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Silke Aichhorn gestaltete das Konzert in der Reihe »Musik für die Seele« in der Schlechinger Kirche St. Remigius. (Foto: Wunderlich)

Harfenmusik für die Seele

Schon die ersten Töne der Harfe von Silke Aichhorn, die durch das Kirchenschiff der Schlechinger Kirche St. Remigius schwebten, ließen auf ein außergewöhnliches Konzert hoffen. Tanzend mit Sarabande und Bourrée von Johann Sebastian Bach und Marcel Grandjany gab es einen fröhlichen Auftakt. 


Erfrischend vermittelte Alphonse Hasselmanns' Stück »La Source, Etude de concert« wirklich das Gefühl, an einer Quelle zu sitzen. Weiter ging es nach Spanien mit dem Komponisten Francisco Tarrega und der Erinnerung an die Stadtburg Alhambra (»Recuerdos de la Alhambra«).

Otto Dufter, Leiter der Musikschule Grassau und Moderator des Abends, stellte kurz den beruflichen Lebensweg der international tätigen Künstlerin Silke Aichhorn vor, die als eine der bekanntesten und aktivsten europäischen Harfenistinnen gilt und als Dozentin zahlreicher Meisterkurse sowie weltweit als Jurorin bei Harfenwettbewerben tätig ist.

Bei dem Stück des ukrainischen Komponisten Vasyl Barvinsky erzählte Silke Aichhorn von einem gemeinsamen Konzert mit der ukrainischen Harfenistin Veronika Lemishenko in Traunstein.

Eine echte Überraschung war die Komposition des jungen norwegischen Harfenspielers Uno Alexander Vesje. Silke Aichhorn erklärte dazu die kleine schwarze Box, die neben ihr auf der Erde stand – die Musikerin berichtete, sie habe ein paar Flügel dabei und die Zuhörer sollen sich nicht wundern, wenn plötzlich Vogelstimmen auftauchen. »Life is flashing my eyes and I realize that it all started with a blackbird« war der Titel des Stücks. Der Blackbird – offensichtlich eine Amselstimme – begleitete den musikalischen Vortrag auf dramatische Weise. Das Stück vermittelte den Eindruck eines gefangenen Vogels, der sich nach Freiheit sehnt und offenlässt, ob er sie erhält. Im Kontext zu den anderen gewählten Stücken stand wieder die Sehnsucht nach Freiheit. Stimmungsvoll ging es mit einer Komposition des Franzosen Bernard Andrès weiter und dem schwungvollen »Country Dance«.

Otto Dufter zitierte zum Abschluss des Konzerts im Rahmen der Reihe »Musik für die Seele« eine lustige Passage aus Silke Aichhorns Buch »Lebenslänglich frohlocken – Skurriles aus dem Leben einer Harfenistin« – die Künstlerin ist nämlich auch als Autorin tätig. Die Zuhörer waren begeistert und wollten Silke Aichhorn nicht ohne eine Zugabe gehen lassen.

Deshalb spielte Silke Aichhorn noch »The parting glass«, ein Stück aus Schottland, das zum Abschied gesungen wird: Einem Gast, der schon sein Pferd bestiegen hat, wird zur Stärkung für die Heimreise »Ein Glas zum Abschied« gereicht. Die Zuhörer spendeten viel Beifall.

Sybilla Wunderlich