weather-image
-2°

Haydn mit dem Saxofon – ein besonderes Hörerlebnis

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Ein furioses musikalisches Feuerwerk entfachten (von links) Nikola Komatina, Blaz Kemperle, Alan Luzar, Guerino Bellarosa, Erik Nestler und Volker Reichling in der Traunsteiner Klosterkirche. (Foto: B. Heigl)

Vor zwei Jahren begeisterte das Signum Saxophone Quartet zum ersten Mal das Publikum bei den Traunsteiner Sommerkonzerten. Ja, man schloss sich damals eigentlich gegenseitig ins Herz. Die Atmosphäre des Festivals, das aufgeschlossene, begeisterungsfähige Publikum und die tolle Organisation von Imke von Keisenberg, so Eric Nestler, der das Altsaxofon spielt, seien triftige Gründe, dass man gerne nach Traunstein kommt.


Wohlig entspannt lehnte man sich zurück, als die ersten Klänge des Streichquartetts f-Moll von Joseph Haydn, bearbeitet für Saxofonquartett von David Walter, erklangen. Die vier Sätze der Komposition wurden dem großen Meister trotz ungewöhnlicher Besetzung mehr als gerecht. Der strahlende Glanz, der dem Werk Haydns innewohnt, die Harmonie und Ausgeglichenheit seines Charakters, die sich in seinem Werk widerspiegelt, spielte das Quartett auf den Punkt.

Anzeige

Dass die Klosterkirche optimal für Bläser ist, zeigte sich auch bei Marcelo Zarvos’ (geb. 1969) Stück »Memory« aus »Nepomuk’s Dances«, das im Orginal für Streichquartett komponiert worden ist. Die Musiker verteilten sich in der Klosterkirche, und das meditativ-spirituell beginnende Werk schwebte als quadrophonische Klangwolke über dem Auditorium. Wenn man dabei die Augen schloss, erlebte man einen vollkommenen Hörgenuss, der das Bewusstsein der Zuhörer in andere Sphären entschweben ließ. Als die Musiker auf die Bühne zurückkehrten, nahm das Stück eine überraschende Wendung. Die langgezogenen melodischen Phrasen wurden immer rhythmischer, das Tempo zog an und wurde geradezu furios, es entwickelte sich der typisch entfesselte musikantische Balkan-Sound.

Mit der minimalistischen Komposition »New York Counterpoint« von Steve Reich, bei welcher das Quartett mit einem elektronischen Sampler die Tonspuren aufnahm und übereinanderlegte, die dann zugespielt wurden, breitete sich ein »fluoreszierendes Fluidum« (Zitat von Erik Nestler) an Großstadtimpression aus, das sich derart steigerte, dass es einen gegen Ende des Stücks im positiven Sinn ordentlich wegblies.

Die wollten also nicht nur »spielen«, nein, sie wollten auch ordentlich Ramba-Zamba machen. Dazu holten sich die Musiker noch Nikola Komatina, Akkordeon, und Volker Reichling, Percussion, auf die Bühne. »Machen sie die Augen zu, und hören sie, wie das Leben auf dem Balkan ist«! Mit diesen Worten stimmte Erik Nestler das Publikum auf das Kommende ein. Die eine halbe Stunde lang dauernde Komposition von Izidor Leitinger, »Suita quasi Balkanika«, charakterisierte die in dieser Region lebenden, hochmusikalischen Menschen in all ihren Facetten. Die Musik, poetisch-musikantische Melancholie, gepaart mit absolut schrägem virtuosem Chaos im Stop-and-Go-Rhythmus, wildem, schrillem, ekstatischem Balkan-Jazz und orientalischem Melodienreichtum, riss das Publikum in einen wahren Freudentaumel. Gerne wäre man da aufgesprungen und hätte getanzt. Filmszenen aus »Schwarze Katze, weißer Kater« von Emir Kusturica tauchten vor dem geistigen Auge auf, in denen auch wie entfesselt musiziert und getanzt wird und die ganze poetische Wildheit des Balkans, dem Land aus Blut und Honig, sichtbar gemacht wird.

Mit einem mazedonischen Volkslied, das der Akkordeonspieler sang, wurde es kurz ein wenig besinnlicher, bevor die wilde Jagd erneut begann, bei der das Tenorsaxofon so wunderherrlich jaulte, der Schlagzeuger sanft mit dem Besen über die Felle strich, das Baritonsaxofon ordentlich trötete und das Tenorsaxofon in einen orientalischen Singsang fiel. Chapeau, was für eine Party! Barbara Heigl

- Anzeige -