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Haydns südamerikanische Saitensprünge

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Das Salonorchester »Reich an Hall« mit Cora Stiehler (von links), Fred Ullrich, Thorsten Köpke und Barbara Eger eröffnete mit seinem Konzert die Veranstaltungsreihe des Teisendorfer Kulturvereins. (Foto. Konnert)

Das Salonquartett »Reich an Hall« hat bei seinem zweiten Konzert in Teisendorf stimmungsvoll vorgeführt, wie es klingt, wenn sich Haydn von den Klängen des argentinischen Tangos beeinflussen lassen oder Mozart heute gut bekannte Kinderlieder und Gassenhauer in seine »kleine Nachtmusik« eingebaut hätte. Mit dem Konzert des Reichenhaller Streichquartetts eröffnete der Teisendorfer Kulturverein – wie schon im vergangenen Jahren – seine Veranstaltungsreihe.


Die vier Musiker des Streichquartetts, Cora Stiehler und Fred Ullrich (Violine), Barbara Eger (Cello) und Thorsten Köpke (Viola) eröffneten ihr Programm mit dem Divertimento in F-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, ein Werk, das seinerzeit als »Salzburger Sinfonie« bekannt wurde, gefolgt vom ersten Satz aus dem »Quintenquartett« von Joseph Haydn.

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Wäre Haydn im 20. Jahrhundert durch Südamerika gereist, hätte er vielleicht in sein Quintenquartett südamerikanische Folklore und Tangoelemente eingebaut, so wie es Werner Thomas-Mifune in seiner Paraphrase des Quintetts gemacht hat. »Haydn's Südamerikanische Saitensprünge«, humorvoll und mitreißend vorgetragen, begeisterten jedenfalls.

Schuberts »Wiener Damen Ländler« ist leicht und tänzerisch – und klingt gar nicht wie seine sonst eindringlichen, melancholischen Lieder. Beim näheren Hinhören ist er aber doch mehr als ein gewöhnlicher Ländler. Wie Schubert war auch Josef Schramml ein echter Wiener, der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt hat. Es war die Zeit als die Wiener Tanz und Unterhaltung als Mittel gegen Weltangst und Unsicherheit entdeckten. Das berühmteste Werk Schrammls, der Marsch »Wien bleibt Wien«, lässt trotz Marschtempos diese Atmosphäre erahnen und wurde vom Salonorchester »richtig wienerisch« vorgetragen. Von Wien ging es nach Paris und zu Giacomo Puccini mit dem wunderschönen Liebeslied »Quando me’n vo« (»Wenn ich weg gehe«) aus »La Bohème«.

Nach der Pause war von Melancholie keine Spur mehr. Wolfgang Schröder, ein zeitgenössischer Komponist, hat in Mozarts »Nachtmusik« 20 Ohrwürmer anderer Komponisten von Beethovens 5. Sinfonie bis zu Strauß’ Radetzkymarsch eingebaut und sie zur »Lachmusik« gemacht. Das Salonquartett »Reich an Hall« spielte sie nicht nur, sondern folgte auch den Regieanweisungen des Komponisten – wie aufstehen, Pfeifen, falsch spielen oder stampfen – und brachte das Publikum immer wieder zum Lachen.

Romantisch wurde es wieder beim Blumenwalzer aus dem Ballett »Der Nussknacker« von Peter Iljitsch Tschaikowski mit herrlichen Cello-Partien und abwechselndem Dialog zwischen Geige und Cello. Das von Köpke arrangierte Medley aus dem Musical »Sound of Music« von Richard Rogers führte die Zuhörer ins Salzburg der Familie Trapp, bevor dann Stevie Wonders Hit »Sir Duke« alle wieder ins Jetzt zurückbrachte. Maurice Ravels Bolero war anschließend einer der Höhepunkte des Konzertabends.

Das Publikum bedachte das Salonquartett mit reichem Applaus und erhielt dafür die gewünschte Zugabe. Mit der Wiederholung von Mozarts Divertimento in F-Dur und der Rückkehr in die Zeit der Klassik gelang ein großartiger Abschluss des Konzertabends gelungen. Monika Konnert