden. Der Wahlausschuss der Stadt Würzburg beschloss mehrheitlich, den 53-Jährigen nicht zuzulassen. Grund war ein Formfehler. Die AfD hatte ihre Bewerbungsunterlagen im Rathaus abgegeben – mit drei eingescannten Unterschriften. Nötig gewesen wären hingegen Original-Unterschriften.

Damals machte das Gerücht die Runde, dass Müller sauer sei auf seine eigene Partei. Es war die Rede davon, dass die eine fehlende Original-Unterschrift absichtlich zurückgehalten worden sei.

Müller gilt als Anhänger des rechten Flügels rund um den Thüringer Landeschef Björn Höcke. Müller ist gebürtiger Franke, er wuchs in Treuchtlingen und Landshut auf. Im September 2020 wählten ihn die AfD-Mitglieder zum Kreisvorsitzenden im Berchtesgadener Land. Im November übernahm er das Amt des ersten stellvertretenden Landesvorsitzenden der AfD.

Hansjörg Müller hat sich am Freitag auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts nicht geäußert. pü