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Heavy Metal in Wacken: Regen und Sonnenschein

Wacken (dpa) - «Rain or Shine» lautet ein Motto des weltgrößten Heavy Metal Festivals, «Faster, Harder, Louder» ein anderes: «Wackööööööööööön», wie die Fans begeistert sich zurufen, wird in diesem Jahr wieder einmal allem gerecht.

Wacken Open Air Festival 2012
Die Stimmung ist gut. Foto: Daniel Reinhardt Foto: dpa

Die Hardrock-Fans im schleswig-holsteinischen Wacken bei Itzehoe lassen sich die Freude von Lappalien wie schlechtem Wetter nicht vergällen. Zum Wacken Open Air 2012 (W:O:A) erwarten die Veranstalter bis zum Wochenende 75 000 Besucher bis aus aller Welt.

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Nachdem heftige Regenschauer am Donnerstagmorgen erneut Teile des Festivalgeländes unter Wasser setzten, zogen viele Besucher vorsorglich ihre Gummistiefel über. Doch der Wettergott muss ein Heavy-Metal-Fan sein: Mittags rissen die Wolken auf, und ein blauer Himmel strahlte über dem Gelände. Viele Besucher zogen die Regenkleidung wieder aus und wechselten die Gummistiefel gegen Sandalen.

Zu früh: Als Deutschlands Metal-Queen Doro Pesch mit der Festival-Hymne «We Are The Metalheads» den Startschuss gab, öffnete der Himmel erneut seine Schleusen. Viele Fans vor der Bühne waren jedoch vom Auftritt der früheren Warlock-Sängerin so begeistert, dass sie nicht einmal bemerkten, wie das Bier in ihren Bechern immer dünner wurde. Doro Pesch eröffnet bereits seit mehreren Jahren immer gemeinsam mit der Band Skyline das W:O:A.

Bereits 20 Stunden zuvor hatte die Feuerwehrkapelle der Gemeinde Wacken das inoffizielle Eröffnungskonzert gegeben. Dabei schüttelten mehrere hundert Schwarzgekleidete Rock-Fans ihr langes Haar im Rhythmus der Blasmusik.

Auf den Campingplätzen standen Zelte dicht an dicht, dazwischen einige Wohnwagen und auch Wohnmobile. «Das hat so viel gekostet wie ein Einfamilienhaus», erzählt Wohnmobilbesitzer Andreas. Er ist 48 Jahre alt und arbeitet als Rechtsanwalt in Frankfurt für dreistellige Stundensätze. Beim W:O:A könne er wieder «ganz normal Mensch sein», sagt der Jurist, bevor er sich mit einem Bier in der Hand, gekleidet in schwarzen Bermudashorts und schlammverkrusteten Stiefeln in die Menschenmenge stürzt.

Einige Meter weiter hat die 16-jährige Swetlana ihr 20 Euro teures Igluzelt aufgestellt. Die Schülerin hat das ganze Jahr über gespart, um sich das Ticket für die Tage in Wacken leisten zu können. Jetzt sitzt sie mit einem Schreibblock auf den Knien und malt sich einen richtigen «Stundenplan», damit sie ja nichts versäumt: Von Donnerstag 19.45 Uhr, wenn Wölli & die Band des Jahres auf der Headbanger Stage spielen, bis zum Auftritt von Machine Head Samstagnacht ab 23.15 Uhr auf der True Metal Stage. Zum Abschluss hat sie sich Watain auf der Partystage vorgemerkt.

«Alles ist geil», ruft Adrian. Der 36-Jährige aus Bremen ist auf dem Weg zu den Sanitätern. Ein heftiger Sonnenbrand hat seine kalkweißen Schultern schon nach einer knappen Stunde krebsrot gefärbt. Sein «Wacköööönn»-Ruf klingt jedoch immer noch kraftvoll.

W:O:A